Allerheiligenstriezel

Je nach Region und Gruppe wurde dieses Gebäck anders genannt. In Wien oder Graz war es auch der Heiligenstriezel der von den lokalen Bäckern an die Kunden verteilt wurde. Allen gemeinsam ist, sie wurden nie verkauft, sondern immer verschenkt.

Gebildbrote wurden beispielsweise in Oberösterreich oder Tirol den Patenkindern vom Paten überreicht. In Hallein (Salzburg, Tennengau) wurden früher die sogenannten Seelenbrezeln an die Kreuze am Grab lieber Verstorbener gehängt.

Almrausch

Wer einmal im Frühsommer durch die Ostalpen gewandert ist, kennt diesen Anblick: Hänge und Felsgesimse, die in einem tiefen Purpur-Rosa leuchten, als hätte jemand ganze Bergflanken mit Farbe übergossen. Das ist der Almrausch, die Alpenrose der Alpen. Kaum eine andere Wildpflanze des Alpenraums ist so sehr mit Gefühl und Symbolik aufgeladen wie dieser unscheinbar wirkende Strauch.

Botanisch handelt es sich beim Almrausch um nicht eine, sondern zwei eng verwandte Arten aus der Gattung der Rhododendren, die zur Familie der Heidekrautgewächse gehören: die Rostbraune Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), erkennbar an der bräunlichen Unterseite ihrer Blätter, und die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum), deren Blattränder mit feinen Härchen besetzt sind. Im Volksmund werden beide einfach als „Almrausch“, „Almenrausch“, „Almrose“ oder „Steinrose“ bezeichnet.

Was steckt im Namen?

Wer beim Wort „Almrausch“ an ausgelassenes Treiben und Hochprozentigem denkt, liegt zumindest teilweise auf der falschen Spur. Der Wortteil „Rausch“ hat nichts mit dem angeblich so ausgelassenen Treiben auf den sommerlichen Almen zu tun. „Rausch“ ist eine alte Bezeichnung für niedriges Gestrüpp.

Es gibt allerdings noch eine andere, volkskundlich interessante Deutung: In manchen Gebirgsgegenden glaubte man, dass die Alpenrose beim Weidevieh eine Krankheit namens „Rausch“ austreiben könne, und nannte die Pflanze deshalb „Rauschkraut“. Aus dieser Bezeichnung soll sich dann der Name „Almrausch“ als Modewort weit verbreitet haben.

Vorkommen und Erscheinungsbild

Die Alpenrose kommt in den gesamten Ostalpen vor, schwerpunktmäßig in den nördlichen und südlichen Kalkalpen, und gedeiht gut in Höhen zwischen 600 und 2.500 Metern. Sie blüht von Mai bis Juli. Dabei treten die Sträucher fast nie einzeln auf: Alpenrosen wachsen immer in großen Gruppen und besiedeln frische, stark saure, nährstoffarme Böden. Sie benötigen im Winter einen Schneeschutz, meiden windige Standorte und wachsen bevorzugt im Lärchen-Zirbenwald und Latschengebüsch sowie auf unternutzten Almweiden. Ein einzelner Strauch kann dabei erstaunlich alt werden: Bei Stämmchen mit einem Durchmesser von nur ein bis zwei Zentimetern wurde ein Alter von nahezu 100 Jahren festgestellt.

Volksglauben rund um die „Donnerrose“

So schön die Alpenrose ist, so widersprüchlich ist ihr Ruf im Volksglauben. Im Volksglauben zieht sie Blitze an, deutet auf Bodenschätze und Goldadern hin, und soll einst ein Indiz für besonderen Mut gewesen sein.

Besonders aufschlussreich ist der Umgang mit der Pflanze in Gewitterzeiten. Der Volksglaube mahnt, dass man einen Zweig blühender Alpenrose besser schnell wegwirft, wenn im Gebirge ein Gewitter aufzieht, denn wer dann eine „Dunner-“ oder „Donnerrose“ bei sich trägt, läuft Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden. Umgekehrt soll ein an den First des Bauernhauses genageltes Sträußerl dieser „Dunnerrose“ vor ebendiesem Blitzschlag schützen. Ein schöner Widerspruch, der zeigt, wie ambivalent Volksglaube oft ist: dieselbe Pflanze als Unheilsbringer und als Schutzmittel.

Als Liebesbote hatte der Almrausch ebenfalls seinen Platz: So wie das Edelweiß holten verliebte Burschen oft von hoch droben auf dem Berg einen Zweig blühende Alpenrose für ihre Angebetete. Das Pflücken setzte dabei tatsächlich eine gewisse Risikobereitschaft voraus, denn die schönsten Blüten wachsen gerne in steilem oder schwer zugänglichem Gelände.

In Tirol gibt es zudem einen sehr spezifischen lokalen Überlieferungsstrang: Bei Hafling in Tirol wird die Alpenrose „Oswaldstaude“ genannt, weil dort, wo einst unzählige Alpenrosen blühten, Hirten einst ein Bild des Heiligen Oswald gefunden haben sollen, dem man nachsagte, ein besonderer Verehrer der Almrosen gewesen zu sein.

Giftig und heilend zugleich

Der Almrausch ist kein harmloses Gewächs. Die Alpenrose enthält das Andromedotoxin (Acetylandromedol), das auch für den Menschen stark giftig ist. Symptome einer Vergiftung sind vermehrter Speichelfluss, Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen und Durchfall; bei höheren Dosen können auch Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle auftreten.

Für Weidetiere ist die Pflanze ebenfalls problematisch, und nicht nur als Gift: Durch ihre große Ausbreitung nimmt die Alpenrose anderen wichtigen Almfutterpflanzen den Platz weg, weshalb man sie auch als „Platzräuber“ bezeichnet und nur durch Schwenden im Zaum halten kann. Die Pflanze verschlechtert den Almboden durch Bodenversauerung und Bildung von Rohhumus. Auf Almweiden, die nicht mehr intensiv bewirtschaftet werden, breitet sie sich entsprechend schnell aus.

Dennoch wurde der Almrausch traditionell in der Volksmedizin genutzt: Die Rostblättrige Alpenrose wurde lange Zeit im Rahmen der Volksmedizin angewendet, ohne dass dadurch Vergiftungsfälle dokumentiert wären. In der Volksheilkunde fand die Alpenrose vor allem bei Gicht und Rheuma Verwendung. Heute wird sie medizinisch kaum noch direkt eingesetzt.

Mythos und Romantisierung

Der Almrausch ist längst mehr als eine Wildpflanze. Er ist zum Symbol geworden, einem Stück projizierter Bergsehnsucht. Dieser Mythos entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit einer zunehmenden Naturbegeisterung, als der Alpentourismus in der europäischen Elite beliebt wurde. Die Romantisierung der Alpen und der etwas später aufkommende Naturschutz zementierten diese Überlieferungen.

Der Schutzstatus der Pflanze variiert je nach Region: In Österreich, insbesondere in alpinen Regionen wie Tirol und Vorarlberg, sind Alpenrosen oft durch das jeweilige Landesnaturschutzgesetz geschützt, und in Schutzgebieten wie Nationalparks ist das Pflücken generell verboten. Außerhalb solcher Gebiete sollte man sich über lokale Regelungen informieren.

Bedeutung heute

Der Almrausch steht für eine bestimmte Vorstellung von intakter Bergwelt: ursprünglich, robust, unberührt. Er taucht in Volksliedern auf, ziert Postkarten und Trachtenmuster und ist aus dem kulturellen Bilderrepertoire des Alpenraums nicht wegzudenken. Gleichzeitig ist er aus Sicht der Almwirtschaft oft ein unerwünschter Ausbreiter, der Weideflächen verdrängt. Diese Spannung zwischen Romantisierung und bäuerlicher Realität macht den Almrausch zu einem interessanten Spiegel dafür, wie Natur und Kulturraum im Alpenland wahrgenommen werden, damals wie heute.

Ave Maria

Das Gebet

„Ave Maria“ ist lateinisch und bedeutet schlicht: „Sei gegrüßt, Maria“. Es ist das wohl bekannteste marianische Gebet der katholischen Kirche – also ein Gebet, das sich an Maria, die Mutter Jesu, richtet.

Latein

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Deutsch

Gegrüßet seist du, Maria,
voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.


Herkunft

Das Gebet ist kein Werk eines einzelnen Autors – es ist im Laufe von Jahrhunderten aus verschiedenen Quellen zusammengewachsen.

  • Der erste Teil
    stammt fast wörtlich aus dem Lukasevangelium (Lk 1,28 und 1,42). Es sind die Worte des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung an Maria sowie der Gruß Elisabeths, der Mutter Johannes des Täufers. Diese Verse wurden früh in der Kirche als Gruß an Maria verwendet.
  • Der zweite Teil
    die Bitte um Fürsprache kam schrittweise hinzu. Er entwickelte sich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert im westlichen Christentum. Eine einheitliche, verbindliche Fassung entstand erst mit dem Brevier-Reform von Papst Pius V. im Jahr 1568.
  • Der Name Jesus
    am Ende des ersten Teils wurde ebenfalls erst im späten Mittelalter ergänzt – vermutlich um die christologische Bedeutung zu betonen.

Der Engel des Herrn – das Angelusläuten

Wer im Voralpenland aufgewachsen ist, kennt das Angelusläuten: dreimal täglich – morgens, mittags und abends – läuten die Kirchenglocken. Das ist das Signal zum Ave Maria. Dieser Brauch geht auf das sogenannte Angelusgebet zurück, das aus drei Ave Maria-Gebeten und kurzen Versen besteht.

Auf dem Land – besonders in Bayern, Salzburg und Tirol – war es bis weit ins 20. Jahrhundert üblich, dass man bei den Glocken innehielt, die Kappe abnahm oder die Arbeit kurz ruhen ließ. Ein stiller Moment mitten im Tag.

Das Ave Maria im Rosenkranz

Das Ave Maria ist auch das Herzgebet des Rosenkranzes. Im Rosenkranz wird es insgesamt 53 Mal gebetet – eingebettet in die Betrachtung von Geheimnissen aus dem Leben Jesu und Mariens.

Der Rosenkranz war über Jahrhunderte das Volksgebet schlechthin im katholischen Alpenraum. In langen Winterabenden, bei der Feldarbeit, auf Wallfahrten oder am Sterbebett – das Ave Maria begleitete die Menschen durch alle Lebenslagen.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land, in Tirol und in Bayern ist die Marienverehrung tief verwurzelt. Zahlreiche Wallfahrtsorte, wie Mariazell in der Steiermark, Maria Plain bei Salzburg, Maria Kirchental im Salzburger Land oder Altötting in Bayern, sind Zentren dieser Frömmigkeit.

Dort erklingt das Ave Maria nicht nur als stilles Gebet, sondern auch als Gesang. Die bekannteste Vertonung stammt von Franz Schubert (1825), weitere von Charles Gounod und Johann Sebastian Bach. Diese Vertonungen haben das Gebet weit über die Grenzen der Kirchenräume getragen.

Bedeutung heute

Das Ave Maria ist für viele Menschen im Alpenraum mehr als Theologie – es ist kulturelles Gedächtnis. Wer es als Kind gelernt hat, trägt es oft ein Leben lang mit sich. Gleichzeitig ist es für jüngere Generationen manchmal ein fremder Text geworden. In der Pastoralarbeit, der kirchlichen Gemeindearbeit, wird deshalb heute oft erklärt, was die einzelnen Worte bedeuten und woher sie stammen.

Auch Menschen, die sich nicht mehr aktiv zur Kirche zählen, berichten, dass das Ave Maria in bestimmten Momenten, beim Tod eines Menschen, auf einer Wallfahrt, in der Stille der Berge, wieder auftaucht. Das Gebet hat eine eigentümliche Kraft, im Gedächtnis zu bleiben.

Bergmesse

Wenn im Sommer die Wiesen blühen, verwandeln sich in den Alpen zahlreiche Gipfel, Almen und Kirchlein in Freiluftkirchen: die Bergmesse gehört in Tirol, Salzburg und weiten Teilen des Alpenraums zum festen Bestandteil des kirchlichen Sommers. Statt unter einem gemauerten Dach wird die Heilige Messe unter freiem Himmel gefeiert – auf einem Gipfel, bei einem Gipfelkreuz, auf einer Alm oder vor einer kleinen Bergkapelle, oft begleitet von einer Musikkapelle und im Anschluss mit gemeinsamer Einkehr.

Die Wurzeln dieser Tradition reichen tief: Berggottesdienste unter freiem Himmel haben in Tirol eine lange Geschichte und wurden von Vereinen wie Schützen oder Jungbauernschaften über Generationen weitergetragen. Vielerorts sind es genau diese Trachten- und Schützenvereine, die die Bergmesse organisieren, mit Fahnen ausrücken und für den musikalischen Rahmen sorgen – die Messe wird so zu einem Gemeinschaftsereignis, das kirchliches und dörfliches Leben verbindet.

Eine besondere Ausprägung sind Gedenkmessen für verunglückte Bergsteiger, etwa am Rax-Kirchl am Fuß der Heukuppe, wo mehrmals im Jahr an verstorbene Bergkameraden erinnert wird. Auch die traditionsreiche Großglockner-Wallfahrt, die seit rund 300 Jahren am 28./29. Juni stattfindet, ist im Kern eine solche Bergmesse – Pilger steigen zur Adlersruhe auf, um dort in großer Höhe gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Für viele Teilnehmer ist die Bergmesse mehr als kirchliche Pflichtübung: Die Kombination aus Aufstieg, Weite und Gottesdienst wird als besondere Form der „geistlichen Sommerfrische“ erlebt – ein Innehalten fernab des Alltags, das Naturerlebnis und Glauben unmittelbar zusammenführt.

Christnacht

Der Begriff „Christnacht“ bezeichnet die Nacht der Geburt Jesu Christi, also die Nacht, in der nach christlichem Glauben der Sohn Gottes zur Welt kam. Im Volksmund und in der kirchlichen Tradition ist diese Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember besonders geheiligt – mehr noch als der Tag selbst.

Der Begriff ist im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Raum fest verwurzelt. Er taucht in alten Gebetbüchern, in Kirchenordnungen und in der mündlichen Überlieferung auf und meint immer dasselbe: diese eine, besondere Nacht. Die Christnacht ist kein einzelner Brauch. Sie ist ein Zeitraum, in dem sich eine ganze Reihe von Bräuchen, Glaubensvorstellungen und Ritualen bündeln.

Das Weihnachtsfest am 25. Dezember wurde in der westlichen Kirche seit dem 4. Jahrhundert begangen – möglicherweise in bewusster Anlehnung an den römischen Festtag des „Sol Invictus“, der Unbesiegten Sonne, zur Wintersonnenwende.

Die Feier der Christmette – des Gottesdienstes in der Nacht – ist seit dem frühen Mittelalter belegt. Die Mitternachtsmesse galt als das liturgische Herzstück des Kirchenjahres. Die Kirche betonte ausdrücklich, dass Christus in der Dunkelheit geboren wurde – als Licht in der Nacht.

Im Volksglauben des Alpenraums vermischten sich diese christlichen Vorstellungen über die Jahrhunderte mit älteren Überzeugungen rund um die Wintersonnenwende und die sogenannten Raunächte. Die Christnacht gilt als eine der zwölf großen Raunächte (nach moderner Zählung sogar als die erste), jener geheimnisvollen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Geister angeblich besonders dünn ist.

Bräuche & Legenden

Bedeutung heute

Die Christnacht hat – trotz oder vielleicht gerade wegen des gesellschaftlichen Wandels – nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Sie ist einer der wenigen Momente im Jahr, an denen sich auch Menschen, die mit der Kirche wenig verbinden, an Stille, Gemeinschaft und Tradition erinnern lassen.

Die alten Bräuche wie das Räuchern, das gemeinsame Krippenaufstellen oder der Weg zur Christmette erleben in vielen Regionen des Alpenraums eine stille Renaissance. Nicht als nostalgische Rückwärtsbewegung, sondern als bewusste Entscheidung für Rhythmus und Verwurzelung – in einer Zeit, in der beides selten geworden ist.

Erntedankkrone

Früher überreichten Gesinde und Erntearbeiter den Bauern nach Abschluss der Erntearbeiten einen Kranz aus geflochtenem Getreide, woraufhin sie meist ein Festessen erhielten. Dieser Brauch lebt heute in der festlich geschmückten Erntekrone weiter, einer vier- oder sechsbogigen Bügelkrone, die während der Prozession in die Kirche getragen wird.

Die Erntedankkrone ist fester Bestandteil des Erntedankfests im September.

Godl

Wer in Österreich oder Bayern aufgewachsen ist, kennt die Worte vermutlich aus der Kindheit: die Godl und der Göd. Gemeint sind damit Taufpatin und Taufpate, also jene besonderen Menschen, die ein Kind bei seiner Taufe ins christliche Leben begleiten und ihm danach ein Leben lang verbunden bleiben. Die Begriffe klingen vertraut, ein wenig altertümlich, manchmal auch herzlich-familiär. Und genau das sind sie: Zeugen einer langen Geschichte, die bis ins frühe Christentum und noch weiter zurückreicht.

Im standardsprachlichen Deutsch sagt man Pate und Patin, im österreichisch-bairischen Dialektraum aber überlebt haben die alten Formen: Göd für den Paten, Godl (auch: Godl, Godi, Goli, Gedl, je nach Gegend) für die Patin. Der Duden verzeichnet beide als österreichische Bezeichnungen: Göd als männliche, Godl als weibliche Form.

Woher kommen die Wörter?

Der Begriff Göd leitet sich vom althochdeutschen Goto ab, was so viel wie „Gott-Vater“ bedeutet. Das Wort Pate hingegen stammt vom lateinischen patrinus, also „Bürge“ oder „Beistand“, was auch im altdeutschen Wort Gevatter aufklingt, einer direkten Übersetzung des lateinischen compater, also „Mitvater“.

Das althochdeutsche gote war im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet, wie das Grimm’sche Wörterbuch belegt. Während sich im mitteldeutschen und norddeutschen Raum die lateinischstämmigen Formen wie Pate und Pfetter durchsetzten, blieb das einheimische Gote vor allem im oberdeutschen Sprachraum lebendig. Im Österreichischen und Bairischen hat sich daraus der Göd entwickelt, der bis heute im Gebrauch ist.

Ehre und Verpflichtung

Pate oder Patin zu sein war Ehre und Verpflichtung zugleich. Die Eltern baten darum: ein Vorgang, der traditionell Gevatterbitten genannt wurde. Man wählte nicht irgendjemanden aus, sondern eine Person, der man vertraute und die dem Kind wirklich nahestehen sollte.

Die Godl und der Göd waren meist Respektspersonen, ausgewählt dafür, das Kind im Notfall, materiell wie religiös, zu versorgen. Im schlimmsten Fall, also beim Tod der Eltern, übernahmen sie selbstverständlich und ohne weiter darüber nachzudenken die Vormundschaft.

Das Patenamt beschränkte sich nicht auf die Taufe. Auch zur Firmung erhielten Kinder einen Paten, der sie im christlichen Leben begleiten sollte. In der bäuerlichen Lebenswelt war das Amt deshalb mit festgelegten Traditionen und Ritualen verbunden: von bestimmten Sätzen beim Anfragen bis hin zu einem fixen Platz an der Hochzeitstafel des Patenkindes.

Der Godntag und die Patengeschenke

Das Beziehungsgeflecht zwischen Paten und Patenkind war reich an Bräuchen, die den Jahreskreis begleiteten.

Allerheiligen galt in vielen Regionen als Godntag, an dem die Patentante oder der Patenonkel zu Besuch kamen und dem Patenkind einen Allerheiligenstriezel mitbrachten, oft mit einer eingebackenen Silbermünze. Der zugehörige Begriff für das Patengeschenk lautet bezeichnenderweise Godnsach: die Göd-Sache, das Mitgebrachte vom Paten.

Zu Ostern war ein anderes Gebäck an der Reihe: das Godnkipferl oder Osterkipferl, ein großes, buttriges Hefekipferl, das die Godl buk und dem Patenkind überreichte. In Teilen Österreichs, vor allem in Oberösterreich, waren diese Godenkipferl für ihre beachtliche Größe bekannt. Ein verstecktes Geldstück oder ein Geldschein gehörte dazu, das war Brauch.

In manchen Gegenden trugen Patenkinder beim Begräbnis ihrer Paten das Kreuz voran, ein letzter, sichtbarer Ausdruck einer Verbindung, die mit der Taufe begonnen hatte und ein Leben lang getragen wurde.

Regionale Vielfalt der Bezeichnungen

Die Formen des Wortes sind regional so bunt wie das österreichisch-bairische Dialektspektrum selbst. Neben Godl und Göd kennt man je nach Gegend auch Gedl, Goti, Ged, Geed und viele weitere Varianten. Im Schweizerdeutschen lebt das Wort als Gotti (Patentante) und Götti (Patenonkel) fort, ebenfalls aus demselben Ursprung.

Im Norden Deutschlands ist der Begriff kaum bekannt, dort hat sich Pate vollständig durchgesetzt. Die Formen mit G- oder Go- sind also ein verlässlicher Hinweis darauf, dass man sich im süddeutsch-österreichischen Kulturraum bewegt.

Bedeutung heute

Das Amt des Göd oder der Godl hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, aber nicht aufgelöst. Die religiöse Dimension, also das Vorbild im Glauben zu sein, steht heute seltener im Vordergrund, die persönliche Bindung aber bleibt. In Teilen Österreichs ist es bis heute üblich, dass der Taufpate dem Patenkind bis zur Firmung zu Allerheiligen ein Geschenk bringt.

Die Worte Göd und Godl sind dabei mehr als nur Dialektbegriffe. Sie tragen das Gewicht einer langen Tradition: die Idee, dass ein Kind nicht nur Eltern, sondern auch andere Erwachsene braucht, die für es einstehen, die es kennen, die auf es schauen.

Heiliggeistloch

Wer in einer alten Dorfkirche den Blick nach oben richtet, entdeckt manchmal eine kreisrunde Öffnung im Gewölbe des Kirchenschiffs, oft geschmückt mit gemalten Flammenzungen, Engeln oder Tauben. Dieses unscheinbare Loch trägt einen großen Namen: Heiliggeistloch.

Das Heiliggeistloch, auch Himmelloch oder Pfingstloch genannt, ist eine Öffnung in der Decke des Kirchenlanghauses, meist in der Nähe des Chores. Ihr eigentlicher Zweck war zunächst ein rein praktischer: Sie diente zur Lüftung des Kirchenraums. Im Laufe der Zeit aber wurde aus dem schlichten Baudetail ein liturgisches Ausdrucksmittel von großer Wirkungskraft.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Brauch ist seit der Gotik bekannt und geriet nach der Aufklärung nach und nach außer Gebrauch. Heute wird er in einigen Kirchen wieder aufgegriffen. Wann genau die Öffnung erstmals liturgisch genutzt wurde, lässt sich nicht auf ein genaues Datum festlegen. Sicher ist, dass das Mittelalter eine ausgeprägte Neigung zur sinnlichen Vergegenwärtigung des Unsichtbaren kannte. Der Heilige Geist, von Natur aus körperlos und unsichtbar, brauchte ein Bild, eine Geste, einen Moment. Das Loch in der Decke bot genau das: einen Durchlass zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen menschlichem Raum und göttlichem Oben.

Was durch das Loch herabkam

Während des Pfingstgottesdienstes ließ man durch die Öffnung eine weiße Taube als Symbol des Heiligen Geistes fliegen, eine geschnitzte Holztaube herabsenken oder Blumen in den Kirchenraum regnen. Besonders spektakulär, aber auch riskant war ein anderer Brauch: Gelegentlich ließ man brennendes Werg durch das Loch fallen, als Sinnbild der Feuerzungen, die laut der biblischen Pfingstgeschichte auf die Apostel herabkamen. Die Brandgefahr war erheblich, weshalb dieser Brauch offenbar nur selten und mit Vorsicht praktiziert wurde.

Das Heiliggeistloch war aber nicht nur an Pfingsten in Gebrauch. An Christi Himmelfahrt wurde etwa ein Licht durch die Öffnung geschwenkt, Süßigkeiten und Blumenkränze für die Jugend hinabgeworfen, oder eine Christusfigur stieg an einem Seil durch das Loch in den „Himmel“ auf. Für die Gläubigen, viele von ihnen des Lesens unkundig, war solch ein sichtbares Zeichen weit mehr als bloßes Theater. Es war Glaubensvermittlung mit den Mitteln des Erlebens.

Regionale Besonderheiten

Im Alpenraum haben sich vereinzelt besonders lebendige Beispiele erhalten. In der Kapelle bei Ebbs in Tirol hängt unter einem geöffneten Heiliggeistloch noch heute eine Pfingsttaube, auch in Söll in Tirol findet sich ein Heiliggeistloch mit schwebender Taube. In Mittenwald in Bayern und im Kloster Neustift in Südtirol hat sich der Brauch erhalten, an Christi Himmelfahrt eine Christusstatue durch das Heiliggeistloch nach oben zu ziehen, um die Himmelfahrt für die Gemeinde sichtbar zu machen.

In Kaumberg im niederösterreichischen Bezirk Lilienfeld ist ein Pfingstloch erhalten, das noch gemalte Flammenzungen aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigt.

Im Passauer Dom wurde das Heiliggeistloch auf besondere Weise weitergenutzt: Über der Öffnung im Dachgebälk befindet sich ein Orgelwerk, dessen Klang durch das vergitterte Loch in den Kirchenraum herabdringt.

Die Verbindung zur Heiligengeist-Taube in der Stube

Wer den Text zur Suppenbrunzer kennt, dem erschließt sich hier ein interessanter Zusammenhang: Die hölzerne Taube, die in bäuerlichen Stuben über dem Esstisch hing und an der heißen Suppe kondensierte, ist das häusliche Gegenstück zum kirchlichen Brauch. Was im Gotteshaus das Heiliggeistloch mit der herabgelassenen Schnitzfigur darstellte, fand im bäuerlichen Alltag seinen bescheidenen Widerschein in der über dem Tisch schwebenden Taube. Beide Orte, Kirche und Stube, verbindet die gleiche Vorstellung: Der Heilige Geist ist mitten unter uns, er kommt von oben herab.

Bedeutung heute

Obwohl der Brauch nach der Aufklärung weitgehend verschwand, wird er heute in einigen Kirchen wieder belebt. Für viele Kirchengemeinden ist das Heiliggeistloch heute vor allem ein bauhistorisches Zeugnis, das davon erzählt, wie lebendig und sinnlich die mittelalterliche und frühneuzeitliche Liturgie war. Die Idee, das Abstrakte konkret erfahrbar zu machen, hat dabei nichts von ihrer Kraft verloren.

Herrgottswinkel

Der Begriff stammt aus dem Altbayrischen und bedeutet wörtlich übersetzt “Gottes Ecke”. Es handelt sich dabei um einen speziellen Bereich in einem Wohnhaus, der für religiöse Symbole und Artefakte reserviert ist.

Der Herrgottswinkel hat seinen Ursprung in der tief verwurzelten katholischen Tradition Bayerns und Österreichs. In einer Zeit, in der der Kirchgang oft beschwerlich und zeitaufwendig war, bot der Herrgottswinkel den Menschen einen privaten Ort der Andacht und des Gebets in ihren eigenen vier Wänden.

In der Regel befindet sich der Herrgottswinkel in der Stube, dem zentralen Wohnraum des Hauses. Er ist oft in der Ecke gegenüber der Tür (oder in alten Gebäuden gegenüber des Ofens) angeordnet, sodass er von jedem Punkt im Raum aus sichtbar ist. In diesem heiligen Winkel hängt in der Regel ein Kruzifix oder ein Heiligenbild, oft begleitet von anderen religiösen Gegenständen wie Rosenkränzen, Heiligenfiguren oder Kerzen.

Auch heute noch ist der Herrgottswinkel in vielen traditionellen Häusern in Bayern und Österreich zu finden. Er ist ein Zeichen der tiefen Religiosität dieser Regionen und ein Ausdruck der engen Verbindung zwischen Glauben und Alltag. Der Herrgottswinkel ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Ort der Besinnung und des Innehaltens in der Hektik des Alltags.

In der modernen Architektur und Inneneinrichtung hat der Herrgottswinkel oft einen symbolischen Charakter. Er kann als Ausdruck der persönlichen Spiritualität und des Respekts vor der Tradition verstanden werden. In einigen Fällen wird der Herrgottswinkel auch in modernen Interpretationen umgesetzt, beispielsweise durch minimalistische Kreuze oder abstrakte religiöse Kunst oder auch persönliche Gegenstände (ohne tiefer religiöse Bedeutung).

Kräuterbuschen

Bei einem Kräuterbuschen muss einiges beachtet werden. Zuerst kommt die Anzahl der Kräuter.

Die Zahl der Kräuter soll magisch, symbolisch sein, mindestens sieben Kräuter müssen die Bastler also sammeln. Aber auch neun (drei mal drei), zwölf (für die Apostel) oder gar 77 sind möglich. Aber auch jeder andere durch drei teilbare Zahl ist möglich.

  • 7 – die Zahl sieben steht für die Anzahl der Schöpfungstage
  • 9 – die Zahl steht für 3×3, eben für die heilige Dreifaltigkeit
  • 12 – steht für die Zahl der Apostel oder der Stämme Israels
  • 99 – 33 x 3 steht ebenfalls als Symbol für die heilige Dreifaltigkeit
  • 24 – 2 x 12, steht für die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel

Auch die einzelnen Kräuter stehen symbolisch für Figuren aus dem katholischen Glauben oder haben eine andere tiefe Bedeutung im Volksglauben.

  • Königskerze
    Wird auch Marienkerze genannt. Als eines der wichtigsten Kräuter wird sie in der Mitte des Buschens gebunden.
  • Johanniskraut
    Dieses Kraut soll die aufgenommene Sonne an dunklen Tagen wieder abgeben und Frohsinn bereiten.
  • Baldrian
    dient zur Reinigung und ist auch ein Glücksbringer.
  • Kamille
    wird wegen ihrer beruhigenden und entzündungshemmenden Wirkung geschätzt, außerdem soll sie Glück und Liebe bringen.
  • Arnika
    ist im Alpenraum weit verbreitet als Heilpflanze. Wird sie in den Kräuterbuschen gebunden, soll Arnika vor Feuer und Hagel schützen.
  • Rosmarin
    soll zum guten Schlaf verhelfen.
  • Salbei
    wird dem Buschen hinzugefügt um Wohlstand, Weisheit und Erfolg und zu erlangen.
  • Wermut
    im Kräuterbuschen verspricht Kraft, Mut und Schutz
  • Es können aber noch sehr viele weitere heimische Kräuter in den Kräuterbuschen gebunden werden, beispielsweise Alant, Beifuß, Frauenmantel, Schafgarbe, Rainfarn, Thymian, Lebenskraut, Eibisch, Haselnusszweige, Ringelblume, Majoran, Wilde Möhre, Ysop und Goldrute.
  • Zusätzlich zu den klassischen Kräutern, werden auch andere Pflanzen in den Buschen gebunden.
    • Rosen sollen Maria symbolisieren.
    • Getreide wird als Symbol für das tägliche Brot verwendet.
    • Lillien stehen hingegen für Josef.
Kräuter für Kräuterstrauß
Kräuter für Kräuterstrauß