Fensterln

Nach Einbruch der Dunkelheit, wenn im Dorf die letzten Lichter erloschen, schlich sich mancherorts ein junger Mann mit einer Leiter zu einem bestimmten Haus. Leise lehnte er sie ans Mauerwerk, stieg hinauf und klopfte sacht an ein Fenster im Obergeschoß, hinter dem seine Angebetete schlief – oder auf genau dieses Klopfen wartete. Was folgte, war ein nächtliches Beisammensein unter Ausschluss der Öffentlichkeit: das Fensterln, eine der eigenwilligsten Formen der Brautwerbung, die der Alpenraum kennt.

Vom Gasslgehen zum Fensterln

Seinen Ursprung hat der Brauch im sogenannten Gasslgehen: Junge Männer zogen abends durch die Gassen und trugen unter dem Fenster der Umworbenen einstudierte, oft formelhafte Sprüche vor. Die junge Frau antwortete mit ebenso festgelegten Gegenreden, die je nach Wortlaut Zustimmung oder Abfuhr bedeuteten – eine Art codiertes Ritual, bei dem beide Seiten wussten, woran sie waren, ohne dass ein einziges freies Wort fallen musste. Aus diesem verbalen Vorspiel entwickelte sich vielerorts die konkretere Form des Fensterlns, bei der der Werbende tatsächlich zum Fenster emporstieg, um seine Zuneigung nicht nur zu behaupten, sondern zu zeigen.

Warum es die Nacht brauchte

Dass sich dieser Brauch überhaupt etablieren konnte, sagt viel über das dörfliche Leben vergangener Jahrhunderte aus. Unverheiratete junge Leute durften sich tagsüber und in aller Öffentlichkeit nicht unbeaufsichtigt treffen – strenge Sitten und elterliche Verbote sorgten dafür, dass selbst harmlose Gespräche zwischen Liebesleuten argwöhnisch beäugt wurden. Die Nacht bot einen Ausweg: Was am Tag als anstößig gegolten hätte, wurde im Schutz der Dunkelheit stillschweigend geduldet, solange es diskret blieb. Das Fensterln war damit weniger ein Bruch der dörflichen Ordnung als vielmehr ihr eingebautes Schlupfloch – eine Art brauchtümlich sanktionierte Grauzone zwischen Verbot und Verständnis.

Ein Brauch mit vielen Namen

Verbreitet war das Fensterln vor allem im süddeutschen Raum und im Westen Österreichs, doch praktisch jede Region des deutschsprachigen Alpenvorlands kannte eine eigene Spielart davon. Im Berner Oberland sprach man vom Kiltgang, in Bayern und Österreich auch vom Kammerfensterln, in Norddeutschland von der Nachtfreierei, in Friesland vom Korteln und in Graubünden vom Z'Hengert gehen. So unterschiedlich die Namen klingen, so ähnlich war das Grundprinzip: ein nächtlicher, halb geheimer, halb geduldeter Besuch bei der oder dem Auserwählten, außerhalb der wachsamen Augen der Erwachsenen.

Vom ernsten Brauch zum Spaß

Mit dem Wandel der Gesellschaft hat das Fensterln seinen ursprünglichen Sinn weitgehend verloren. Junge, unverheiratete Menschen können sich heute ohne Weiteres öffentlich zeigen, wohnen oft schon lange vor der Heirat nicht mehr bei den Eltern, und die strengen dörflichen Sitten von einst sind vielerorts verblasst. Wo das Fensterln heute noch vorkommt, geschieht es meist aus Übermut oder als romantische Geste mit einem Augenzwinkern – nicht mehr aus Notwendigkeit. Wer es in manchen norddeutschen Regionen dennoch ernsthaft versucht, sollte sich im Übrigen bewusst sein, dass ein unangekündigter nächtlicher Fensterbesuch rechtlich durchaus als Hausfriedensbruch gewertet werden kann und längst nicht überall als liebenswertes Kulturgut durchgeht.

Geblieben ist die Erinnerung an eine Zeit, in der Zuneigung sich nicht in Nachrichten, sondern in nächtlichen Klettertouren ausdrückte – und in der ein knarrendes Fenster mehr verriet als jedes offene Gespräch am Tag.

Frauendreißiger

Zwischen zwei großen Marienfesten liegt eine Zeitspanne, der die Menschen im Alpenraum seit Jahrhunderten besondere Kraft nachsagen: der Frauendreißiger. Er beginnt am 15. August – dem Fest Mariä Himmelfahrt, auch „Großer Frauentag“ genannt – und läuft rund dreißig Tage, bis zum Fest Mariä Geburt am 8. September, dem „Kleinen Frauentag“. Weil zwischen den beiden Terminen tatsächlich nur 24 Tage liegen, wird die Zählung vielerorts noch bis zum 15. September verlängert, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens – so kommen die vollen dreißig Tage zusammen.

Woher der Name kommt

Der Name hat nichts mit einer bestimmten Pflanze zu tun, sondern rührt schlicht vom Kirchenkalender her: Gleich drei Marienfeste rahmen die Zeitspanne ein und geben ihr die „Frauen“ im Namen – „Frau“ war im Volksmund die gängige Anrede für Maria, wie sie sich bis heute in Bezeichnungen wie „Frauentag“ oder „Frauenschuh“ erhalten hat. Der Brauch selbst reicht deutlich weiter zurück als das Marienfest: Die Praxis, in diesen Wochen Heilkräuter zu sammeln, geht vermutlich auf vorchristliche Beobachtungen zurück, wonach Pflanzen um diese Jahreszeit ihre größte Heilkraft entfalten – die Kirche hat diese Erfahrung später in ihren Festkalender eingebettet.

Die Kräuterzeit schlechthin

Kernstück des Frauendreißigers ist die Zeit des Kräutersammelns, die mit der Kräuterweihe am Vorabend von Mariä Himmelfahrt beginnt. Was in dieser Phase wächst, gilt als besonders wirksam – Bäuerinnen und Kräuterfrauen sammelten und banden in dieser Zeit ihre Sträuße, oft aus sieben, neun oder einer anderen symbolisch aufgeladenen Anzahl an Pflanzen. Typisch für den Frauendreißiger waren dabei gerade jene Kräuter, die traditionell mit der Frauenheilkunde verbunden wurden: Johanniskraut, Beifuß, Königskerze, Schafgarbe oder Wermut. Ursprünglich wurden die Sträuße vielerorts erst am 8. September, zum kleinen Frauentag, geweiht – dieser Tag markierte bis ins 19. Jahrhundert in manchen Gegenden das eigentliche Ende der Sammelzeit, ehe sich der 15. August als Haupttermin durchsetzte.

Eine Zeit zwischen den Welten

Volksglauben und Kirchenjahr laufen im Frauendreißiger eng nebeneinander her. Ähnlich wie den Rauhnächten oder der Walpurgisnacht wurde auch dieser Wochen eine gewisse Schwellenkraft zugeschrieben: Zauber- und Heilhandlungen, die in dieser Zeit vorgenommen wurden, sollten besonders wirksam ausfallen. Daneben ranken sich kuriose Alltagsregeln um die Wochen: Im Ostallgäu etwa hielt sich der Glaube, dass Eier, die im Frauendreißiger gelegt wurden, den ganzen Winter über ohne besondere Vorkehrung haltbar blieben, und dass Küken, die in dieser Zeit schlüpften, schon zu Weihnachten die ersten Eier legen würden. Eine Umfrage aus dem frühen 20. Jahrhundert dokumentiert sogar den – aus heutiger Sicht befremdlichen – Brauch, gegen Zahnschmerzen einen Mäusekopf abzubeißen und bei sich zu tragen, sofern dies im Frauendreißiger geschah.

Regionale Verankerung

Besonders lebendig ist der Frauendreißiger im bayerisch-tirolerischen Alpenraum geblieben, wo er als „besondere Gnadenzeit“ der Marienverehrung gilt. Dazu zählen abendliche Andachten, Wallfahrten zu Marienheiligtümern sowie regionale Prozessionen, etwa ins Karwendel oder zu Wallfahrtskirchen im süddeutschen Raum. Die bayerische Schriftstellerin Lena Christ hat die mit dem Frauendreißiger verbundenen Bräuche 1916 in ihrem Roman „Die Rumplhanni“ literarisch festgehalten – ein Hinweis darauf, wie fest die Zeitspanne noch vor gut hundert Jahren im bäuerlichen Alltag verankert war.

Georgiritt

Rund um den 23. April, den Gedenktag des heiligen Georg, sattelt man in vielen Orten Bayerns und Österreichs die Pferde für eine besondere Prozession: den Georgiritt. Reiterinnen und Reiter ziehen mit ihren Tieren zur Kirche oder Kapelle, um dort den Segen für Ross und Reiter zu empfangen, ein Brauch, der den heiligen Georg als Patron der Pferde ehrt.

Der heilige Georg als Pferdepatron

Der heilige Georg wird seit über tausend Jahren verehrt und meist als Ritter dargestellt, der einen Drachen besiegt, ein Bild für den Sieg des Guten über das Böse. Aus dieser Rittergestalt heraus entwickelte sich seine besondere Zuständigkeit für Pferde und Reiter, weshalb sein Gedenktag im April vielerorts zum eigentlichen Reitertag wurde.

Von der Bittprozession zum Georgiritt

Bis ins 18. Jahrhundert waren es vor allem Wetter- und Viehprozessionen, an denen sich auch berittene Gruppen beteiligten und um Schutz für Feld, Vieh und Wetter baten. Unter Erzbischof Hieronymus Colloredo wurden solche Bittprozessionen zwischen 1780 und 1783 im Zuge kirchlicher Reformen weitgehend verboten, und mit ihnen geriet auch der Georgiritt vielerorts in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert lebte der Brauch in mehreren Gemeinden wieder auf, seither hat sich der Georgiritt als eigenständige, feste Tradition rund um den Georgstag neu etabliert.

Georgiritt in Salzburg

Besonders bekannt ist der Georgiritt der Salzburger Bürgergarde auf die Festung Hohensalzburg. Der Reiterzug startet vom Kapitelplatz und zieht hinauf zur Festung, wo im Burghof die Pferdesegnung stattfindet, begleitet von einer Festmesse in der dortigen St.-Georgs-Kapelle. Die Teilnahme an der Pferdesegnung im Burghof steht allen offen und ist ohne Anmeldung möglich, Ritt und Segnung finden allerdings nur bei geeignetem Wetter statt. Über Salzburg hinaus gibt es Georgiritte auch in Neumarkt am Wallersee, Eugendorf, Thomatal und St. Georgen im Pinzgau, jeweils mit Pferdewallfahrten, Segnungen und teils auch Reiterspielen.

Georgstag als Lostag

Neben dem Reiterbrauch ist der 23. April im alten bäuerlichen Kalender auch ein Lostag für die Wetterprognose. Ein bekannter Spruch dazu lautet: Gewitter am Georgstag kündige ein eher kühles Jahr an. Solche Bauernregeln haben mit dem eigentlichen Georgiritt zwar nichts unmittelbar zu tun, zeigen aber, wie eng Heiligenverehrung und bäuerlicher Alltag im Frühling ineinandergriffen. Der Georgiritt selbst ist bis heute genau dieser Doppelcharakter geblieben: ein festlicher Kirchgang zu Pferd und zugleich ein Stück gelebter dörflicher Gemeinschaft.

Maibaum aufstellen

Das Maibaumaufstellen ist ein im ganzen Voralpenland und Alpenland bekannter und beliebter Brauch. Es ist ein traditionelles Fest, das den Beginn des Frühlings und die Rückkehr der Fruchtbarkeit der Natur feiert. Als normaler Termin ist der 1. Mai vorgesehen, doch wurde dieses Datum aufgeweicht und der Brauch wird nunmehr rund um dieses Datum ausgeübt.

Viele verschiedene Deutungen gibt und gab es um diesen Brauch. Einige sehen den Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol, andere als Symbol des Wachsens oder ein sichtbares Zeichen, dass nun die Wiesen nicht mehr betreten werden dürfen. Heute ist das Aufstellen des Maibaumes nicht zuletzt ein Zeichen einer funktionierenden Gemeinschaft und der ausführenden Vereine. Es ist ein Ausdruck von Gemeinschaftsgeist und Zusammenhalt, der die Menschen zusammenbringt und die Bindungen innerhalb der Gemeinschaft stärkt.

Die Tradition des Maibaumaufstellens hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1230 wurde der Maibaum in Österreich das erste Mal aufgestellt. Es gibt aber auch Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, in denen über Reisigkränze und Girlanden als Schmuck eines Maibaumes geschrieben wurde.

Beim Maibaumaufstellen geht es nicht ohne Spannung ab. Der frisch gefällte, mit dem Schepseisen geschälte Baum, welcher mancherorts auch noch bemalt wird, ist immer wieder ein beliebtes Diebesobjekt für Burschen des Nachbarortes. Es kommt immer wieder vor, dass der vorbereitete Baum am Morgen des Aufstellens spurlos verschwunden ist. Daher wird der Maibaum über Nacht sorgfältig bewacht. Ist der Baum am Morgen nicht mehr da, so sind Enttäuschung und Entrüstung der Burschen groß, dazu kommt auch noch der Spott der Ortsbewohner dazu. Um die Blamage in Grenzen zu halten, muss der Maibaum unter allen Umständen gefunden werden. Hat man ihn dann endlich gefunden, muss er ausgelöst werden, darin liegt der eigentliche Reiz des Maibaumstehlens. Die Burschen die ihn gestohlen haben, wollen sich einen fröhlichen, kostenfreien Maitag einhandeln. Das Aufstellen des Maibaumes geschieht mit viel Geschick, wenn auch nicht immer sehr flott. Der Baum wird mit langen „Schwalben“ hochgestemmt.

Ist es dann gelungen den Maibaum aufzustellen und ihn im Boden fest zu verankern, beginnt das Maibaumkraxeln der Jugend. Oben am Kranz befinden sich Speckwürste oder Brezen oder andere Lebensmittel, diese gilt es auf den Boden zu werfen. Man kann das Klettern auch noch erschweren, in dem man den unteren Teil des Baumes einseift.

Das Maibaumaufstellen ist mehr als nur ein Brauch – es ist ein lebendiger Teil der alpenländischen Kultur, der die Menschen zusammenbringt und die Gemeinschaft stärkt. Es ist ein Fest der Freude und des Zusammenhalts, das die Werte der Gemeinschaft feiert und die Menschen an ihre Wurzeln erinnert. Es ist ein Symbol für die Kraft und Schönheit der Natur und ein Zeichen der Hoffnung und des Neubeginns. Es ist ein Fest, das die Herzen der Menschen erfüllt und die Gemeinschaft stärkt. Es ist das Maibaumaufstellen – ein lebendiger Brauch, der die österreichische Kultur bereichert und belebt.

Pfingstfeuer

Das Pfingstfeuer ist ein Brauchtumsfeuer, das am Abend vor Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet wird. Die lodernde Flamme gilt dabei einerseits als Symbol des Heiligen Geistes, andererseits als Zeichen der Reinigung und Erleuchtung der Gläubigen.

Es ist ein Brauch, der heute längst nicht mehr überall gepflegt wird. Im Symbol des Feuers ist die Geistsymbolik der Heiligen Schrift am sinnfälligsten zu erfahren. Dort, wo das Pfingstfeuer noch lebt, verbindet es kirchliche Frömmigkeit mit dem alten menschlichen Impuls, sich am Feuer zu versammeln.

Herkunft

Pfingsten selbst ist ein altes Fest. Im Jahr 130 n. Chr. wurde Pfingsten zum ersten Mal als christliches Fest erwähnt. Der Name leitet sich vom griechischen pentekoste hemera ab, was einfach der fünfzigste Tag bedeutet, denn Pfingsten wird genau fünfzig Tage nach Ostern gefeiert.

Viele christliche Feiertage haben im Zuge der Christianisierung ehemals heidnische Feste abgelöst. Entsprechend wurden weltliche Bräuche in ein christliches Gewand gekleidet, zeitlich verlegt oder christlichen Festen angegliedert. Das gilt auch für manche Pfingstbräuche, wobei beim Pfingstfeuer im Besonderen die christliche Symbolik im Vordergrund steht. Wikipedia

Ablauf

Das Pfingstfeuer wird in der Regel am Vorabend von Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet, oft auf einer Anhöhe oder einem freien Platz am Dorfrand. Am Vorabend des Pfingstfestes leuchtet dann und wann noch ein Pfingstfeuer auf der Höhe. Früher brannte jeder Hirtenbube in seinem Berg ein Feuer ab. Das war kein stilles Ritual, sondern ein geselliges Ereignis, bei dem gejohlt und gefeiert wurde.

Neben dem Pfingstfeuer und der Pfingsttaube gehören auch die Pfingstrose und der Pfingstochse zu den Pfingstsymbolen. Das Feuer ist also eines von mehreren Elementen, die das Fest sinnlich erfahrbar machen.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land hat sich eine besondere Form erhalten: In katholischen Gemeinden im Salzburger Land werden brennende Wergflocken durch das sogenannte Heiliggeistloch an der Kirchendecke auf die Gemeinde gestreut. Diese dramatische Darstellung der Feuerzungen findet also nicht draußen, sondern direkt im Kirchenraum statt, was sie zu einer eindrucksvollen liturgischen Handlung macht.

In Tirol hingegen dominiert zu Pfingsten ein anderer, eng verwandter Brauch: Statt Sonnwendfeuern brennen in Tirol am dritten Freitag nach Pfingsten die Herz-Jesu-Feuer, die eine eigene historische Geschichte haben und an den Tiroler Widerstand gegen Napoleon erinnern. Sie sind nicht mit dem Pfingstfeuer gleichzusetzen, entstammen aber demselben Grundimpuls: Feuer als gemeinschaftliches Zeichen.

Ob ein Pfingstfeuer als Gemeinschaftsbrauch, als kirchliches Element oder gar nicht mehr gepflegt wird, hängt stark von der einzelnen Gemeinde ab. Eine flächendeckende, einheitliche Tradition im Alpenraum gibt es nicht.

Bedeutung heute

Das Pfingstfeuer ist kein Brauch, der große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es gibt keine spektakulären Veranstaltungen wie beim Sonnwendfeuer oder beim Krampuslauf. Wo es noch lebt, lebt es still: als Feuer nach der Pfingstmesse, als Flamme auf dem Hügel hinter dem Dorf, als Teil eines Gottesdienstes im Freien.

Gerade diese Stille macht es interessant. Das Pfingstfeuer erinnert daran, dass Pfingsten mehr ist als ein verlängertes Wochenende im Frühling. Es ist ein Fest des Lichts, der Verwandlung und der Gemeinschaft, und das Feuer macht das spürbar, ohne viele Worte zu brauchen.

Pfingstschnalzen

Beim Pfingstschnalzen knallen Burschen und Männer mit langen Peitschen, in der Volkskunde als sogenannte Lärmbrauch eingestuft. Der erzeugte Knall entsteht, wenn die Peitschenschnur mit Schwung durch die Luft geführt wird und die Schnurspitze die Schallmauer im Kleinen durchbricht. Der Klang ist scharf, weithin hörbar und unverkennbar. In der Steiermark ist der Brauch des Pfingstschnalzens am Pfingstsamstag noch immer üblich. Auch in Teilen Oberösterreichs hat er sich erhalten.

Herkunft

Der Ursprung des Pfingstschnalzens liegt im bäuerlichen Alltag. Mit dem Pfingstfest begann früher die Weideperiode, und es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als Halterbuben einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das Pfingstschnalzen.

Der Halterbub, also derjenige, der das Vieh über den Sommer auf die Weide trieb und beaufsichtigte, brauchte die Peitsche als tägliches Arbeitswerkzeug. Das Schnalzen diente also nicht nur dem Spaß, sondern war auch ein praktischer Kompetenznachweis: Wer eine schwere Goaßl sicher führen konnte, war reif für die Alm.

Ob dem Peitschenknallen darüber hinaus auch eine apotropäische Funktion zugeschrieben wurde, also das Vertreiben böser Geister, wird in manchen Quellen erwähnt, ist aber nicht eindeutig belegt. Die volkstümliche Deutung, das Pfingstschnalzen mit Peitschen vertreibe böse Geister, ist verbreitet, aber volkskundlich nicht abschließend gesichert.

Das Pfingstschnalzen steht nicht allein. Es ist eingebettet in einen bunten Strauß an Pfingstbräuchen, die das Ende des Frühlings und den Einzug des Sommers feiern. Neben dem Pfingstschnalzen gibt es in Oberösterreich weitere Bräuche, die in den ländlichen Gegenden fixer Bestandteil des Jahreskreises sind: Pfingsttänze und Spiele unter freiem Himmel sollen den Sommer begrüßen, Pfingstbäume werden aufgestellt und Pfingstmaien verteilt.

Der Zusammenhang mit dem Aperschnalzen

Wer sich mit dem Pfingstschnalzen befasst, stößt unweigerlich auf seinen verwandten Brauch: das Aperschnalzen. Beide verwenden die Goaßl, beide gehören zur Kategorie der Lärmbräuche, aber der Zeitpunkt und die Herkunft unterscheiden sich. Beim Aperschnalzen, das im bayerischen Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau gepflegt wird, soll der laute Knall der Goaßl symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Das Aperschnalzen findet zwischen dem Dreikönigstag und dem Faschingsdienstag statt, also mitten im Winter.

Das Pfingstschnalzen hingegen kommt rund drei Monate später, wenn der Frühling längst angekommen ist. Es ist kein Winteraustreiber mehr, sondern ein Sommereinläuter. Die beiden Bräuche mögen dieselben Werkzeuge und ähnliche Motive teilen, sind aber historisch und geographisch unterschiedlich verwurzelt.

Das Pfingstschnalzen ist heute vor allem in der Steiermark und in Teilen Oberösterreichs bekannt. In anderen Teilen des Alpenraums, etwa im Salzburger Zentralraum oder in Tirol, ist es als eigenständiger Pfingstbrauch weniger präsent, auch wenn die Goaßl dort durch das Aperschnalzen fest im Brauchtum verankert ist. Wie verbreitet das Pfingstschnalzen früher genau war, lässt sich anhand verfügbarer Quellen nicht präzise rekonstruieren.

Bedeutung heute

Das Pfingstschnalzen lebt dort weiter, wo Menschen bewusst Brauchtum pflegen. Es ist kein Massenspektakel wie mancher Krampuslauf, sondern ein Brauch, der eher im Stillen fortbesteht, auf Dorfplätzen, bei Vereinstreffen und im Familienkreis. Dass er überhaupt noch ausgeübt wird, verdankt er dem Engagement von Trachten- und Brauchtumsgruppen, die die Goaßl nicht verstauben lassen wollen.

Es ist auch ein Brauch, der erdet. Er erinnert daran, dass Pfingsten früher nicht nur ein religiöser Feiertag war, sondern der Startschuss für eine neue Jahreszeit, für die Alm, für die Ernte, für das Leben draußen.

Sonnwendfeuer

Jedes Jahr, wenn der Kalender den 21. Juni anzeigt oder einen Samstag, der diesem Datum am nächsten liegt, erstrahlen die Berggipfel und Höhen unseres Landes in einem warmen, leuchtenden Feuer. Dieses Phänomen, bekannt als Sonnwendfeuer, ist ein faszinierender Anblick, der die Dunkelheit der Nacht durchbricht und die Landschaft in ein Meer aus Licht und Wärme taucht.

Die Sonnwendfeuer sind nicht nur auf den Bergen zu sehen. Oftmals werden sie auch im Tal anlässlich von Festen abgebrannt. Im Salzburger Großarltal zum Beispiel, wird die Sonnwendfeier mit dem sogenannten Sonnwendklöcken verbunden. Hierbei stellen sich junge Männer mit ihren Peitschen auf eine Anhöhe und schnalzen in einem 4er oder 6er Takt. Eine weitere faszinierende Tradition findet im Salzburger Flachgau bei Oberndorf statt, wo beim „Schiffersonnwend“ schwimmende Sonnwendlichter in der Salzach flussabwärts treiben.

Dem Feuer werden besondere Schutz- und Reinigungskräfte zugesprochen. Es soll Licht, Wärme und Leben symbolisieren. Diese Bräuche haben ihre Wurzeln in vorchristlicher Zeit und sollten zum Ausdruck bringen, dass die Sonne sich nun auf ihrem Höhepunkt befindet. Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres sind gekommen.

Um diesen Brauch der Sonnwendfeuer einen christlichen Inhalt zu geben, hat die Kirche dieses Feuer in die Johannesfeuer umgewandelt. Der 24. Juni, der Festtag von Johannes dem Täufer, ist ein bedeutender Tag in der christlichen Tradition und wird oft mit Feuerfesten gefeiert.

Die Sonnwendfeuer sind also mehr als nur ein schöner Anblick. Sie sind ein Symbol für das Leben, die Wärme und das Licht, das die Sonne uns schenkt. Sie sind ein Zeichen der Verehrung und des Respekts gegenüber der Natur und ihrer unermesslichen Kraft. Und sie sind ein Zeugnis unserer tief verwurzelten Traditionen und Bräuche, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. So lodern die Feuer weiter, Jahr für Jahr, und erinnern uns an die ewige Zyklen des Lebens und der Jahreszeiten.

Walpurgisnacht

Walpurgisnacht

Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai trägt den Namen einer angelsächsischen Heiligen: Walburga, auch Walpurga oder Walpurgis genannt, war eine Missionarin, die im 8. Jahrhundert ins Frankenreich kam, Klöster gründete und Kranke heilte. Am 1. Mai 870 wurde sie heiliggesprochen – und damit war der Termin gesetzt. Dass ausgerechnet dieser Tag zur bekanntesten Hexennacht des Jahres wurde, hat weniger mit der frommen Äbtissin zu tun als mit dem, was an diesem Datum schon lange vor ihr gefeiert wurde.

Der 30. April markierte in vorchristlicher Zeit einen der großen Wendepunkte im Jahreskreis: den Übergang vom Winter in den Sommer. Für die Kelten war es das Fest Beltane, für germanische Völker ein Zeitpunkt, an dem die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Geister als besonders durchlässig galten. Die Kirche legte das Fest der heiligen Walburga bewusst auf diesen Termin, in der Hoffnung, die alten Bräuche zu überlagern. Das ist nur halb gelungen – der alte Glaube blieb hartnäckig, er zog sich einfach in neue Formen zurück.

Im Mittelalter verdichtete sich rund um diese Nacht eine besondere Vorstellung: Hexen fliegen auf ihren Besen aus, um auf dem Blocksberg – dem Brocken im Harz – ihren großen Sabbat zu feiern, dort mit dem Teufel zu tanzen und Unheil zu schmieden. Diese Bilder waren nicht harmlos, sie nährten die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit. Im Alpenraum kennt man ähnliche Vorstellungen, nur mit anderem Personal: Hier sind es Perchten, Dämonen und wilde Geister, die in dieser Nacht umgehen und besonders dem Vieh gefährlich werden können – die Milch verderben, Tiere krank machen.

Das volkskundliche Gegenmittel war vielfältig. Feuer wurde entzündet, um böse Geister fernzuhalten, Lärm sollte sie vertreiben, Weißdorn- und Brennnesselzweige kamen an Türen und Stallungen. Vielerorts wurden Besen umgekehrt vor die Haustür gestellt, damit keine Hexe einreiten konnte. Im ländlichen Alpenraum galt es vor allem, Haus und Stall gut zu sichern – ein bewachter Stall in der Walpurgisnacht war keine Abergläubigkeit, sondern gelebte Fürsorge.

Heute ist die Walpurgisnacht vielerorts zu einem fröhlichen Volksfest geworden. In Deutschland brennen die Walpurgisfeuer, besonders rund um den Brocken im Harz ist der Brauch mit Kostümen und Feiern lebendig. Im Alpenraum hat sich das ursprünglichere Feuerbrauchtum stärker gehalten: Höhenfeuer, die den Frühling begrüßen und gleichzeitig an die alte Schutzfunktion des Feuers erinnern. Der Name der heiligen Walburga ist dabei längst in den Hintergrund getreten – geblieben ist die Nacht selbst, mit all dem, was die Menschen schon immer in sie hineingelegt haben.