Angelusgebet

Drei Mal am Tag hält die Zeit kurz inne. Um sechs Uhr morgens, um zwölf Uhr mittags und um sechs Uhr abends läuten in vielen Dörfern und Städten des Alpenraums die Kirchenglocken und wer in dieser Welt aufgewachsen ist, weiß: Das ist das Zeichen zum Angelus. Eine kurze Pause. Ein paar Worte. Ein Atemzug zwischen den Stunden des Tages.

Das Angelusgebet – lateinisch Angelus Domini – ist ein kurzes katholisches Gebet, das an die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria erinnert. Der Moment also, in dem Maria erfährt, dass sie die Mutter Jesu werden soll. Der Name leitet sich vom ersten Wort des Gebets ab. Das Gebet besteht aus drei kurzen Wechselrufen mit jeweils einem Ave Maria, gefolgt von einer abschließenden Oration. Es ist kein langes Gebet – wer es kennt, betet es in zwei bis drei Minuten.

Das Gebet

Latein

Angelus Domini nuntiavit Mariae et concepit de Spiritu Sancto.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Ecce, ancilla Domini, Fiat mihi secundum verbum Tuum.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Et verbum caro factum est et habitavit in nobis.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.
 
Ora pro nobis, Sancta Dei Genetrix,
ut digni efficiamur promissionibus Christi.

Oremus.
Gratiam Tuam, quaesumus, Domine, mentibus nostris
infunde, ut qui angelo nuntiante, Christi, filii Tui, incarnationem
congnovimus, per passionem Eius et crucem ad resurrectionis gloriam
perducamur.
Per Eundem Christum, Dominum nostrum.
Amen.

Deutsch

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.Gegrüßet seist du, Maria…

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, dass wir würdig werden der Verheißung Christi.

Lasset uns beten:
Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

 

Die genaue Entstehung des Angelusgebets lässt sich nicht auf ein einzelnes Datum oder eine einzelne Person zurückführen. Was sich sagen lässt: Bereits im frühen Mittelalter gab es in Klöstern die Praxis, abendliche Glockenzeichen mit einem Mariengebet zu verbinden. Im 13. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch, beim Abendläuten drei Ave Maria zu beten. Franziskanische und dominikanische Orden trugen wesentlich zur Verbreitung dieser Andachtsform bei.

Das Mittagläuten kam möglicherweise im Zusammenhang mit den Türkenkriegen des 15. Jahrhunderts auf – Papst Calixt III. soll 1456 zum Gebet gegen die osmanische Bedrohung aufgerufen haben. Das morgendliche Läuten etablierte sich später und vervollständigte den Dreiklang des Tages.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Angelusläuten zu einem der prägendsten akustischen Signale des bäuerlichen und kleinstädtischen Lebens im katholischen Mitteleuropa.

Ablauf und typische Elemente

Das Gebet folgt einem festen Schema, wie oben ausführlich dargestellt:

  • Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft … → Ave Maria
  • Maria sprach: Ich bin die Magd des Herrn … → Ave Maria
  • Und das Wort ist Fleisch geworden … → Ave Maria

Abgeschlossen wird mit einer kurzen Kollekte, die um Fürsprache und Beistand bittet.

Das Läuten selbst folgt einem eigenen Rhythmus: dreimal drei Glockenschläge, getrennt durch kurze Pausen, dann ein längeres Nachläuten. Wer diesen Klang kennt, erkennt ihn sofort.

Regionale Bedeutung im Alpenraum

Im bäuerlichen Leben Salzburgs, Tirols, Bayerns und der Steiermark war das Angelusläuten mehr als ein religiöses Signal – es war der Taktgeber des Arbeitstages.

Beim Mittagsläuten wurde auf dem Feld die Arbeit unterbrochen, das Vesper ausgepackt, kurz gebetet. Wer das Läuten ignorierte, galt in manchen Gegenden als unhöflich oder gottlos, nicht aus frommer Strenge, sondern weil der Rhythmus des Tages für alle galt.

In einigen Regionen Österreichs ist es bis heute Brauch, beim Angelusläuten kurz innezuhalten, die Kopfbedeckung abzunehmen oder wenigstens die Arbeit für einen Moment ruhen zu lassen. In manchen Gegenden des Alpenraums wird das Abend-Angelus bis heute streng eingehalten, in anderen ist der Brauch kaum noch bekannt.

Bedeutung heute

In vielen Pfarreien läuten die Glocken noch immer dreimal täglich – auch wenn nicht mehr jeder weiß, warum. In touristisch geprägten Orten ist das Mittagläuten manchmal nur noch Kulisse. Anderswo, besonders in ländlichen Gemeinden Tirols, Salzburgs und Bayerns, hat das Angelusgebet seinen Platz im Alltag behalten.

In Klöstern und manchen frommen Haushalten wird es noch täglich gesprochen. Und auch Menschen, die dem Glauben eher distanziert gegenüberstehen, verbinden mit dem Glockenklang oft eine unbestimmte Ruhe – den Impuls, kurz durchzuatmen.

Fatimagebet

Das Fatimagebet – auch Fatima-Gebet genannt – wird traditionell nach jedem Gesätz (jedem Zehner) des Rosenkranzes angehängt. Offiziell ist es nicht Teil des ursprünglichen Rosenkranzgebets, hat sich aber fest im Volksglauben verankert.

Latein

Domine Iesu, dimitte nobis debita nostra,
salva nos ab igne inferni,
perduc in caelum omnes animas,
praesertim eas, quae misericordiae tuae maxime indigent.
Amen.

Deutsch

O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden!
Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle!
Führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.
Amen.

Herkunft

Das Gebet stammt aus den Marienerscheinungen von Fátima im portugiesischen Wallfahrtsort gleichen Namens: Zwischen Mai und Oktober 1917 berichteten die drei Hirtenkinder Lucia Santos sowie ihre Cousins Francisco und Jacinta Marto von wiederholten Erscheinungen einer weiß gekleideten Frau, die die katholische Kirche als die Muttergottes deutet. Der Überlieferung der Kinder nach lehrte die Erscheinung sie dieses Gebet und bat darum, es nach jedem Rosenkranz-Gebetsblock anzuschließen.

Verwendung

Auch wenn das Fatimagebet kein Bestandteil des von Papst Pius V. 1569 festgelegten Rosenkranz-Textes ist, hat es sich seit der kirchlichen Anerkennung der Fátima-Erscheinungen 1930 rasch verbreitet und gehört heute vielerorts selbstverständlich zum Rosenkranzgebet dazu – als kurze Bitte um Barmherzigkeit, eingeschoben zwischen den Gebetsblöcken, bevor mit dem nächsten Zehner Ave Maria begonnen wird.

Gloria

Das Gloria ist ein wichtiger Bestandteil der katholischen Liturgie, es eröffnet die Messe wie eine Ouvertüre und stimmt die Gläubigen auf den Gottesdienst ein. Es ist ein Lobgesang, der die Herrlichkeit Gottes feiert und seine Gnade anerkennt. Der Text des Gloria stammt aus der Bibel und ist eine Mischung aus Lobpreis und Bitte um Barmherzigkeit.

Zusätzlich zu dem, ist es wichtig zu beachten, dass das Gloria nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in vielen anderen christlichen Traditionen gesungen wird, einschließlich der orthodoxen und protestantischen Kirchen. Es wird oft in feierlichen Gottesdiensten und besonderen Anlässen wie Weihnachten und Ostern gesungen.

Der Text des Gloria variiert je nach Tradition und Sprache, aber die grundlegende Botschaft bleibt die gleiche: Es ist ein Ausdruck der Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott für seine Liebe und Gnade. Es ist auch eine Anerkennung der Dreifaltigkeit, da es Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist lobt.

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir loben dich,
wir preisen dich,
wir beten dich an,
wir rühmen dich und danken dir,
denn groß ist deine Herrlichkeit:
Herr und Gott, König des Himmels,
Gott und Vater, Herrscher über das All,
Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus,
Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters,
du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser;
du nimmst hinweg die Sünde der Welt: nimm an unser Gebet;
du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser.
Denn du allein bist der Heilige,
du allein der Herr,
du allein der Höchste:
Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist,
zur Ehre Gottes des Vaters.

Amen.

Kreuzauffindung

Der Begriff bezeichnet das Gedenken an ein zentrales Ereignis der frühen Kirchengeschichte: die legendäre Auffindung des Kreuzes Jesu Christi. Ab dem 7. Jahrhundert feierte die Kirche am 3. Mai diesen Tag als eigenes Fest. Für den Alpenraum war der 3. Mai auch praktisch bedeutsam: Ab diesem Fest der Kreuzauffindung wurde in der Kirche bis zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September der Wettersegen gespendet. Damit rahmte das Fest genau jene Monate ein, in denen Felder und Vieh am verwundbarsten waren.

Die Legende der heiligen Helena

Im Mittelpunkt steht eine der bekanntesten Pilgerinnen der Spätantike: Die heilige Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, reiste um 325 nach Christus ins Heilige Land, wo das Kreuz Christi bei Grabungsarbeiten unter einem heidnischen Tempel gefunden worden sein soll.

Überliefert ist die Geschichte durch mehrere frühe Quellen, die sich in Details unterscheiden. Aus der Totenrede des Kirchenvaters Ambrosius für Kaiser Theodosius aus dem Jahr 395 erfahren wir: Helena begab sich auf Golgatha, ließ den Boden aufgraben, und stieß dabei auf drei durcheinander liegende Marterhölzer, die Schutt und Erde verdeckt hatten.

Wie das richtige Kreuz unter den dreien erkannt wurde, ist ebenfalls Legende: Der Überlieferung zufolge wurde eine verstorbene Frau mit zwei Kreuzen berührt, ohne Wirkung, beim Kontakt mit dem dritten Kreuz aber soll sie lebendig geworden sein.

Teile des aufgefundenen Kreuzes wurden anschließend an verschiedene Hauptkirchen gesandt, unter anderem nach Konstantinopel und Rom, wo Kreuzfragmente noch heute verehrt werden. Der in Jerusalem verbliebene Teil des Kreuzes gelangte später in ein goldenes Gefäß und wurde dem Volk zur Verehrung gezeigt, woraus das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September entstand.

Zur historischen Einordnung muss man ehrlich sein: Die historischen Wurzeln der Kreuzauffindung liegen im Dunkeln. Archäologische Belege existieren nicht. Die Geschichte der heiligen Helena ist Glaubenstradition, keine gesicherte Geschichtsschreibung.

Der Wettersegen

Im Alpenraum war die Kreuzauffindung weniger das theologisch bedeutsame Fest der Reliquienverehrung als vielmehr der Startschuss für einen ganz praktischen Brauch: den Wettersegen. Mit dem Ruf

Vor Hagel, Blitz und Ungewitter,
bewahre uns Herr Jesus Christus!

beten viele katholische Gemeinden traditionell den Wettersegen, der vom 3. Mai bis zum 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung, erteilt wurde.

Wer weiß, dass Hagelschlag und Sommergewitter im Alpenvorland eine Ernte über Nacht vernichten konnten, versteht die tiefe Ernsthaftigkeit hinter dieser Bitte. Der Wettersegen war keine Folklore, sondern für viele Bauernfamilien eine religiöse Existenzsicherung. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Verbindung zur Wetterkerze (Schauerkerze) sehen, die ebenfalls dem Schutz vor Gewitterschäden diente.

Die Liturgiereform

Das Fest der Kreuzauffindung hat eine turbulente Kirchengeschichte hinter sich. Im Zuge der Neuordnung des liturgischen Kalenders durch Papst Johannes XXIII. im Jahr 1960 wurde das Fest nahezu vollständig aus dem allgemeinen Kalender gestrichen. Seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird am Fest der Kreuzerhöhung am 14. September zugleich auch der Kreuzauffindung gedacht.

Doch wie so oft im Volksbrauchtum: Ungeachtet der Änderung des liturgischen Kalenders blieb der 3. Mai vielerorts ein im Brauchtum bedeutender Termin. In traditionell ausgerichteten Gemeinden und im überlieferten Ritus wird das Fest bis heute begangen. Gläubige, die den alten Rhythmus des Kirchenjahres kennen und schätzen, halten am 3. Mai als Erinnerungsdatum fest.

Regionale Bedeutung

Eine dezidierte alpine oder bayerisch-österreichische Regionalvariante der Kreuzauffindungsfeier mit eigenen spezifischen Bräuchen ist in der verfügbaren Volkskundeliteratur nicht eindeutig dokumentiert. Was sich aber klar sagen lässt: Das Fest war als Beginn des Wettersegens für die bäuerliche Bevölkerung im gesamten katholischen Alpenraum ein fester Orientierungspunkt im liturgischen Jahr. In Kombination mit anderen Schutzpraktiken wie Palmbuschen, Wetterkerzen und den Kreuzzeichen im Feld bildete es Teil eines dichten Netzes religiöser Schutzhandlungen, das die Monate von Mai bis September begleitete.

Bedeutung heute

Das Fest der Kreuzauffindung ist im allgemeinen Bewusstsein weitgehend verschwunden. Die meisten Menschen kennen den 3. Mai heute nicht mehr als kirchlichen Termin. Was bleibt, ist die Geschichte der heiligen Helena als prägende Erzählung der frühen Christenheit, die Praxis des Wettersegens in einigen traditionstreuen Gemeinden sowie das Datum als stiller Erinnerungspunkt für jene, die das alte Kirchenjahr noch in seiner vollen Dichte kennen.

In einer Zeit, in der das Bewusstsein für Wetterrisiken und Naturgewalten durch den Klimawandel neu geschärft wird, hat die Grundidee des Festes eine eigentümliche Aktualität: der Wunsch nach Schutz vor unkontrollierbaren Naturkräften ist so alt wie die Landwirtschaft selbst.

Kreuzerhöhung

Der Begriff klingt zunächst etwas sperrig. Gemeint ist das feierliche Zeigen, das Hochhalten und Verehren des Kreuzes Christi. Das lateinische Wort exaltatio bedeutet sowohl Erhebung als auch Zeigen und meint genau das: Das Kreuz wird den Gläubigen buchstäblich vor Augen geführt, hinaufgehoben, damit alle es sehen und verehren können.

Ab dem 6. Jahrhundert wurde dieses Fest als Erhöhung bezeichnet, mit der doppelten Bedeutung von Erhebung und Zeigen des Kreuzes, ein Begriff, der die theologische Absicht des Johannesevangeliums gut wiedergibt.

Herkunft

Die Geschichte hinter dem Fest ist erstaunlich vielschichtig. Sie beginnt im 4. Jahrhundert in Jerusalem. Am 14. September 335 wurde in Jerusalem die Grabeskirche geweiht, errichtet im Auftrag von Kaiser Konstantin. Einen Tag nach der Weihe soll das Kreuz den Gläubigen erstmals hocherhoben gezeigt worden sein.

Das Fest erinnert an die Auffindung des Kreuzes Jesu, die Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, zugeschrieben wird. Im Laufe der Zeit rückte jedoch der Ritus, dass das Kreuz an diesem Tag den Gläubigen zur Verehrung gezeigt wird, gegenüber der Erinnerung an seine Auffindung in den Vordergrund.

Dazu kommt noch eine zweite, dramatische Erzählung: Nachdem Perser das Kreuz aus Jerusalem geraubt hatten, besiegte Kaiser Heraklius von Byzanz die Perser im Jahr 627 und brachte das zurückgewonnene Kreuz nach Jerusalem zurück. Das Kreuz wurde in einem erneuerten Bau aufgestellt.

Im Jahr 629 wurde das Fest schließlich auf den 14. September festgesetzt, seitdem ist es oft mit der Verehrung von Kreuzreliquien verbunden.

Bis 1960 gab es im katholischen Kirchenjahr übrigens noch ein eigenes Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai. Heute ist beides in das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September integriert.

Ablauf

Da das Fest Kreuzerhöhung in der liturgischen Ordnung des Kirchenjahres den höheren Rang eines Herrenfestes hat, verdrängt es in Jahren, in denen es auf einen Sonntag fällt, den Sonntag im Jahreskreis. Das ist liturgisch gesehen eine Besonderheit, die der Kreuzerhöhung mehr Gewicht verleiht als viele andere Heiligenfeste.
Am Fest ist es üblich, dass Gläubige das Kreuz besonders verehren und Kruzifixe oder Kreuzanhänger segnen lassen.

In der orthodoxen Kirche gibt es einen eigenen, eindrucksvollen Ritus: Der Priester neigt an diesem Tag ein großes Kreuz langsam in die vier Himmelsrichtungen, womit das Kreuz geehrt und zugleich das Volk gesegnet wird.

Regionale Bedeutung

Im bäuerlichen Leben des Alpenraums und in Bayern hatte der 14. September eine sehr praktische Bedeutung. Er markierte das Ende der Wettersegensaison.

Vom Tag der Kreuzauffindung am 3. Mai bis zum Tag der Kreuzerhöhung am 14. September wurde täglich der Wettersegen am Ende der heiligen Messe erteilt. Die Kirche bat damit gemeinsam mit den Gläubigen um gutes, förderliches Wetter für die Ernte und um Verschonung vor Katastrophen, Hagel und Unwettern. Die Verbindung eines solchen Wettersegens mit der Messfeier ist bereits im 12. Jahrhundert belegt.

Der Zeitraum variiert nach örtlichen Gegebenheiten, traditionell aber zwischen dem früheren Festtermin der Kreuzauffindung am 3. Mai und dem Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Regional ist es üblich, den Wettersegen auch bereits ab dem Fest des heiligen Markus am 25. April zu erteilen.

Für die Bauern war das kein Formalakt. In einer Zeit, in der eine einzige Hagelwoche eine ganze Ernte vernichten konnte, war der Segen gegen Unwetter existenziell.

Zur Kreuzerhöhung gehört auch eine bekannte Bauernregel:

Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag,
folgt ein strenger Winter nach.

Wallfahrten und lokale Bräuche

Im nordburgenländischen Baumgarten ist der Tag der Kreuzerhöhung Termin für eine Wallfahrt der umliegenden Pfarren zum sogenannten Öden Kloster, der Klosterkirche zum Heiligen Kreuz. Eucharistiefeiern werden dort sowohl in deutscher als auch in kroatischer Sprache gefeiert. Die Pfarre nennt den Tag auch Klosterkirtag, am weiträumigen Platz vor dem Kloster wird ein Markt abgehalten.

Bedeutung heute

Das Fest der Kreuzerhöhung ist kein volkskundliches Schauspiel und kein Brauchtumsspektakel, sondern ein stilles Kirchenfest. Wer es kennt, erlebt es meistens in der Pfarrkirche oder einer Wallfahrtskapelle, beim Segnen von Kreuzanhängern oder beim Nachdenken darüber, was das Kreuz als Symbol heute noch bedeutet.

Seinen brauchtumlichen Widerhall findet es vor allem durch den Wettersegen, der in manchen Pfarreien noch immer regelmäßig gespendet wird, sowie durch die Bauernregel, die den Septembertag als Wetterscheide im Jahreskreis verankert hat.

Kreuzweg

Der Kreuzweg ist eine der ältesten und bis heute lebendigsten Andachtsformen der katholischen Kirche: In 14 Stationen wird der Leidensweg Jesu von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Grablegung nachgegangen – im Gebet, im Bild oder tatsächlich zu Fuß. Ursprung ist die Via Dolorosa in Jerusalem, jener Weg, den Pilger schon im frühen Mittelalter im Heiligen Land abschritten, um sich die letzten Stunden Jesu vor Augen zu führen. Da eine Pilgerreise ins Heilige Land den wenigsten offenstand, entstand seit dem Spätmittelalter, vor allem durch die Franziskaner, die Praxis, den Kreuzweg vor Ort nachzubilden – mit 14 Stationsbildern an den Wänden der Pfarrkirche oder als eigener Weg im Freien.

Besonders in den Alpenländern haben sich diese Kreuzwege oft nicht innerhalb der Kirchenmauern, sondern als Weg durch die Landschaft erhalten: gemauerte Bildstöcke oder schlichte Holztafeln, die einen Hang hinauf zu einem Kalvarienberg führen, jenem symbolischen Golgota am Ortsrand. Wer zu Fuß von Station zu Station geht, verbindet das Gebet mit Bewegung – eine Form der Andacht, die besonders in der Fastenzeit gepflegt wird.

In der Fastenzeit, von Aschermittwoch bis Karfreitag, wird der Kreuzweg in den Pfarren regelmäßig gebetet – oft an Freitagen, häufig auch gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in eigens dafür verfassten, zeitgemäßen Texten. Höhepunkt ist der Karfreitag, an dem vielerorts Kreuzwegprozessionen stattfinden: Die Gemeinde zieht gemeinsam die Stationen ab, ein Vorbeter liest jeweils den Text, dazwischen wird gesungen oder in Stille verharrt.

Über die historische Erinnerung hinaus versteht man den Kreuzweg bis heute auch als Einladung, das eigene Leid und das Leid in der Welt mit dem Leidensweg Jesu in Verbindung zu bringen – manche Pfarren gestalten die Stationen daher bewusst mit Bezug auf aktuelle Not und Ungerechtigkeit.

Oration

Die Oration ist das abschließende Gebet des Angelus. Sie fasst die Betrachtung zusammen und lautet auf Deutsch:

Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Amen.

Die lateinische Version lautet:

Grátiam tuam,
quæsumus,
Dómine, méntibus nostris infunde;
ut qui, Ángelo nuntiánte,
Christi Fílii tui incarnatiónem cognóvimus,
per passiónem eius et crucem ad resurrectiónis glóriam perducámur.
Per Christum, Dóminum nostrum.
Amen.

Reliquien

Das Wort „Reliquie“ stammt vom lateinischen reliquiae und bedeutet so viel wie „das Zurückgelassene“ oder „Überbleibsel“. Gemeint sind damit körperliche Überreste von Heiligen, also Knochen, Asche oder einzelne Körperteile, aber auch persönliche Gegenstände, die einem Heiligen gehört haben oder mit ihm in Berührung gekommen sind. Diese zweite Gruppe nennt man Berührungs- oder Kontaktreliquien. Daneben gibt es noch Sekundärreliquien: Gegenstände, die über einen längeren Zeitraum am Grab eines Heiligen aufbewahrt wurden und dadurch selbst als heilig gelten.

Im Kern steckt dahinter ein tief menschlicher Gedanke: Das Heilige hört nicht mit dem Tod auf. Es bleibt, es wirkt weiter, man kann es berühren, anrufen, erbitten.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Die Reliquienverehrung ist die älteste Form der Heiligenverehrung überhaupt und lässt sich bis ins 2. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie wächst direkt aus dem frühen Märtyrerkult heraus: Wer für seinen Glauben gestorben war, dem wurde eine besondere Nähe zu Gott zugesprochen. Es wurde Brauch, über den Gräbern der Märtyrer Altäre und später ganze Kirchen zu errichten.

Seit dem 8. Jahrhundert war die Kirche bestrebt, jeden ihrer Altäre mit einer Reliquie auszustatten. Das hatte weitreichende Folgen: Der Bedarf wuchs enorm. Die hohe Nachfrage förderte im Mittelalter einen lebhaften Handel, bei dem nicht selten auch gefälschte Objekte in Umlauf gerieten. Wer eine bedeutende Reliquie besaß, besaß Prestige, Ansehen und Pilgerströme. Feudalherrscher erwarben Reliquien berühmter Heiliger, um ihr Ansehen beim Volk zu steigern und ihren Herrschaftsanspruch zu festigen.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert setzte ein deutlicher Rückgang der ausgeprägten Reliquienverehrung ein, während sie im katholischen Glauben bis heute fortbesteht.

Reliquiare: Das kostbare Gehäuse des Heiligen

Für die Aufbewahrung und Zurschaustellung von Reliquien wurden kunstvolle Behältnisse geschaffen, die sogenannten Reliquiare. Sie sind meist kostbar gestaltet, mit Gold, Edelsteinen und aufwendiger Ziselierung, und werden in Kirchen gezeigt. Die Form richtete sich oft nach dem Inhalt: Armknochen kamen in goldene Armreliquiare, Schädelreliquien in kunstvoll gearbeitete Köpfe. Diese sogenannten „sprechenden Reliquiare“ entstanden, weil unter den Pilgern der Wunsch wuchs, die Reliquien unmittelbarer in Augenschein nehmen zu können, und weil geschlossene Kästen zunehmend Misstrauen weckten, zumal Fälschungen immer häufiger wurden.

Zu den bekanntesten mittelalterlichen Reliquienschreinen zählen der Dreikönigenschrein im Kölner Dom, der Karlsschrein im Aachener Dom sowie der Marburger Elisabethschrein.

Reliquien und Wallfahrt

Im Alpen- und Voralpenraum waren Reliquien über Jahrhunderte eng mit der Wallfahrtskultur verflochten. Der Glaube dahinter war, dass Reliquien eine eigene Kraft und Wirkungsmacht besäßen, die auch über den Tod des Heiligen hinausgehe.

Klöster und Kirchen im Alpenraum wurden zu bedeutenden Pilgerstätten, wenn sie eine bedeutsame Reliquie ihr Eigen nennen konnten. So entwickelte sich etwa das Benediktinerkloster Andechs in Bayern, das eine Blutreliquie verwahrt, ebenso zum Wallfahrtszentrum wie Heiligenblut am Großglockner in Kärnten.

In Salzburg selbst ist der Dom ein aufschlussreiches Beispiel: Unter seinen Seitenaltären befinden sich Reliquienschreine, darunter Schädelreliquien. Die Gebeine des heiligen Rupert, des Stadtpatrons und ersten Bischofs von Salzburg, wurden bereits 774 zur Domweihe aus Worms nach Salzburg überführt und bildeten damit von Beginn an einen spirituellen Mittelpunkt der Stadt.

Für die Habsburger spielte Mariazell die zentrale Wallfahrtsrolle, für die Wittelsbacher war es Altötting. Beide Orte sind zwar keine reinen Reliquienstätten, zeigen aber, wie eng Herrschaft, Frömmigkeit und heilige Objekte im Alpenraum miteinander verwoben waren.

Die drei Klassen der Reliquien

In der kirchlichen Tradition werden Reliquien in drei Gruppen eingeteilt, die heute noch gebräuchlich sind:

  • Erstklassige Reliquien sind Körperteile des Heiligen selbst, also Knochen, Asche oder ähnliches.
  • Zweitklassige Reliquien sind Gegenstände, die dem Heiligen gehörten oder von ihm getragen wurden.
  • Drittklassige Reliquien sind Objekte, die lediglich Kontakt mit einer erst- oder zweitklassigen Reliquie hatten, etwa ein Tuch, das auf einen Schrein gelegt wurde.

Diese Einteilung ist kirchenrechtlich fundiert und gilt bis heute.

Kritik, Handel und der Vorwurf der Fälschung

Man darf nicht so tun, als wäre die Reliquienverehrung immer ungetrübt gewesen. Gefälschte Reliquien waren im Mittelalter kein Randphänomen, sondern ein weit verbreitetes Problem. Der Spott war entsprechend: Wie konnte Christus ein Dutzend Vorhäute hinterlassen? Wie konnten von mehreren Kirchen gleichzeitig der Originalfinger des heiligen Bartholomäus verehrt werden? Aus den Splittern des Kreuzes von Jesus kann man ganze Häuser bauen!

Martin Luther machte die Reliquienverehrung zu einem seiner zentralen Angriffspunkte. In katholischen Regionen wie Bayern und Österreich hielt sich die Praxis dagegen durch die Gegenreformation und blieb volksfromm verankert.

Reliquien heute

Im Alpenraum sind Reliquien auch heute noch lebendig, wenn auch stiller als im Mittelalter. In vielen alten Kirchen und Stiften sind Reliquiare Teil der Kirchenausstattung, manchmal sichtbar in Altarnischen, manchmal unscheinbar in Altarplatten eingelassen. Wallfahrten wie jene nach Altötting oder Mariazell ziehen nach wie vor Hunderttausende an, auch wenn der Schwerpunkt dort heute auf dem Gnadenbild liegt und weniger auf einer Körperreliquie.

Für die Volkskundlerinnen und Volkskundler sind Reliquien nicht zuletzt ein Zeugnis dafür, wie Menschen versucht haben, das Ungreifbare greifbar zu machen: das Göttliche berühren, das Heilige anfassen, die Verbindung spüren.

Rosenkranz

Der Rosenkranz gehört zu den bekanntesten Gebetsformen der katholischen Kirche: ein Gebet in festen Wiederholungen, gezählt an einer Kette aus 59 Perlen, bei dem die Betenden das Leben Jesu mit den Augen Marias betrachten. Namensgebend ist ein mittelalterliches Bild – der Brauch von Verliebten, sich Kränze aus Rosen zu schenken. Der Dominikaner Heinrich Suso übertrug diesen Gedanken auf die Marienverehrung: ein Kranz aus Ave-Maria-Gebeten, gewunden für die Gottesmutter.

Seine Wurzeln reichen freilich weiter zurück als der Name. Schon frühchristliche Wüstenväter und erste Mönchsgemeinschaften kannten ab dem 3. Jahrhundert die Praxis, einzelne Worte oder Sätze der Heiligen Schrift meditativ zu wiederholen. Im 11. Jahrhundert beteten Laienmönche das Vaterunser bis zu 150-mal, mit Hilfe einer Gebetskette gezählt – daraus entstand mit wachsender Marienverehrung der sogenannte Marienpsalter, bei dem das Ave Maria zunehmend an die Stelle des Vaterunsers trat.

Seine heutige Form erhielt der Rosenkranz erst nach und nach: Der Trierer Kartäuser Adolf von Essen führte im 15. Jahrhundert den Brauch ein, während der Ave-Maria-Wiederholungen über einzelne Stationen im Leben Jesu nachzudenken – ähnliche Betrachtungen sollen bereits Zisterzienserinnen gekannt haben. Um das Gebet für einfache Gläubige praktikabel zu halten, reduzierte man die Zahl dieser „Geheimnisse" schließlich auf 15. Papst Sixtus IV. empfahl 1479 das tägliche Rosenkranzgebet, Papst Pius V. legte 1569 den bis heute gültigen Text fest.

Die Legende, wonach der heilige Dominikus den Rosenkranz 1208 direkt von der Muttergottes als geistliche „Waffe" gegen die Irrlehre der Albigenser erhalten habe, gehört zu den bekanntesten Überlieferungen rund um das Gebet – historisch belegen lässt sich diese Entstehung allerdings nicht; die Forschung geht heute von der beschriebenen, allmählichen Entwicklung aus.

Bis heute ist der Rosenkranz tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt: als stille Andacht für sich allein, als gemeinschaftliches Beten in der Familie oder in der Kirche, und vielerorts als fester Bestandteil des Mai- oder Rosenkranzmonats Oktober. An manchen Orten hat sich zudem der Brauch erhalten, am Ende jedes Gebetsblocks zusätzlich das sogenannte Fatimagebet anzuhängen – offiziell nicht Teil des ursprünglichen Gebets, aber fest im Volksglauben verankert.

Wallfahrt

Eine Wallfahrt ist die bewusste Reise zu einem heiligen Ort, an dem Gläubige der Nähe des Göttlichen besonders sicher zu sein glauben – sei es zur Heilung von Leiden, aus Dank oder um ein Anliegen vorzutragen. Die Praxis ist älter als das Christentum: Schon in antiken Kulturen zogen Menschen zu Kultstätten, die als besonders heilig galten. Das frühe Christentum übernahm diesen Gedanken ab dem 4. Jahrhundert – zunächst mit Reisen zu den Gedenkstätten Christi im Heiligen Land, bald darauf zu den Apostelgräbern in Rom und, ab dem 11. Jahrhundert, zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.

Im Alpenraum und in Mitteleuropa entstanden ab dem Mittelalter zahlreiche eigene Wallfahrtsorte, meist rund um wundertätige Marienbilder oder verehrte Heilige. Mariazell in der Steiermark zieht seit dem 13. Jahrhundert Pilger an, St. Wolfgang am Abersee seit dem frühen 14. Jahrhundert, und in Altötting in Oberbayern setzte nach einem ersten Wunder im Jahr 1489 binnen weniger Jahre ein Pilgerstrom aus Böhmen, Wien, Kärnten, der Steiermark und Südtirol ein. Allein im Erzbistum Salzburg sind bis heute 175 solcher Pilgerstätten dokumentiert – darunter Großgmain, das im 17. Jahrhundert als größte und wichtigste Wallfahrt im Erzstift Salzburg galt, sowie Maria Plain und Maria Kirchental, wo sich seit 1757 gestiftete Votivtafeln erhalten haben.

Eine Sonderform ist die Bergwallfahrt: Seit rund 300 Jahren ziehen am 28. und 29. Juni Pilger zur Adlersruhe auf den Großglockner, um dort in großer Höhe gemeinsam Gottesdienst zu feiern – ein Beleg dafür, wie eng Wallfahrt und alpine Landschaft im Salzburger und Tiroler Raum verwoben sind.

An den Zielorten selbst entwickelten sich über die Jahrhunderte eigene Rituale: das Darbringen von Votivgaben und gemalten Votivtafeln als sichtbarer Dank für erhörte Bitten, gemeinsame Bitt- und Dankgebete sowie zeremonielle Waschungen an Gnadenbrunnen. Wallfahrtsorte hatten daneben auch handfeste wirtschaftliche Bedeutung für ihre Umgebung – durch Gastgewerbe, Spenden für den Kirchenbau und gestiftete Messen. Von der ökumenisch offenen Praxis des Pilgerns unterscheidet sich die Wallfahrt bis heute durch ihren dezidiert katholischen Charakter: Ziel ist nicht allein der Weg, sondern die Ankunft an einem konkreten Gnadenort.