Oration

Die Oration ist das abschließende Gebet des Angelus. Sie fasst die Betrachtung zusammen und lautet auf Deutsch:

Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Amen.

Die lateinische Version lautet:

Grátiam tuam,
quæsumus,
Dómine, méntibus nostris infunde;
ut qui, Ángelo nuntiánte,
Christi Fílii tui incarnatiónem cognóvimus,
per passiónem eius et crucem ad resurrectiónis glóriam perducámur.
Per Christum, Dóminum nostrum.
Amen.

Osterkerze

Die Osterkerze ist eine große Kerze aus (Bienen)wachs, die in der Liturgie der Westkirchen, darunter die römisch-katholische, die anglikanische und die lutherische Kirche, zu Beginn der Osternachtfeier am Osterfeuer bereitet, geweiht und entzündet wird. Ihre weiße Farbe ist dabei kein Zufall: Weiß steht in diesem Zusammenhang für Hoffnung und neues Leben.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Das Entzünden einer besonderen Kerze zu Ostern ist keine mittelalterliche Erfindung. Der Brauch ist seit der Spätantike bezeugt. Bereits im Frühjahr 384 schrieb der Kirchenvater Hieronymus über das österliche Kerzenlob in einer Form, die ausdrücklich auf das Kerzenmaterial Wachs einging, und hielt fest, dass der Vortrag dieses Lobs dem Diakon vorbehalten war.

In der Osterkerze vereinigen sich Lichttraditionen aus griechischer, jüdischer, römischer und christlicher Herkunft gleichermaßen, denn Licht galt in all diesen Kulturen als Zeichen für das Leben. Die frühesten Wurzeln liegen im frühen Christentum, wo man die Feier der Osternacht mit zahlreichen Kerzen erleuchtete. Aus dem antiken Rom ist außerdem der Brauch überliefert, die Osternachtsfeier mit zwei mannshohen Kerzen zu erleuchten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde schließlich auch die gesamte Feuersymbolik des Osterfeuers auf die Osterkerze übertragen, so dass diese heute im Mittelpunkt der Osternachtfeier steht.

Die Osterkerze ist ursprünglich als Brandopfer zu verstehen. Ihr Lobgesang, das Exsultet, ist einem antiken Hymnus ähnlich, in dem die Gottheit gepriesen wurde, der das Opfer galt. Im Wachsmaterial selbst sahen frühere Theologen ein Sinnbild für Christus: Im reinen „Leib“ der Kerze aus gebleichtem Bienenwachs erkannte man ein Sinnbild für die menschliche Natur Christi, während die Flamme als Zeichen seiner göttlichen Natur aufgefasst wurde.

Ablauf

Die Feier beginnt draußen vor der Kirche. Am Osterfeuer wird die Kerze entzündet und gesegnet. Dann trägt ein Kerzenträger die Flamme durch das abgedunkelte Kirchenhaus und ruft dabei dreimal das Lumen Christi, auf Deutsch: „Christus, das Licht.“ Die Gemeinde antwortet mit „Gott sei ewig Dank.“ Anschließend entzünden die Gläubigen ihre eigenen mitgebrachten Kerzen an der großen Flamme.

Sobald die Osterkerze auf dem festlich geschmückten Osterleuchter steht, singt der Diakon das Exsultet, das feierliche Osterlob. Die Osterkerze ist der liturgische Mittelpunkt der gesamten Osternacht.

Bemerkenswert ist auch ihr Einsatz bei der Tauffeier in derselben Nacht: Die Osterkerze wird dabei dreimal in das Taufwasser eingesenkt, um die besondere Verbindung des Taufwassers mit dem auferstandenen Jesus zu unterstreichen.

Die Osterkerze brennt, je nach Auslegung, entweder bis Christi Himmelfahrt oder bis Pfingsten. Danach wird sie neben den Taufstein gestellt, wo sie fortan bei Taufen brennt. Auch bei Begräbnissen brennt die Osterkerze neben dem Sarg, um die Verbindung zwischen Tod, Taufe und Auferstehung sichtbar zu machen.

Die Symbole auf der Osterkerze

Wer eine Osterkerze genau betrachtet, entdeckt eine kleine Bildsprache, die eigene Erläuterungen verdient.

  • Das Kreuz
    ist das zentrale Motiv und steht für Tod und Auferstehung Christi.
  • Alpha und Omega
    sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf das Wort Jesu in der Offenbarung des Johannes, wo er sich als Anfang und Ende, Ersten und Letzten bezeichnet. Der Brauch, diese Buchstaben auf die Osterkerze einzuritzen, ist erstmals im 7. Jahrhundert in Spanien belegt.
  • Die Jahreszahl
    des laufenden Jahres erinnert daran, dass das Ostergeschehen nicht in der Vergangenheit verbleibt, sondern im Heute gefeiert wird.
  • Die fünf Weihrauchkörner,
    die in vorbereitete Vertiefungen der Kerze eingesetzt werden, gelten als Symbol für die fünf Wunden Christi.

Regionale Besonderheiten

Im bayerisch-österreichischen Alpenraum hat die Osternachtfeier mit der Osterkerze einen besonders feierlichen Charakter bewahrt. In vielen Pfarrgemeinden wird das Osterfeuer noch im Freien entzündet, oft auf dem Kirchplatz oder auf einer Anhöhe, bevor die Flamme in die verdunkelte Kirche getragen wird. Der Volksbrauch, eine kleine Kerze mit nach Hause zu nehmen und das erste Licht der Osternacht ins eigene Heim zu tragen, ist in Teilen Salzburgs und Tirols lebendig, auch wenn er keine einheitliche liturgische Form hat.

In ländlichen Gemeinden wurde früher der restliche Wachsstock der Osterkerze nach dem Pfingstsonntag mancherorts als Schutzkerze bei Gewittern verwendet, ähnlich der Wetterkerze.

Bedeutung heute

Die Osterkerze ist im deutschsprachigen Katholizismus lebendig geblieben, weit über rein liturgische Kreise hinaus. Viele Gemeinden gestalten ihre Osterkerze eigens, Pfarreien beauftragen Kunsthandwerker, und auch in privaten Haushalten werden kleine Osterkerzen zum Andenken aufgestellt. Die Nachfrage nach handverzierte Kerzen aus Bienenwachs ist in den letzten Jahren sogar wieder gestiegen, was auf ein wachsendes Interesse an liturgischen Handwerkstraditionen hindeutet. Das Entzünden der Kerze in der Osternacht gilt vielen auch konfessionell wenig gebundenen Menschen als ein bewegender Moment, der Jahrtausende christlicher Lichtmetapher in einem einzigen Bild zusammenfasst.

Pass

Wer im Advent von einer „Perchten-Pass“ oder „Krampus-Pass“ hört, denkt zunächst nicht an Dokumente, sondern an eine organisierte Gruppe von Maskenträgern, die gemeinsam auftritt. Der Begriff „Pass“ (auch „Passe“) bezeichnet im alpenländischen Brauchtum genau das: den fest gefügten Verein oder die informelle Gruppe, die als Einheit zu Krampus- und Perchtenläufen ausrückt – mit eigenen Regeln, eigener Kleidung und oft über Generationen weitergegebenen Masken.

In Salzburg, dem Kernland dieses Brauchs, hat sich die Struktur der Passen im 20. Jahrhundert stark professionalisiert. Standen um die Jahrtausendwende noch rund 160 Gruppen im Land, sind es inzwischen schätzungsweise 500 – ein Zeichen dafür, wie lebendig das Brauchtum geblieben ist. Zu den bekanntesten zählt die 1966 gegründete „Alt Gnigler Krampus Perchten Pass“, die aus einer Initiative des Salzburger Tapeziermeisters Hans Brugger hervorging und bis heute Männer und Frauen aus drei Generationen vereint. Eine andere bekannte Pass sind die „Salzburger Schiachpercht’n und Krampusse“ welche beispielsweise den Krampuslauf (5. Dezember) und den Perchtenlauf (21. Dezember) am Salzburger Christkindlmarkt organisieren.

Eine Pass finanziert sich meist selbst: Jedes Mitglied schafft seine Maske und sein Fell auf eigene Kosten an, was die geschnitzten Larven zu echten Erbstücken macht, die oft über Jahrzehnte in Familien weitergegeben werden. Damit die Läufe sicher ablaufen, stehen viele Passen in enger Abstimmung mit den Gemeinden und der Exekutive – feste Routen, Ordner und Verhaltensregeln gehören heute ebenso zum Brauch wie die Maske selbst.

Regional unterscheiden sich Passen deutlich: Während die Salzburger Gruppen für aufwendig geschnitzte Holzmasken und echte Fellkostüme bekannt sind, kamen etwa niederösterreichische Perchtengruppen in den 1970er-Jahren noch mit deutlich einfacheren Mitteln aus – Papiermasken und alte schwarze Mäntel genügten dort, um die Figuren des Passens zum Leben zu erwecken.

Patrozinium

Wer in einem Dorf aufgewachsen ist, kennt das: Einmal im Jahr ist die Kirche festlich geschmückt, die Glocken läuten ausgiebiger als sonst, und nach dem Gottesdienst geht es zum Wirten. Nicht der Nationalfeiertag, nicht Ostern, nicht Weihnachten, sondern der Namenstag der eigenen Kirche wird gefeiert. Genau das nennt man Patrozinium.

Das Wort stammt vom lateinischen patrocinium, was so viel bedeutet wie „Beistand“ oder „Schutzherrschaft“. Gemeint ist damit zweierlei: zum einen die Schutzverhältnis eines bestimmten Heiligen über eine Kirche, zum anderen das Fest, das an seinem liturgischen Gedenktag jährlich gefeiert wird. Im Alltag werden diese beiden Bedeutungen oft gar nicht auseinandergehalten, was auch unter Fachleuten zu Diskussionen führt.

Einfach gesagt: Jede katholische Kirche trägt einen Namen, meistens den eines Heiligen, etwa „St. Martin“ oder „Maria Himmelfahrt“. Dieser Heilige ist der Schutzpatron dieser Kirche. Und sein Festtag ist das Patrozinium.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung des Patroziniums reicht tief in die Frühzeit des Christentums. In der Alten Kirche war es zunächst Brauch, am Grab eines heiligen Märtyrers dessen Beistand zu erflehen. Aus diesem Grab-Kult entwickelte sich die Praxis, Kirchen über den Ruhestätten von Märtyrern zu errichten, und den jeweiligen Heiligen zum himmlischen Beschützer dieses Ortes zu machen.

Seit Bischof Ambrosius von Mailand bezeichnet das Patrozinium das Schutzverhältnis eines Heiligen, der seiner Kirche, seinem Bistum oder seiner Stadt helfend zur Seite steht. Die frühen Kirchen wurden zunächst vor allem Christus selbst, den Aposteln, Maria oder Johannes dem Täufer geweiht. Seit dem Spätmittelalter kamen auch abstrakte Glaubensgeheimnisse als Widmungsträger hinzu, etwa die Heilige Dreifaltigkeit, der Heilige Geist oder, in neuerer Zeit, das Heiligste Herz Jesu.

Im Mittelalter galt der Schutzheilige einer Kirche geradezu als deren rechtlicher Eigentümer, dem das Kirchenvermögen anvertraut war. Das erklärt auch, warum ein Patrozinium keine leichte Angelegenheit war, die man einfach so ändern konnte. Im Alpenraum wurde ein Patrozinium aufgrund seiner rechtlichen und sakralen Bedeutung nur selten gewechselt.

Für Volkskundler und Kirchenhistoriker sind die Patrozinien darüber hinaus eine wertvolle Quelle: Mithilfe der sogenannten Heiligentopografie, etwa durch die Verbreitung bestimmter Kultheiliger oder durch Patrozinienübertragungen, lassen sich Rückschlüsse auf frühe Kirchenorganisation und Missionsgeschichte ziehen.

Ablauf und typische Elemente

Das Patrozinium ist liturgisch ein Eigen-Hochfest der jeweiligen Kirche, also der höchste Festrang, den eine Pfarrei für sich beanspruchen kann. Im Mittelpunkt steht der feierliche Gottesdienst, oft mit Pontifikalamt, besonderer Predigt und Prozession. Das Patrozinium hat zudem eine Repräsentationsfunktion: Der Schutzpatron erscheint auf Fahnen, Flaggen, Wappen und Siegeln der Gemeinde.

In vielen Orten war und ist das Patrozinium auch ein Anlass für Volksmusik, Tanz und geselliges Beisammensein nach dem Gottesdienst und wurde zum Kirtag oder Kirchweih. Früher zählte dieses Fest nach der Ernte zu den beliebtesten in der Landbevölkerung und wurde gelegentlich drei Tage lang mit Tanz und Festessen begangen.

Regionale Besonderheiten

Im bayerisch-österreichischen Alpenraum trägt das Patrozinium oft eigene regionale Namen. Im österreichischen Raum spricht man häufig vom „Kirchtag“ oder „Kirtag“, in Bayern vom „Kirta“. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gehörte die Kirchweih zu den wichtigsten lokalen Festen; im Verlauf der Neuzeit vermischte sie sich zunehmend mit anderen Gelegenheiten wie dem Almabtrieb, dem Erntedank oder dem Schützenfest.

Da Patrozinium und Kirchweih-Weihetag nur selten auf denselben Tag fallen, wurde in früheren Zeiten in einer Gemeinde nach der anderen gefeiert, was erhebliches Volksvergnügen mit sich brachte, aber auch die Behörden auf den Plan rief. In Bayern führte man daher 1806 einen allgemeinen „Tag der Kirchweih“ ein, den dritten Sonntag im Oktober, um die vielen unterschiedlichen Festtermine zu vereinheitlichen und das Herumziehen des Gesindes einzudämmen. Viele Gemeinden feiern ihr Patrozinium seither trotzdem weiterhin gesondert.

Die genaue Ausgestaltung des Patroziniumsfestes variiert von Pfarrei zu Pfarrei stark. Manche Gemeinden begehen es schlicht mit einem feierlichen Gottesdienst, andere mit mehrtägigem Volksfest, Prozession und Jahrmarkt.

Bedeutung heute

Das Patrozinium ist heute in vielen Pfarreien zwar weniger spektakulär als früher, aber als Identifikationspunkt lebendig. Gerade in kleineren Dörfern des Alpenraums ist der Kirchtag noch immer einer der wichtigsten Termine im Jahreskalender, an dem sich Menschen treffen, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Die Verbindung von religiösem Fest und dörflicher Gemeinschaft ist das Herzstück dieses Brauches.

Für Kirchenhistoriker und Volkskundler sind die Patrozinien außerdem ein unterschätztes Forschungsfeld: An den Schutzheiligen der ältesten Kirchen lässt sich oft noch ablesen, welche Missionarsgruppen eine Region als erste christianisiert haben und aus welcher Richtung das Christentum einst vorgedrungen ist.

Pfaffenkapperl

„Pfaffenkaperl“ ist ein österreichisch-bairischer Volksname für den Gewöhnlichen Spindelstrauch, botanisch Euonymus europaeus L. Die Pflanze gehört zur Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) und ist unter einer ganzen Reihe von regionalen Volksnamen bekannt: Pfaffenhütchen, Pfaffenkäppchen, Pfaffenkapperl, Pfarrerkapperl, Spillbaum und Spindelbaum sind nur einige davon.

Der Name erklärt sich aus dem Aussehen der Früchte. Die rosafarbenen bis karminroten Kapseln erinnern an das Birett, die traditionelle Kopfbedeckung katholischer Geistlicher, was den volkstümlichen Namen „Pfaffenhütchen“ bzw. im österreichischen Dialekt „Pfaffenkaperl“ erklärt.

Der Strauch kann bis zu sechs Meter hoch werden. Seine Blüten sind unscheinbar weißlich bis grünlich und erscheinen im Mai und Juni. Die Samen entwickeln sich in vierlappigen Kapseln, die bei Reife aufspringen und die Samen an feinen Fäden heraushängen lassen.

Zur Giftigkeit: Alle Pflanzenteile, besonders die Samen, enthalten herzwirksame Glykoside und Alkaloide, die für den Menschen gefährlich sind. Nach dem Verzehr kann es zu Erbrechen, Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken kommen, wobei die Giftwirkung erst nach mindestens zwölf Stunden einsetzt. In Extremfällen können bereits 30 bis 40 Samen tödlich sein.

Volksmedizinisch war die Pflanze dennoch in Gebrauch: Überliefert sind Anwendungen als harntreibendes, herzstärkendes und wundheilendes Mittel gegen Kopfschmerzen, Herzschwäche und als Abführmittel. Außerdem wurde das Pulver der Samen früher als Mittel gegen Krätzemilben und Läuse eingesetzt.

Regionaler Bezug: Im bayerischen Raum ist die Pflanzung an Bildstöcken verbreitet, was sich wohl auf den geistlichen Klang des Namens zurückführen lässt. Im überlieferten Volksglauben spielt das Pfaffenkaperl ansonsten eine eher untergeordnete Rolle.

Pfingsten

Pfingsten ist das Fest, an dem der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger Jesu herabkam. Dieser Moment gilt als der Geburtstag der Kirche. Die Schilderung findet sich in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments:

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem die Jünger saßen.

Das Pfingstereignis: 2,1–13

Seither gelten Feuer und Wind als die klassischen Symbole des Heiligen Geistes, und die Taube, obwohl sie in der Apostelgeschichte beim Pfingstgeschehen selbst nicht erwähnt wird, hat sich als Bild des Heiligen Geistes tief im Volksglauben verankert.

Die liturgische Farbe an Pfingsten ist Rot, als Farbe des Feuers und des Heiligen Geistes. In vielen Kirchen werden Priester und Ministranten an diesem Tag entsprechend gekleidet, und die Gotteshäuser sind mit roten Blumen geschmückt.

Herkunft

Der Zeitraum von fünfzig Tagen wurde aus der jüdischen Tradition übernommen. Im Judentum war das Fest zunächst ein Erntedankfest mit der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel. Später wurde es als Wochenfest bezeichnet und rückte stärker das Danksagen für Gottes Gesetzesübergabe an Moses in den Mittelpunkt. Die frühe christliche Gemeinde knüpfte bewusst an diesen jüdischen Festtermin an. Erstmals fand Pfingsten als christliches Fest im Jahre 130 schriftliche Erwähnung.

Pfingsten im Voralpenland

Im bäuerlichen Jahreskreis der Alpen und des Voralpenlands war Pfingsten kein rein religiöser Feiertag, sondern zugleich ein wichtiger Einschnitt im Wirtschaftsjahr. Rund um Pfingsten beginnt in Österreich der Almauftrieb: Rund 51.000 Milchkühe, 265.000 Rinder, 9.000 Pferde, 114.000 Schafe und 10.000 Ziegen werden auf die Sommerweiden in den höheren Lagen getrieben. Pfingsten markierte damit jahrhundertelang den Beginn der Weideperiode, was das Fest mit dem bäuerlichen Leben unmittelbar verknüpfte.

Es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als sogenannte „Halterbuben“ einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie schon kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das „Pfingstschnalzen„. In Oberösterreich und in Teilen der Steiermark wird dieses Peitschenknallen bis heute gepflegt.

Ein weiterer verbreiteter Brauch im bairisch-österreichischen Raum ist das Schmücken der Häuser mit frischen Birkenzweigen. Diesen sogenannten Pfingstmaien wurden Schutzkräfte nachgesagt, da sie böse Geister im Haus vertreiben sollten. Außerdem galten die Birkenäste als Symbol der Liebe.

Im Bereich der Volksmedizin und des Volksglaubens gibt es noch weitere Überlieferungen: In Salzburg erhellen Pfingstfeuer die Nacht, was an vorchristliche Feuerrituale erinnert.

Die Pfingstrose

Die Pfingstrose (Paeonia) hat ihren deutschen Namen schlicht daher, dass sie rund um Pfingsten zu blühen beginnt. Sie wurde im Volksglauben mit dem Fest in Verbindung gebracht und als Schmuckpflanze in und um die Kirche verwendet. Eine tiefere rituelle Bedeutung ist nicht eindeutig belegt.

Pfingsten heute

Die religiöse Bedeutung von Pfingsten ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Hintergrund gerückt. Traditionelle Bräuche werden weniger gepflegt, dafür erlebt die Reisebranche einen Aufschwung, da das verlängerte Wochenende gerne für Kurzreisen genutzt wird. Dennoch gibt es Regionen im Voralpenland und in Österreich, in denen die alten Pfingstbräuche lebendig geblieben sind: Das Pfingstschnalzen in Oberösterreich, die Almauftriebe in Salzburg und Tirol, oder die Pfingstritte in Bayern, bei denen Reiter zu Pferd die Fluren und Felder umrunden, um den Saaten gutes Gedeihen zu wünschen.

Reliquien

Das Wort „Reliquie“ stammt vom lateinischen reliquiae und bedeutet so viel wie „das Zurückgelassene“ oder „Überbleibsel“. Gemeint sind damit körperliche Überreste von Heiligen, also Knochen, Asche oder einzelne Körperteile, aber auch persönliche Gegenstände, die einem Heiligen gehört haben oder mit ihm in Berührung gekommen sind. Diese zweite Gruppe nennt man Berührungs- oder Kontaktreliquien. Daneben gibt es noch Sekundärreliquien: Gegenstände, die über einen längeren Zeitraum am Grab eines Heiligen aufbewahrt wurden und dadurch selbst als heilig gelten.

Im Kern steckt dahinter ein tief menschlicher Gedanke: Das Heilige hört nicht mit dem Tod auf. Es bleibt, es wirkt weiter, man kann es berühren, anrufen, erbitten.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Die Reliquienverehrung ist die älteste Form der Heiligenverehrung überhaupt und lässt sich bis ins 2. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie wächst direkt aus dem frühen Märtyrerkult heraus: Wer für seinen Glauben gestorben war, dem wurde eine besondere Nähe zu Gott zugesprochen. Es wurde Brauch, über den Gräbern der Märtyrer Altäre und später ganze Kirchen zu errichten.

Seit dem 8. Jahrhundert war die Kirche bestrebt, jeden ihrer Altäre mit einer Reliquie auszustatten. Das hatte weitreichende Folgen: Der Bedarf wuchs enorm. Die hohe Nachfrage förderte im Mittelalter einen lebhaften Handel, bei dem nicht selten auch gefälschte Objekte in Umlauf gerieten. Wer eine bedeutende Reliquie besaß, besaß Prestige, Ansehen und Pilgerströme. Feudalherrscher erwarben Reliquien berühmter Heiliger, um ihr Ansehen beim Volk zu steigern und ihren Herrschaftsanspruch zu festigen.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert setzte ein deutlicher Rückgang der ausgeprägten Reliquienverehrung ein, während sie im katholischen Glauben bis heute fortbesteht.

Reliquiare: Das kostbare Gehäuse des Heiligen

Für die Aufbewahrung und Zurschaustellung von Reliquien wurden kunstvolle Behältnisse geschaffen, die sogenannten Reliquiare. Sie sind meist kostbar gestaltet, mit Gold, Edelsteinen und aufwendiger Ziselierung, und werden in Kirchen gezeigt. Die Form richtete sich oft nach dem Inhalt: Armknochen kamen in goldene Armreliquiare, Schädelreliquien in kunstvoll gearbeitete Köpfe. Diese sogenannten „sprechenden Reliquiare“ entstanden, weil unter den Pilgern der Wunsch wuchs, die Reliquien unmittelbarer in Augenschein nehmen zu können, und weil geschlossene Kästen zunehmend Misstrauen weckten, zumal Fälschungen immer häufiger wurden.

Zu den bekanntesten mittelalterlichen Reliquienschreinen zählen der Dreikönigenschrein im Kölner Dom, der Karlsschrein im Aachener Dom sowie der Marburger Elisabethschrein.

Reliquien und Wallfahrt

Im Alpen- und Voralpenraum waren Reliquien über Jahrhunderte eng mit der Wallfahrtskultur verflochten. Der Glaube dahinter war, dass Reliquien eine eigene Kraft und Wirkungsmacht besäßen, die auch über den Tod des Heiligen hinausgehe.

Klöster und Kirchen im Alpenraum wurden zu bedeutenden Pilgerstätten, wenn sie eine bedeutsame Reliquie ihr Eigen nennen konnten. So entwickelte sich etwa das Benediktinerkloster Andechs in Bayern, das eine Blutreliquie verwahrt, ebenso zum Wallfahrtszentrum wie Heiligenblut am Großglockner in Kärnten.

In Salzburg selbst ist der Dom ein aufschlussreiches Beispiel: Unter seinen Seitenaltären befinden sich Reliquienschreine, darunter Schädelreliquien. Die Gebeine des heiligen Rupert, des Stadtpatrons und ersten Bischofs von Salzburg, wurden bereits 774 zur Domweihe aus Worms nach Salzburg überführt und bildeten damit von Beginn an einen spirituellen Mittelpunkt der Stadt.

Für die Habsburger spielte Mariazell die zentrale Wallfahrtsrolle, für die Wittelsbacher war es Altötting. Beide Orte sind zwar keine reinen Reliquienstätten, zeigen aber, wie eng Herrschaft, Frömmigkeit und heilige Objekte im Alpenraum miteinander verwoben waren.

Die drei Klassen der Reliquien

In der kirchlichen Tradition werden Reliquien in drei Gruppen eingeteilt, die heute noch gebräuchlich sind:

  • Erstklassige Reliquien sind Körperteile des Heiligen selbst, also Knochen, Asche oder ähnliches.
  • Zweitklassige Reliquien sind Gegenstände, die dem Heiligen gehörten oder von ihm getragen wurden.
  • Drittklassige Reliquien sind Objekte, die lediglich Kontakt mit einer erst- oder zweitklassigen Reliquie hatten, etwa ein Tuch, das auf einen Schrein gelegt wurde.

Diese Einteilung ist kirchenrechtlich fundiert und gilt bis heute.

Kritik, Handel und der Vorwurf der Fälschung

Man darf nicht so tun, als wäre die Reliquienverehrung immer ungetrübt gewesen. Gefälschte Reliquien waren im Mittelalter kein Randphänomen, sondern ein weit verbreitetes Problem. Der Spott war entsprechend: Wie konnte Christus ein Dutzend Vorhäute hinterlassen? Wie konnten von mehreren Kirchen gleichzeitig der Originalfinger des heiligen Bartholomäus verehrt werden? Aus den Splittern des Kreuzes von Jesus kann man ganze Häuser bauen!

Martin Luther machte die Reliquienverehrung zu einem seiner zentralen Angriffspunkte. In katholischen Regionen wie Bayern und Österreich hielt sich die Praxis dagegen durch die Gegenreformation und blieb volksfromm verankert.

Reliquien heute

Im Alpenraum sind Reliquien auch heute noch lebendig, wenn auch stiller als im Mittelalter. In vielen alten Kirchen und Stiften sind Reliquiare Teil der Kirchenausstattung, manchmal sichtbar in Altarnischen, manchmal unscheinbar in Altarplatten eingelassen. Wallfahrten wie jene nach Altötting oder Mariazell ziehen nach wie vor Hunderttausende an, auch wenn der Schwerpunkt dort heute auf dem Gnadenbild liegt und weniger auf einer Körperreliquie.

Für die Volkskundlerinnen und Volkskundler sind Reliquien nicht zuletzt ein Zeugnis dafür, wie Menschen versucht haben, das Ungreifbare greifbar zu machen: das Göttliche berühren, das Heilige anfassen, die Verbindung spüren.

Rosenkranz

Der Rosenkranz gehört zu den bekanntesten Gebetsformen der katholischen Kirche: ein Gebet in festen Wiederholungen, gezählt an einer Kette aus 59 Perlen, bei dem die Betenden das Leben Jesu mit den Augen Marias betrachten. Namensgebend ist ein mittelalterliches Bild – der Brauch von Verliebten, sich Kränze aus Rosen zu schenken. Der Dominikaner Heinrich Suso übertrug diesen Gedanken auf die Marienverehrung: ein Kranz aus Ave-Maria-Gebeten, gewunden für die Gottesmutter.

Seine Wurzeln reichen freilich weiter zurück als der Name. Schon frühchristliche Wüstenväter und erste Mönchsgemeinschaften kannten ab dem 3. Jahrhundert die Praxis, einzelne Worte oder Sätze der Heiligen Schrift meditativ zu wiederholen. Im 11. Jahrhundert beteten Laienmönche das Vaterunser bis zu 150-mal, mit Hilfe einer Gebetskette gezählt – daraus entstand mit wachsender Marienverehrung der sogenannte Marienpsalter, bei dem das Ave Maria zunehmend an die Stelle des Vaterunsers trat.

Seine heutige Form erhielt der Rosenkranz erst nach und nach: Der Trierer Kartäuser Adolf von Essen führte im 15. Jahrhundert den Brauch ein, während der Ave-Maria-Wiederholungen über einzelne Stationen im Leben Jesu nachzudenken – ähnliche Betrachtungen sollen bereits Zisterzienserinnen gekannt haben. Um das Gebet für einfache Gläubige praktikabel zu halten, reduzierte man die Zahl dieser „Geheimnisse" schließlich auf 15. Papst Sixtus IV. empfahl 1479 das tägliche Rosenkranzgebet, Papst Pius V. legte 1569 den bis heute gültigen Text fest.

Die Legende, wonach der heilige Dominikus den Rosenkranz 1208 direkt von der Muttergottes als geistliche „Waffe" gegen die Irrlehre der Albigenser erhalten habe, gehört zu den bekanntesten Überlieferungen rund um das Gebet – historisch belegen lässt sich diese Entstehung allerdings nicht; die Forschung geht heute von der beschriebenen, allmählichen Entwicklung aus.

Bis heute ist der Rosenkranz tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt: als stille Andacht für sich allein, als gemeinschaftliches Beten in der Familie oder in der Kirche, und vielerorts als fester Bestandteil des Mai- oder Rosenkranzmonats Oktober. An manchen Orten hat sich zudem der Brauch erhalten, am Ende jedes Gebetsblocks zusätzlich das sogenannte Fatimagebet anzuhängen – offiziell nicht Teil des ursprünglichen Gebets, aber fest im Volksglauben verankert.

Salzburger Nockerl

Kaum eine Süßspeise ist so eng mit einer Stadt verbunden wie die Salzburger Nockerl mit Salzburg – drei goldbraun überbackene Hauben aus Eischnee, die dampfend heiß auf den Tisch kommen und beim ersten Löffel schon wieder in sich zusammenfallen. Wie beim Münchner Pendant, der Weißwurst, ranken sich auch um die Nockerl mehrere Entstehungsgeschichten – und keine davon lässt sich lückenlos belegen.

Drei Berge auf einem Teller

Die charakteristische Form ist kein Zufall: Die drei Erhebungen aus geschlagenem Eiweiß, Eigelb, Zucker und wenig Mehl sollen die drei Hausberge der Stadt nachbilden – den Mönchsberg, den dahinterliegenden Rainberg und den auf der anderen Salzachseite gelegenen Kapuzinerberg. Wer die Nockerl serviert bekommt, sieht also im Idealfall ein süßes Abbild der Salzburger Stadtsilhouette vor sich, dezent mit Puderzucker bestäubt wie mit einer Schneedecke.

Die Legende um Salome Alt und Wolf Dietrich

Die bekannteste Entstehungsgeschichte führt weit zurück ins frühe 17. Jahrhundert, an den Hof des Salzburger Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau und seiner langjährigen Lebensgefährtin Salome Alt. Die beiden verband über zwei Jahrzehnte eine Beziehung, aus der 15 Kinder hervorgingen – eine kirchenrechtliche Ehe blieb den beiden trotz wiederholter Bitten Wolf Dietrichs in Rom verwehrt, öffentlich lebten sie ihre Verbindung aber ganz selbstverständlich. Für Salome ließ Wolf Dietrich 1606 vor den Toren der Stadt das Schloss Altenau errichten, das sein Nachfolger später zum heutigen Schloss Mirabell umbauen ließ. Der Legende nach soll ausgerechnet Salome Alt der süßen Erhebung ihren Namen und ihre Form gegeben haben – als Zeichen ihrer unerschütterlichen Liebe zu Wolf Dietrich, so hoch aufgetürmt und leicht wie das Gefühl selbst.

Eine schöne Geschichte, die der Küchentechnik widerspricht

So romantisch die Erzählung klingt, so wenig hält sie einer genaueren Prüfung stand. Die Technik, Eiweiß zu steifem Schnee zu schlagen, war zu Salome Alts Lebzeiten schlicht noch nicht gebräuchlich – sie setzte sich erst rund hundert Jahre später durch. Noch schwerer wiegt: Der Backofen, wie man ihn für das Aufgehen und Überbacken der Nockerl braucht, kam in der heute bekannten Form erst im 19. Jahrhundert in die bürgerlichen Küchen. Historisch belegen lässt sich die Süßspeise deshalb erst ab dieser Zeit, nicht schon im frühen Barock. Manche Quellen bringen stattdessen sogar Napoleon Bonaparte mit den Nockerl in Verbindung, der während seiner Salzburg-Aufenthalte allerdings mit Kriegsplänen mehr beschäftigt gewesen sein dürfte als mit neuen Dessert-Rezepten. Wer genau die Nockerl tatsächlich erfunden hat, bleibt damit bis heute ungeklärt – die Salome-Alt-Legende ist die schönste der kursierenden Geschichten, aber eben eine Legende und keine gesicherte Überlieferung.

Vom umstrittenen Ursprung zum kulinarischen Wahrzeichen

Unabhängig davon, wie die Nockerl tatsächlich entstanden sind, haben sie sich längst zu einem festen Bestandteil der Salzburger Küche und Identität entwickelt – ganz ähnlich, wie es der Weißwurst in München ergangen ist. Man findet sie in Salzburger Traditionslokalen ebenso wie in Kochbüchern weit über die Stadtgrenzen hinaus, und die Legende um Salome Alt wird bis heute gerne weitererzählt, gerade weil sie der Süßspeise eine Geschichte von großer Liebe mitgibt, die über die reine Küchentechnik hinausgeht. Ob erfunden oder nicht: Die drei süßen Berge stehen längst so selbstverständlich für Salzburg wie die echten Berge im Hintergrund der Stadt.

Schepseisen

Ein Schepseisen ist ein Werkzeug, das traditionell beim Maibaumaufstellen verwendet wird. Es handelt sich dabei um ein langes, flaches Eisen, das dazu dient, die Rinde vom Stamm des Maibaums zu entfernen. Dieser Prozess wird auch als Schälen bezeichnet.

Das Schepseisen wird dabei entlang des Stammes geführt, um die Rinde abzutragen und den Baum für das Aufstellen vorzubereiten. Es ist ein wichtiges Werkzeug in dieser Tradition und trägt dazu bei, den Baum für das Fest vorzubereiten. Es erfordert Geschick und Erfahrung, das Schepseisen effektiv zu verwenden, und es ist ein wesentlicher Bestandteil des Brauchtums des Maibaumaufstellens.