Scherhaufn

„Scherhaufen“ ist ein Dialektwort aus dem österreichisch-bayerischen Sprachraum. Es bezeichnet, was im Hochdeutschen „Maulwurfshaufen“ heißt: den kleinen Erdhügel, den die Schermaus (also der Maulwurf) beim Graben seiner unterirdischen Gänge an die Oberfläche schiebt.

Die Erde wird dabei vom Maulwurf mit Kopf oder Rüssel seitlich nach oben gedrückt, je nach Bodenbeschaffenheit alle 50 bis 100 Zentimeter, was die typischen Hügel von rund 25 Zentimetern Höhe ergibt. Interessanterweise liegen diese Haufen meist nicht direkt über dem Gang, sondern seitlich versetzt.

Das Wort lebt vor allem in Österreich, Teilen Bayerns und der Schweiz weiter, während man im nördlicheren Hochdeutsch schlicht „Maulwurfshaufen“ sagt. „Schermaus“ oder „Schermäusl“ ist der regionale Name für den Maulwurf.

Schwegelpfeife

Die Schwegelpfeife, im Dialekt oft einfach „Schwegel“ oder „Seitlpfeiferl“ genannt, ist ein hölzernes Blasinstrument mit sechs Grifflöchern, das seitlich, also quer zum Körper, angeblasen wird. Mit diesen sechs Löchern lässt sich ein Tonumfang von zweieinhalb Oktaven spielen, und der Klang ist schrill und durchdringend. Gefertigt wird sie vom Drechsler, meist aus Birnbaum, Zwetschke, Buchs oder Pfaffenkappl, die besten aber aus Eibe. Heute gibt es sie auch aus Kunststoff, aber die Holzvariante gilt unter Kennern als klanglich überlegen.

Herkunft und Geschichte

Die Schwegelpfeife ist seit dem 12. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum nachweisbar. Ihren Ursprung hatte sie jedoch nicht in der Volksmusik, sondern auf dem Schlachtfeld: Ursprünglich kam die Schwegel aus der Militärmusik, und die Landsknechtkapellen bestanden klassischerweise aus zwei Pfeifen und einer Trommel. Im Mittelalter war sie, gepaart mit der Trommel, das Instrument der Landsknechte, aber auch der Bauern bei den Bauernaufständen und der Burschen bei ihren Kirchweihzügen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Schwegel in Tirol wohl ihre Hochzeit, bevor das Aufkommen der Blechmusikkapellen die alte Marschmusik zunehmend verdrängte. Die Schützen hielten die Tradition jedoch lebendig, und so fand das Instrument seinen Weg aus dem militärischen in den volkskulturellem Kontext.

Klang, Bau und Spielpraxis

Das Besondere an der Schwegel ist ihre Schlichtheit. Kein Klappenwerk, keine Mechanik, nur Holz, sechs Löcher und ein Anblaseloch. Schwegelpfeifen-Spielerin Anja Grabner beschreibt es so: Das Instrument sei jederzeit einfach zu spielen und passe in jeden Rucksack. Die wichtigsten Stimmlagen bewegen sich heute meist um a1 (440 Hz), also kammerton-kompatibel, was das Zusammenspiel erleichtert.

Der typische Einsatz war und ist die Kombination mit einer Trommel, meist einer Rührtrommel. Dieser Klang, Pfeife und Trommel zusammen, ist bis heute das akustische Erkennungszeichen der alpenländischen Schützenmusik.

Regionale Verbreitung

Die Schwegel wird bis heute im Salzkammergut, vereinzelt in Niederösterreich, in Tirol und Südtirol (Ahrntal und Tauferertal), in Oberbayern (Isarwinkel) sowie bei der Basler Fasnacht und im Wallis gespielt.

Das eigentliche Herzstück des Schwegelspiels ist das Salzkammergut. Dort hat sich das Musizieren mit der Seitlpfeife als wichtiger Bestandteil der Volksmusik bei Tanz und Marsch bis heute erhalten. In Salzburg ist der helle Klang der Schwegelpfeife etwa in Mattsee im Flachgau ein regionales Erkennungszeichen des Festschützenwesens.

In Tirol ist das Instrument untrennbar mit den Schützenkompanien verbunden, die ihren Ursprung in den Bürgerwehren des Mittelalters haben. Dort wird bis heute nach dem Motto Pfeife und Trommel marschiert.

Das Wissen um den Bau ist gefährdet

Ein dunkler Punkt in der Geschichte der Schwegel ist die zunehmende Seltenheit kompetenter Instrumentenbauer. Das Wissen um den Schwegelbau stützt sich auf mündliche Überlieferungen und ist als gefährdet einzustufen. Nach dem Ableben der beiden bekannten Schwegelbauer Hausa Schmidl in Kärnten und Dietmar Derschmidt in Scharnstein ist die Anzahl jener, die gute Instrumente bauen können, verschwindend gering.

Hausa Schmidl, Orgelbauer und Tischlermeister aus Heiligenblut, hat tausende Instrumente erzeugt, sowohl in der Tiroler Form als auch in der Salzkammergutform, und verkaufte sie als großer Idealist auch sehr günstig. Am Ostermontag 1999 ist er hochbetagt im Alter von 94 Jahren verstorben.

Bedeutung heute

Die Seitelpfeife, also die Schwegelpfeife, ist als immaterielles Kulturerbe im österreichischen nationalen UNESCO-Verzeichnis eingetragen, was ihren kulturellen Stellenwert unterstreicht. Das Instrument ist kein museales Objekt, sondern lebt in den Schützenvereinen, bei Pfeifertagen und regionalen Festen weiter.

Für die Schwegler im gesamten Alpenraum, die laut den Aufzeichnungen der Pfeiferväter aus allen Bundesländern Österreichs sowie aus Bayern und Südtirol kommen, ist der Pfeifertag der wichtigste Musiziertermin des Jahres. Diese Zusammenkünfte funktionieren noch immer großteils über Mundpropaganda.

Schwenden

„Schwenden“ bedeutet im älteren Sprachgebrauch das Roden und Lichten von Gestrüpp, Gebüsch und unerwünschtem Aufwuchs auf Wiesen, Weiden und Almen. Auf den Bergweiden des Voralpenlands ist das kein Luxusproblem: Wo nicht regelmäßig gerodet wird, holt sich der Wald die Fläche zurück. Farne, Stauden, Adlerfarn, Haseln und Birken – sie alle dringen langsam, aber unaufhaltsam in die Wiesen vor.

Das Wort „schwenden“ leitet sich vom mittelhochdeutschen swenden ab und meint das Vernichten oder Verschwinden-Lassen von Vegetation – oft durch Abschneiden, Ausreißen oder gezieltes Abbrennen. Es ist nicht eindeutig belegt, ob der Begriff ursprünglich auch für das Brandroden, also das Abbrennen von Flächen zur Kultivierung, verwendet wurde – regional sind hier unterschiedliche Bedeutungen überliefert.

Siebenschläfertag

Der Siebenschläfertag ist ursprünglich ein kirchlicher Gedenktag und wurde später (vor allem im deutschsprachigen Raum) auch als „Lostag“ im Volksglauben bekannt – also als Tag, an dem man aus dem Wetter eine Tendenz für die nächste Zeit „ablesen“ wollte.

Der Name geht auf die Legende der Sieben Schläfer von Ephesus zurück: Sieben junge Christen sollen während der Christenverfolgung Zuflucht in einer Höhle gesucht haben und dort – der Überlieferung nach – über sehr lange Zeit geschlafen haben, bevor sie wieder entdeckt wurden. In christlicher Tradition ist damit auch der Gedanke an Auferstehung und Glaubenstreue verbunden.
Der Siebenschläfertag hat nichts mit dem Nagetier „Siebenschläfer“ als eigentlichem Anlass zu tun – die Namensgleichheit führt nur oft zu Missverständnissen.

Der Gedenktag wird im westlichen (katholischen) Kalender typischerweise am 27. Juni verortet (regional gibt es abweichende Gedenktage).

Meteorologisch wird die „Siebenschläferregel“ häufig damit erklärt, dass sich Ende Juni/Anfang Juli die Großwetterlage über Mitteleuropa oft stabilisiert – unter anderem im Zusammenhang mit der Lage und dem Verlauf des Jetstreams. Liegt er langfristig eher nördlich oder südlich, beeinflusst das die Tendenz zu stabilen Hochdruckphasen bzw. zu wechselhafteren, feuchteren Wetterlagen.

Silvesternacht

Die Silvesternacht, also die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar, ist einer der wenigen Momente im Jahr, an dem so gut wie jeder Mensch – ob religiös oder nicht – innehält und sich fragt: Was soll das neue Jahr, die Zukunft bringen?

Was steckt hinter dem Namen?

„Silvester“ ist kein alter Volksname für den Jahreswechsel. Er geht auf den heiligen Silvester I. zurück, Papst von 314 bis 335 n. Chr., dessen Gedenktag im katholischen Kalender auf den 31. Dezember fällt.

Wie bedeutsam Silvester I. tatsächlich war, ist historisch umstritten – aber sein Name blieb am letzten Tag des Jahres hängen, und das seit Jahrhunderten.

Im deutschsprachigen Raum hat sich „Silvester“ als Alltagsbegriff vollständig durchgesetzt. Im Englischen sagt man schlicht „New Year’s Eve“, im Französischen „Saint-Sylvestre“ – der Heilige lebt also auch anderswo weiter, wenngleich nicht immer bewusst.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Jahreswechsel selbst ist weit älter als das Christentum. Schon die Römer feierten das neue Jahr zu Ehren des Gottes Janus – des doppelköpfigen Gottes, der gleichzeitig nach vorne und nach hinten blickt. Von ihm stammt der Name „Januar“.

Im Mittelalter begann das neue Jahr in vielen Regionen Europas gar nicht am 1. Januar, sondern zu Weihnachten, zu Ostern oder zu Maria Verkündigung – je nach Ort und Tradition. Erst mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 setzte sich der 1. Jänner als offizieller Jahresbeginn zunehmend durch.

Im Voralpenland und im Alpenraum vermischte sich der Jahreswechsel früh mit älteren Winterbräuchen. Der 31. Dezember fällt mitten in die sogenannten Raunächte – jene zwölf magischen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen laut Volksglauben die Geisterwelt besonders nah ist, Hexen und Dämonen ihr Unwesen treiben und Träume als Zeichen für das kommende Jahr gedeutet werden.

Die Raunacht als Rahmen

Wer die Silvesternacht im alpinen Brauchtum verstehen will, muss die Raunächte kennen.

Die genaue Zählung variiert regional, aber die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar gilt fast überall als eine der bedeutsamsten Rauhnächte. In manchen Überlieferungen ist es die neunte, in anderen die elfte Rauhnacht – je nachdem, ab wann man zu zählen beginnt.

In dieser Nacht sind die Grenzen zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt durchlässig. Wer genau hinhört, soll die Wilde Jagd durch die Lüfte reiten hören. Haustiere sollen in der Neujahrsnacht sprechen können – freilich ist es streng verboten, ihnen dabei zuzuhören. Um böse Geister zu vertreiben, half Lärm. Viel Lärm! Dazu waren dann auch die Perchten gedacht.

Typische Bräuche

Schüsse, Glockenläuten, Böller und lautes Rufen gehören seit Jahrhunderten zum Jahreswechsel. Der Hintergedanke war zunächst kein Fröhlichkeit-Bekenntnis, sondern ein schlichtes Mittel: Lärm vertreibt böse Mächte.

Im Salzburger Land und im Rupertiwinkel ist das Neujahrsschießen (auch Neujahrsböllerschießen) bis heute lebendig. Schützenvereine und Prangerstutzenvereine begrüßen das neue Jahr mit Böllerschüssen. In manchen Gemeinden geschieht dies um Mitternacht, in anderen bereits am frühen Neujahrsmorgen und in wieder anderen am Nachmittag des Silvestertages.

Ein sehr alter Brauch, der in vielen Familien im Voralpenland bis ins 20. Jahrhundert lebendig war: das Bleigießen.

In manchen Gebieten des Salzkammerguts, der Steiermark und des bayerischen Voralpenlands gab es den Brauch des Neujahrssingens.

In ländlicheren Bereichen des Salzburger Landes – etwa im Pongau, Lungau oder Tennengau – ist der Jahreswechsel stärker mit den Raunächten verknüpft. Hier wird Haus und Hof mancherorts noch geräuchert, um böse Geister zu vertreiben.

Im gesamten Alpenraum ist die Verbindung zwischen Jahreswechsel und dem alpinen Perchtenbrauchtum spürbar.

Bedeutung heute

Die Silvesternacht ist eines der wenigen Feste, das tatsächlich von fast allen gefeiert wird – unabhängig von Konfession oder Herkunft. Der religiöse Bezug auf den heiligen Silvester ist im Alltag kaum noch präsent. Was geblieben ist, ist der menschliche Wunsch nach einem Neuanfang, nach Gemeinschaft und nach dem kollektiven Innehalten.

Gleichzeitig erleben viele der alten Bräuche – das Räuchern, das bewusste Begehen der Rauhnächte, das Bleigießen (nun in der Wachsvariante) – eine kleine Renaissance. Menschen suchen Rituale, die dem Jahreswechsel mehr Tiefe geben als Sekt und Böller allein.

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

In vielen Stuben repräsentiert eine hölzerne, kunstvoll geschnitzte Taube den heiligen Geist. Diese Figur wird meistens direkt über dem Esstisch aufgehängt.

Früher wurde an diesem Tisch gemeinsam gegessen, wobei die bäuerliche Familie mit dem Gesinde rund um einen Suppentopf saß, der mitten auf dem Tisch stand. Und hier kommt die Physik ins Spiel. Die heiße Suppe dampfte, der Dampf stieg auf und kondensierte an der Taube, der Heiligen-Geist-Figur da diese kalt war. In der Folge tropfte es von der Taube wieder in den Suppentopf.

Gefertigt werden die Tauben traditionell aus Zirbenholz – im Lungau etwa fertigt eine Familie in Zederhaus die Figuren seit vier Generationen in reiner Frauenhand, Mutter und Tochter schnitzen sie mit einfachem Werkzeug, teils nur mit dem Küchenmesser. An einem Stück arbeiten sie sieben bis acht Stunden, das Holz wird zuvor gekocht, um es geschmeidig zu machen, die Flügelstruktur folgt dabei dem Vorbild eines Pfaus. In guten Jahren entstehen so 300 bis 400 Tauben, vermarktet unter anderem über das Salzburger Heimatwerk. Neben dem Aufhängen über dem Esstisch dienen die geschnitzten Tauben bis heute auch als Geschenk zu Taufe, Firmung oder Hochzeit.

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Taferlbua

Wer schon einmal einem Festzug im bayerisch-österreichischen Alpenraum zugeschaut hat, dem ist er vielleicht aufgefallen: ein Kind in Tracht oder Vereinskleidung, das ganz alleine an der Spitze einer Abordnung marschiert und ein hölzernes Schild vor sich herträgt. Dieses Kind ist der Taferlbua und seine Aufgabe ist kleiner als sie aussieht, aber bedeutsamer als man zunächst denken mag.

Was bedeutet der Begriff?

Als Taferlbua, Taferlbub oder Tafelbub bezeichnet man im bairisch-österreichischen Sprachraum einen Knaben (oder natürlich auch Mädchen als Taferlmadl oder Taferldirndl), der bei einem Festzug mit dem Schild seines Vereins vor der Vereinsabordnung marschiert. Das Wort setzt sich zusammen aus „Taferl“ (das kleine Schild oder Täfelchen) und „Bua“ (der Bub, der Junge) bzw. Madl/Dirndl (für wie).

Das Taferl selbst ist ein auf einem Holzstab befestigtes Schild, auf dem der Name des Vereins steht. Wenn ein Verein auswärts bei einem Zusammentreffen oder Brauchtum auftritt, soll jeder wissen, wer da kommt und woher sie stammen.

Herkunft und historischer Hintergrund

Eine präzise historische Erstbelegung des Brauchs ist schwierig nachzuweisen. Fest steht, dass das Vereinswesen im bayerisch-österreichischen Raum seit dem 19. Jahrhundert stark zugenommen hat, Schützenvereine, Musikkapellen, Trachtler, Feuerwehren, Krampusse, Perchten und mit ihm die Festzugskultur. Das Taferl als Erkennungszeichen eines Vereins im Umzug ist eine praktische wie symbolische Lösung: Es kündigt die Gruppe an, bevor die Fahne sichtbar wird.

Besonders bei den bayerischen Gebirgsschützenkompanien ist der Taferlbua seit Langem fester Bestandteil des Auftretens bei Festzügen. Ähnliche Gepflogenheiten finden sich auch in Trachtenvereinen, Blaskapellen, Feuerwehren, Perchten und Krampusvereinen. Je nach Gegend und Verein kann es Unterschiede in der Gestaltung des Taferls, der Tracht des Taferlbua und den genauen Gepflogenheiten geben.

Ablauf und typische Elemente

Beim Festzug wird die Vereinsabordnung vom Taferlbua angeführt, der das Vereinstaferl trägt, gefolgt von der Fahnenabordnung mit der Vereinsfahne und den weiteren Mitgliedern.

Das Taferl wird an einer Stange getragen und vor dem Körper gehalten. Da ein solches Holztaferl je nach Größe durchaus einiges wiegen kann, gibt es inzwischen speziell gefertigte Ledertragegurte für Kinder. Ein Kreuztragegurt verteilt das Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern, verhindert ein Verrutschen und hält die Stange mittig vor dem Körper.

Das Tragen des Vereinstaferls gilt für Kinder und Jugendliche als besondere Ehre.Mit Stolz und Freude laufen sie an der Spitze ihres Vereins und kündigen ihn an.

Regionale Besonderheiten

Der Taferlbua ist vorwiegend in Bayern und im österreichischen Voralpenland verbreitet, in Regionen also, in denen das Vereinsleben und die Festzugskultur noch sehr lebendig sind. Schützenvereine, Blaskapellen und Trachtenvereine in Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich sowie weiten Teilen Bayerns kennen den Brauch.

In manchen Vereinen übernehmen diese Aufgabe ausschließlich Söhne oder Töchter von Vereinsmitgliedern oder junge, aktive Vereinsmitglieder. Andernorts ist die Aufgabe offen für alle Kinder im Vereinsumfeld. In kirchlichen Prozessionen wie Fronleichnam kann eine ähnliche Rolle von Kindern übernommen werden, die Vereins- oder Pfarrtafeln tragen, auch wenn der Begriff „Taferlbua“ dort nicht immer verwendet wird.

Bedeutung heute

Wer heute als Taferlbua oder Taferlmadl mitläuft, trägt nicht einfach ein Stück Holz durch die Straßen. Er oder sie übernimmt eine Aufgabe mit Verantwortung und steht dabei buchstäblich ganz vorne. Für viele Kinder ist das der erste bewusste Berührungspunkt mit dem Vereinsleben ihrer Gemeinde, eine Art Initiationsmoment, bevor man später vielleicht selbst Fahnenträger oder aktives Mitglied wird.

Dass es heute eigens gefertigte Tragegurte und gepflegte Holztaferln gibt, zeigt: Dieser scheinbar kleine Brauch wird ernsthaft und liebevoll weitergepflegt. Er verbindet Kinder mit der Vereinstradition ihrer Region und gibt ihnen einen sichtbaren, stolzen Platz im Festzug.

Taufe

Die Taufe ist das erste und grundlegendste der christlichen Sakramente. Sie gilt als das eingliedernde Ritual der Reinigung und Geisterfüllung, und sie ist sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche ein Sakrament. Das Wort selbst kommt vom Eintauchen: Wasser wird über den Kopf gegossen, oder der Täufling wird ins Wasser getaucht. Dabei spricht der Taufspender die Worte:

Ich taufe dich im Namen
des Vaters und
des Sohnes und
des Heiligen Geistes.

Durch die Taufe wird ein Mensch Teil der christlichen Glaubensgemeinschaft. Sie steht damit am Anfang des Lebens als Christ. Für die Kirche ist sie kein rein familiäres Ereignis, sondern stets auch ein Fest der ganzen Gemeinde.

Herkunft und Geschichte

Ursprünglich fand die Taufe in der Osternacht statt, und es wurden ausschließlich erwachsene Katechumenen getauft, die zuvor teils jahrelang im Glauben unterwiesen worden waren. Mit der wachsenden Ausbreitung des Christentums begann sich auch die Kindertaufe durchzusetzen.

Der Kirchenvater Ambrosius berichtete im 4. Jahrhundert davon, dass frisch getaufte Erwachsene mit brennenden Kerzen in die Versammlung der Gemeinde einzogen. Das weiße Taufkleid ist ebenfalls seit dem 4. Jahrhundert belegt.

Im bäuerlichen Alpenraum hatte die Taufe lange Zeit eine Dringlichkeit, die über das Religiöse weit hinausging. Nach katholischer Glaubenslehre blieb einem Kind, das ohne Taufe starb, der Weg in den Himmel verwehrt. Es galt als ausgeschlossen von der Gottesschau und fand seinen Platz im sogenannten „Limbus puerorum“, einem Ort zwischen Himmel und Hölle ohne Aussicht auf Erlösung. Diese Vorstellung trieb Eltern dazu, ihre Kinder so rasch wie möglich taufen zu lassen. Deshalb wurde fast immer schon am Tag der Geburt getauft.

Die Nottaufe: Wenn jede Stunde zählte

Die Taufe gilt als so grundlegend, dass in Notfällen jeder Katholik die Taufe spenden darf. Diese Möglichkeit spielte in früheren Zeiten besonders bei Hebammen eine entscheidende Rolle.

War ein Neugeborenes schwach, nahm die Hebamme in der Regel die Nottaufe vor. Überlebte das Kind dennoch, wurde diese Nottaufe oft durch einen Priester kirchlich wiederholt. Die Taufformel, die dabei zu sprechen war, musste die Hebamme korrekt beherrschen. Dazu gab es entsprechende Prüfungen durch den Pfarrer.

Wenn du lebest,
so taufe ich dich im Namen
des Vaters und
des Sohnes und
des Heiligen Geistes.

Amen

Das Spektrum der Versuche, einem ungetauften Kind noch die Taufe zu ermöglichen, reichte von eilig vollzogenen Nottaufen über Taufen noch im Mutterleib bis hin zu Wallfahrten mit verstorbenen Kindern, bei denen die Eltern um eine kurzzeitige Erweckung baten, um das Kind rasch taufen zu können. Diese sogenannten „Kinderzeichen“-Wallfahrten sind aus mehreren österreichischen Wallfahrtsorten überliefert.

Der Ablauf: Wasser, Licht, Öl und weißes Kleid

Die wichtigsten Elemente der Taufzeremonie sind das Übergießen des Kopfes mit Weihwasser, die Salbung mit Chrisam (einem geweihten Öl), die Übergabe eines weißen Kleides und das Entzünden der Taufkerze am Osterlicht.

Jedes dieser Zeichen trägt eine Bedeutung: Das Wasser steht für Reinigung und neues Leben, das weiße Kleid für die Unschuld, das Licht für Christus als Licht der Welt, das Öl für Stärke und Salbung.

Die Taufkerze ist heute nicht mehr nur ein liturgisches Symbol, sondern häufig ein persönlicher Gegenstand, der kunsthandwerklich gestaltet und als Erinnerungsstück aufbewahrt wird.

Die Taufpaten

Bei der Kindertaufe spielen die Paten (Goden) eine zentrale Rolle. Sie geben an Stelle des Täuflings die Antworten beim Glaubensbekenntnis, und durch ihre Übernahme dieser Rolle entsteht eine sogenannte „geistliche Verwandtschaft“, die sich durch besondere Verbundenheit ausdrückt.

Die Aufgabe der Taufpaten wird kirchlich ernst genommen: Im Idealfall sollen sie das Patenkind ein ganzes Leben lang begleiten, es in seinem Christsein unterstützen und durch ihre eigene Lebensweise als Vorbild dienen. Genau genommen gehört das Patenamt damit zu den wichtigsten Aufgaben, die Laien in der katholischen Kirche übernehmen können.

Zur Erinnerung schenkten die Taufpaten früher Münzen (sogenannte Tauftaler als eine Art Notgroschen), Medaillen, Schmuckstücke wie ein Medaillon mit Schutzengel oder einen Taufbrief.

Regionale Bräuche

Im bäuerlichen Milieu war die Taufe nicht nur Sakrament, sondern auch Anlass für Gemeinschaft und Fest. Die werdende Mutter wählte rechtzeitig eine Gevatterin aus, die das Kind zur Taufe holte und anschließend den Taufschmaus organisierte. Das bäuerliche Leben begann damit sozusagen mit einem Brauch: Der Mensch wurde buchstäblich in das Brauchtum hineingeboren.

Im Salzburger Raum ist zudem der Brauch überliefert, dass Taufpaten ihren Patenkindern zu Allerseelen das sogenannte „Gebildbrot“ schenkten – also kunstvolles, geformtes Gebäck, das die geistliche Verbindung zwischen Pate und Patenkind auch im Jahreskreis lebendig hielt.

Bedeutung heute

Laut Kirchenstatistik gab es 2024 in Österreich 36.705 katholische Taufen. Das ist zwar deutlich weniger als in früheren Jahrzehnten, zeigt aber, dass die Taufe für viele Familien nach wie vor einen hohen Stellenwert hat, auch wenn die religiöse Prägung insgesamt abnimmt.

Die Taufe ist heute seltener die dringliche Schutzmaßnahme für das Seelenheil eines Neugeborenen, die sie über Jahrhunderte war. Sie ist mehr zum bewussten Schwellenfest geworden, zum Moment, in dem eine Familie sagt: Dieses Kind soll mit einem Namen und mit einer Gemeinschaft in die Welt treten. Das Wasser, das Licht, das Weiß des Kleides haben dabei nichts von ihrer symbolischen Kraft verloren.

Taufkerze

Die Taufkerze ist ein zentrales Objekt im Ritus der christlichen Taufe. Sie wird während der Tauffeier zum ersten Mal entzündet, an der Osterkerze, die im Altarraum steht. Dabei übergibt der Pfarrer die brennende Kerze dem Täufling oder, wenn es sich um ein Kind handelt, dessen Eltern und Paten, mit den Worten:

Nimm hin diese brennende Kerze zum Zeichen,
dass Christus das Licht deines Lebens ist.

Das Anzünden an der Osterkerze ist keine Nebensächlichkeit. Es symbolisiert, dass der Täufling das Licht Christi empfängt und damit Teil der christlichen Gemeinschaft wird.

Herkunft und Geschichte

Die Verwendung von Kerzen bei der Taufe hat eine lange Tradition im Christentum. Bereits im frühen 4. Jahrhundert nach Christus berichten Kirchenväter wie Ambrosius von Mailand vom Gebrauch brennender Kerzen bei Taufzeremonien. Ursprünglich hatten diese Kerzen noch einen schlichten praktischen Zweck: Sie dienten der Beleuchtung, da Taufen oft in den frühen Morgenstunden oder an dunklen Orten stattfanden.

Der Ritus der Überreichung einer brennenden Kerze als eigener Bestandteil der Tauffeier ist dann ab dem 11. Jahrhundert schriftlich belegt. Aus dem nüchternen Beleuchtungsmittel war ein Zeichen geworden, das über den Moment hinauswies.

Die Kerze und ihre Symbole

Taufkerzen sind selten schlicht. Klassische Zeichen sind das Kreuz als zentrales Symbol des Glaubens, der Fisch (ICHTHYS) als frühchristliches Erkennungszeichen, die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, der Baum des Lebens als Zeichen für Wachstum und Hoffnung sowie Wasser und Sonne als Zeichen für Leben, Reinigung und Licht.

Auch der griechische Buchstabe Tau findet sich auf vielen Taufkerzen. Bereits der Prophet Ezechiel sah in diesem Zeichen ein Symbol des Lebens. Alpha und Omega, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, stehen für Anfang und Ende, für Gott als Ursprung und Ziel des menschlichen Lebens.

Regionale Besonderheit

Was die Taufkerze im volksfrömmigen Verständnis des Alpenraums besonders macht, ist ihre Rolle jenseits des Tauftages selbst. In vielen Familien begleitet sie den Getauften durch wichtige Stationen seines Lebens: Erstkommunion, Firmung, kirchliche Trauung, Ehejubiläum. An diesen Wegmarken des Glaubenslebens wird sie erneut entzündet.

Im Berchtesgadener Land war es regional üblich, eine besonders große Taufkerze für alle Kinder einer Familie zu verwenden. Die Kerze wurde also nicht jedem Kind einzeln mitgegeben, sondern war ein gemeinsamer Familienbesitz.

In früheren Zeiten wurde die Taufkerze schließlich zum letzten Mal am Sterbebett ihres Besitzers entzündet. So schloss sich der Kreis: Das Licht, das beim Eintritt ins christliche Leben leuchtete, begleitete auch den Abschied aus diesem Leben. In manchen Regionen ist es üblich, die Taufkerze ein ganzes Leben lang aufzubewahren, um sie schließlich neben dem Sterbebett zu entzünden.

Bedeutung heute

Heute ist die Taufkerze vielerorts ein liebevoll gestaltetes, personalisiertes Geschenk der Taufpaten. Namen, Datum, Symbole, manchmal sogar Fotos werden aufgedruckt oder ins Wachs gearbeitet. Der religiöse Kern ist dabei für viele Familien erhalten geblieben, auch wenn die volkskundliche Praxis des Wiederentzündens an Lebenswegmarken seltener geworden ist. In Österreich gehört die Taufkerze nach wie vor zu den zentralen Elementen der Taufzeremonie in katholischen wie evangelischen Gemeinden.

Die Kerze landet heute seltener am Sterbebett, dafür häufiger in einer Erinnerungsbox. Beide Praktiken folgen derselben Grundidee: Ein Licht, das einmal für ein Leben entzündet wurde, verdient es, aufbewahrt zu werden.

Votivtafel

Eine Votivtafel ist ein kleinformatiges Dankbild, das Gläubige nach einem erhörten Gebet an einem Wallfahrtsort stiften – der lateinische Begriff ex voto bedeutet wörtlich „aufgrund eines Gelübdes". Gemalt auf Holz, Leinwand, Blech oder hinter Glas, folgt eine vollständige Votivtafel meist einem festen dreiteiligen Aufbau: Sie zeigt die Notsituation, aus der jemand errettet wurde, die betende Person selbst und das Gnadenbild, an das sich das Gebet gerichtet hatte. Zusammen ergeben diese drei Elemente eine kleine, oft anrührend direkte Bildgeschichte – von einem Sturz vom Heuboden über eine überstandene Krankheit bis zu Blitzschlag oder Kutschenunfall reicht das Spektrum der dargestellten Ereignisse.

Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis in die Antike zurück, seine heute bekannte Bildform entwickelte sich aber erst ab dem 15. Jahrhundert, vermutlich mit Ursprung in Italien. Ihre größte Blütezeit erlebte die Votivtafel im Barock, als an den großen Wallfahrtsorten des Alpenraums regelrechte Bildersammlungen entstanden – öffentlich sichtbare Zeugnisse dafür, dass Gebete erhört wurden, und zugleich stiller Trost für alle, die selbst noch auf ein Wunder hofften.

Im Salzburger Land besitzt kein Wallfahrtsort eine derart umfangreiche Sammlung wie die Wallfahrtskirche Maria Kirchental im Pillerseetal an der Grenze zu Tirol: Rund 1.200 Votivtafeln, größtenteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert, machen sie zur bedeutendsten Votivtafel-Sammlung ganz Österreichs. Dank der Unterstützung der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung wurden die Tafeln restauriert und sind seit 2004 in einem eigenen Wallfahrtsmuseum in den Seitenräumen der Kirche zu besichtigen – ein Ort, an dem sich Jahrhunderte gelebter Volksfrömmigkeit auf engstem Raum versammeln.