Latschenkiefer

Wer im Sommer durch die Alpen wandert, stößt früher oder später auf ein eigentümliches Gewächs: ein zähes, niedrig bleibendes Nadelgehölz, das sich gleichsam in die Hänge hineinschmiegt, krümmt und verbiegt, als wolle es trotzig den Bergwind und die Schneelast auslachen. Das ist die Latschn, auch Latschenkiefer oder Bergkiefer genannt. Ihr botanischer Name lautet Pinus mugo, und sie ist unter einer ganzen Reihe von Bezeichnungen bekannt: Bergföhre, Legföhre, Legkiefer, Krummholzkiefer, Zunter oder schlicht Krüppelkiefer. Im Volksmund wird sie mancherorts auch liebevoll „Bergsegen“ gerufen, was bereits viel über ihren Ruf in der Alpenbevölkerung verrät.

Herkunft und Verbreitung

Die Bergkiefer stammt ursprünglich aus den Gebirgen Mittel- und Osteuropas und gedeiht dort in teils extremen Höhenlagen von etwa 1.000 bis 2.700 Metern. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt oberhalb der potenziellen Hochwaldgrenze, und in Lawinenbahnen steigt sie mitunter sogar in tiefere Lagen herab. Sie ist damit keine Baumart des gemütlichen Mittelgebirges, sondern eine echte Pionierin der Extremlagen, eine Pflanze, die dort Fuß fasst, wo andere längst aufgegeben haben.

Egal ob schneereiche Winter oder starke Winde: Die Latschenkiefer trotzt den Bedingungen. Mit verzweigten Wurzeln findet sie auch in steinigen Steillagen Halt und übernimmt so eine wichtige Funktion als Lawinenschutz.

Erscheinungsbild: klein, zäh, eigenwillig

Die vielstämmige, strauchige Wuchsform erreicht in der Regel eine Höhe zwischen drei und fünf Metern. Charakteristisch ist der kriechende Wuchs der bodennahen Stämme, die sich erst zum Kronenbereich hin aufrichten. Die Borke am unteren Stammbereich ist schuppig, tief- bis graubraun, gelegentlich fast schwärzlich gefärbt. Die Nadeln sind dunkelgrün und etwa drei bis vier Zentimeter lang. Die Zapfen sind eiförmig und nehmen im zweiten Jahr eine satte Braunfärbung an.

Der typische, gedrungene Wuchs ist kein Zufall, sondern eine Überlebensstrategie: Wer nicht aufrecht steht, kann auch nicht so leicht abbrechen. Die Schneelast drückt die Äste nieder, die Pflanze gibt nach und federt zurück, sobald der Frühling kommt.

Die Latschn im Krummholzgürtel

Die Latsche ist zusammen mit der Grünerle eine charakteristische Baumart des Krummholzgürtels, jener Vegetationszone knapp unterhalb und um die alpine Baumgrenze herum. In den Bayerischen Hochalpen prägt sie weite Landschaftsabschnitte und behauptet sich langfristig, weil ihr genau die Standorte liegen, auf denen konkurrenzstärkere Baumarten nicht mehr gedeihen: Lawinenschneisen, Geröllfelder, windzerzauste Gipfelbereiche.

In Deutschland steht die Latschenkiefer unter Naturschutz. In Bayern ist sie zusätzlich auf der Roten Liste geführt, gilt dort zwar noch nicht als gefährdet, befindet sich aber auf der Vorwarnstufe. Vor allem in Blockmeeren und Gipfellagen des Bayerischen Waldes zeichnen sich Beeinträchtigungen durch Wanderwege, Kletterrouten und Baumaßnahmen ab.

Volksmedizin und das berühmte Latschenöl

Für die Bergbevölkerung war die Latschn nie bloß Landschaft, sondern auch Apotheke. In der Volksmedizin wurden Produkte aus der Latschenkiefer schon lange bei Erkältungskrankheiten, rheumatischen Beschwerden und Muskelschmerzen eingesetzt.

Die Idee, daraus ein industriell gefertigtes Heilmittel zu gewinnen, entwickelte ein Apotheker aus Bad Reichenhall Mitte des 19. Jahrhunderts. Seither wird aus den Zweigen und Nadeln durch Wasserdampfdestillation das ätherische Öl gewonnen und gegen Atemwegserkrankungen, Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen eingesetzt.

Für einen Liter Latschenkieferöl werden rund 300 Kilogramm Kiefernnadeln benötigt, was die Kostbarkeit des Rohstoffs erklärt und auch den Grund liefert, warum die Pflanze nicht einfach wild geerntet werden darf.

Das Latschenöl ist heute aus Saunaaufgüssen, Franzbranntwein, Erkältungsbalsamen und Fußbädern nicht wegzudenken: ein echter Klassiker der alpinen Hausapotheke, der seinen Weg vom Bergkraut zur Drogerieware gemacht hat, ohne dabei seinen Ursprung zu verleugnen.

Bedeutung heute

Die Latschn ist heute mehr als ein botanisches Randphänomen. Als Landschaftsprägerin der Hochlagen, als Schutzpflanze gegen Erosion und Lawinen und als Rohstofflieferantin für eine lebendige Tradition der alpinen Volksmedizin hat sie eine Bedeutung, die weit über ihre bescheidene Gestalt hinausgeht. Dass sie unter Naturschutz steht und trotzdem zunehmend unter Druck gerät, macht sie auch zu einem Symbol für die Fragilität alpiner Ökosysteme im Tourismuszeitalter.

Maria Himmelfahrt

Ein doppelter Feiertag am 15. August: kirchlich und bäuerlich zugleich.

Kirchlich ist es das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel – die Kirche feiert, dass Maria nach ihrem irdischen Leben mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Der Glaube daran reicht weit zurück: Erste Spuren finden sich schon im 5. Jahrhundert bei Cyrill von Alexandrien, dem das Fest und seine Ansetzung auf den 15. August zugeschrieben werden; im Osten der Kirche wurde die „Entschlafung Mariens" (Koimesis) schon Jahrhunderte vor dem Westen begangen. Zum verbindlichen Dogma der römisch-katholischen Kirche wurde die leibliche Aufnahme Mariens aber erst 1950: Papst Pius XII. verkündete es in der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus" – bis heute die einzige Verlautbarung, bei der ein Papst von der 1870 beschlossenen päpstlichen Unfehlbarkeit tatsächlich Gebrauch gemacht hat.

Im Volksmund trägt der Tag zahlreiche Beinamen: „Großer Frauentag", in Tirol auch „Hoher Frauentag". Der Ehrentitel rührt daher, dass Maria als bedeutendste Heilige der Kirche gilt und ihr Fest damit über den kleineren Marienfesten im Kirchenjahr steht – etwa Mariä Lichtmess im Februar oder Mariä Verkündigung im März. Daneben sind „Würzweih" oder „Büschelfrauentag" gebräuchlich, benannt nach dem Kräuterbuschen, der an diesem Tag geweiht wird.

Im Alpenraum ist Mariä Himmelfahrt bis heute mit sichtbarem Brauchtum verbunden, das über die Kräuterweihe hinausgeht. Traditionell haben Wallfahrten zu Marien-Gnadenorten an diesem Termin Hochsaison, ebenso Bergmessen an Gipfelkreuzen, bei denen Bergsteiger und Einheimische gemeinsam Gottesdienst feiern. Vielerorts ziehen zudem Prozessionen durch die Gemeinden, bei denen geschmückte Marienstatuen durch die Straßen getragen werden. Ein besonderes Beispiel ist die grenzüberschreitende Prozession auf dem Bodensee: Jedes Jahr legen dort Schiffe aus drei Anrainerländern gemeinsam ab, ein Bild dafür, wie die Marienverehrung im Dreiländereck über Grenzen hinweg verbindet. In Bayern, wo Maria seit 1616 als Patrona Bavariae verehrt wird, markiert der 15. August zugleich den Auftakt zu Wochen besonders dichter Marienverehrung.

Der bäuerliche Teil des Feiertags lebt vor allem in der Kräuterweihe fort: Traditionell wurden an diesem Tag Kräuter, Blumen und Getreidezweige geweiht. Der Überlieferung nach war das leere Grab Mariens nach ihrer Aufnahme in den Himmel nicht etwa mit dem Geruch des Todes, sondern mit dem Wohlgeruch von Blumen und Kräutern erfüllt – ein Bild, das bis heute als Ursprung der Kräutersegnung gilt. Die geweihten Kräuter sollten Haus, Vieh und Stall das ganze Jahr über schützen. Dieser Brauch ist nach wie vor lebendig.

Maria Verkündigung

Am 25. März begeht die christliche Kirche das Fest Maria Verkündigung (lateinisch: Annuntiatio Domini), auch Mariä Verkündigung oder volkstümlich Unser Frauen Tag im März genannt. Das Fest erinnert an jenen Moment, in dem der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien und ihr die Geburt des Gottessohnes ankündigte, ein Ereignis, das im Lukasevangelium (Lk 1,26–38) überliefert ist.

Das Datum ist theologisch bewusst gewählt: Genau neun Monate vor Weihnachten (25. Dezember) markiert es den Augenblick der Menschwerdung Gottes (Incarnatio). In der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche zählt es zu den bedeutenden Hochfesten des Kirchenjahres.

Das Fest lässt sich bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Papst Gelasius I. (492–496) erwähnte es erstmals schriftlich; im 7. Jahrhundert wurde es im gesamten Abendland als gebotener Feiertag eingeführt. In vielen Regionen Europas war der 25. März bis weit ins Mittelalter hinein auch der Jahresanfang.

Bräuche und Volksüberlieferungen

An Maria Verkündigung Kräuter und Frühblüher, vor allem die erste Gartenkresse, Veilchen und Schlüsselblumen, zur Kirche gebracht und gesegnet. Man glaubte, dass gesegnete Kräuter Haus und Vieh vor Unheil schützen.

Als einer der wichtigsten Lostage des bäuerlichen Jahres zeigte Maria Verkündigung an, wann es Zeit war, Hafer, Gerste und Flachs auszusäen. rchenkalender miteinander verzahnt waren. Wer an diesem Tag nicht säte, galt als säumig.

An Maria Verkündigung wurden geweihte Kerzen (oft Lichtmesskerzen vom 2. Februar) neu entzündet. Das Licht symbolisierte Marias „Ja“ zur Botschaft des Engels und damit das erste Aufleuchten des göttlichen Lebens in der Welt.

An Maria Verkündigung hat das Angelusgebet, das dreimal täglich gebetete Engelsgebet, seinen eigentlichen Ursprungstag. In Klöstern und Pfarrkirchen wurde es feierlicher als sonst geläutet, oft mit allen Glocken. Das Gebet nimmt direkt Bezug auf die Szene, die dieses Fest begeht.

Bedeutung heute

In der modernen Zeit ist das Fest im deutschen Sprachraum kein gesetzlicher Feiertag mehr (in Bayern und Österreich war es bis ins 19. Jahrhundert einer). In der Volksreligiosität lebt es jedoch fort: in Marienprozessionen, in blumengeschmückten Wegkapellen, im Angelusläuten und anderen regionalen Bräuchen.

Mysterienspiel

Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort mysterion ab, was so viel wie Geheimnis bedeutet. Im kirchlichen Gebrauch meinte man damit die heilsgeschichtlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu Christi, die für den Glauben von zentraler Bedeutung sind. Ein Mysterienspiel ist also im Kern ein religiöses Schauspiel, das diese Glaubensinhalte sichtbar und erlebbar machen soll.

In Fachkreisen wird der Begriff heute eher vermieden. Das Österreichische Musiklexikon empfiehlt stattdessen den präziseren Oberbegriff Geistliches Spiel sowie dessen Unterformen wie Oster-, Passions-, Weihnachts- oder Legendenspiel. Doch im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich Mysterienspiel„als Sammelbegriff für das religiöse Theater des Mittelalters und seine Nachfolgeformen bis heute gehalten.

Vom Kirchenraum auf den Marktplatz

Seit dem 11. Jahrhundert sind Mysterienspiele belegt, anfangs dargeboten von Geistlichen und Klosterschülern auf Latein. Im 13. Jahrhundert wanderten die Aufführungen zunehmend in die Volkssprache und damit auch in die Öffentlichkeit.

Aus dem liturgischen Rahmen des Gottesdienstes herausgewachsen, fanden die Spiele nun auf Marktplätzen und anderen öffentlichen Orten statt. Biblische Geschichten, Totentänze oder Darstellungen des Jüngsten Gerichts wurden aufgeführt. Die Rollen übernahmen mehr und mehr Mitglieder der städtischen Zünfte, wobei jede Zunft für ein bestimmtes Stück zuständig war. Das Spektakel war damit fest in der Gemeinschaft verankert, ein kollektives Projekt aus Glaube und Stadtleben.

Aus einfachen Osterspielen entwickelten sich mit der Zeit umfangreiche Passionsspiele. Ab dem 14. Jahrhundert wuchsen sie in Umfang und Aufwand, bis Aufführungen bisweilen mehrere Tage dauerten. Bekannte Zyklen entstanden etwa in St. Gallen, in Alsfeld, in Bozen und in Erl in Tirol.

Der Alpenraum als besonderes Zentrum

Die Forschung hält den Ostalpenraum für eine der bedeutendsten mittelalterlichen Pflegestätten des lateinischen geistlichen Spiels im deutschsprachigen Raum. Frühe Trägerzentren waren die Kathedralklöster in Passau, Salzburg, Chiemsee, Seckau und Brixen. Schon im Mittelalter hatte der Alpenraum also eine besondere Dichte an religiösem Theater.

In Österreich wurde diese Tradition 1751 durch ein obrigkeitliches Verbot abgebrochen. Erst im 20. Jahrhundert lebte sie wieder auf, stark beeinflusst durch die Passionsspiele von Oberammergau in Bayern, die als einzige im Alpenraum eine ununterbrochene Aufführungstradition besitzen.

In Thiersee in Tirol etwa gelobten die Bewohner 1799, um die Kriegsnot von ihrem Ort fernzuhalten, alljährlich in der Fastenzeit ein Mysterienspiel aufzuführen, eine Tradition, die bis heute weiterlebt. Ähnliche Lokaltraditionen entstanden in der Steiermark und im Salzburger Raum.

In Salzburg selbst hat das Mysterienspiel eine besondere Geschichte: Schon im Mittelalter wurden dort große Mysterienspiele aufgeführt, und am Domplatz inszenierte Max Reinhardt 1920 den Jedermann von Hugo von Hofmannsthal. Die Premiere am 22. August 1920 markierte zugleich die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele, und das Stück steht seither, mit einer Unterbrechung während der NS-Zeit, ununterbrochen auf dem Spielplan.

Formen und typische Elemente

Unter den Begriff Mysterienspiel fallen verschiedene Spielformen, je nach Thema und liturgischem Anlass:

  • Passionsspiel
    Das Leiden und Sterben Jesu, vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. Die bekannteste Form, vor allem in Oberammergau weltweit bekannt.
  • Osterspiel
    Die Auferstehung Christi, ursprünglich aus der Osterliturgie herausgewachsen.
  • Weihnachtsspiel
    Geburt Jesu, Verkündigung, Krippe. Im Alpenraum bis heute lebendig in Form von Krippenspielen und den Oberuferer Weihnachtsspielen.
  • Fronleichnamsspiel
    Aufführungen zum Fronleichnamsfest, mit besonderem Bezug auf die Eucharistie.

Der Übergang zur volkstümlichen Unterhaltung war dabei fließend: Fahrende Schausteller und ihre Darbietungen standen bei der Kirche nicht immer in hohem Ansehen, während kirchliche Rituale selbst schon immer eine theatralische Dimension hatten.

Bedeutung heute

Das klassische Mysterienspiel des Mittelalters ist in seiner ursprünglichen Form kaum noch lebendig. Nur vereinzelt gibt es noch Aufführungen, zum Beispiel in Meckenheim-Lüftelberg, wo jedes Jahr zu Fronleichnam das Leben verschiedener Heiliger gespielt wird.

Was fortlebt, sind seine Nachfolgeformen: die Passionsspiele in Tirol und der Steiermark, die Krippenspiele in Advent und Weihnacht, und im übertragenen Sinn auch der Jedermann auf dem Salzburger Domplatz. Dieser Entwicklungsstrang führte vom religiösen Spiel zum Volksschauspiel, einem nichtprofessionellen Rollenspiel außerhalb des regulären Theaterbetriebs, getragen von Menschen, die in einem lebendigen Brauchtumsgefüge stehen.

Das ist vielleicht die entscheidende Pointe: Das Mysterienspiel war nie bloßes Theater. Es war der Versuch einer Gemeinschaft, das Heilige greifbar zu machen, nicht auf der Distanz einer Bühne, sondern mitten unter den Menschen.

Nagei

Wer im Alpenraum, besonders im Salzburger Land, von einem Nagei spricht, meint schlicht eine Nelke. Das Wort ist eine dialektale Verkleinerungsform, die im bairisch-österreichischen Sprachraum gebräuchlich ist. Neben Nagei trifft man auch auf Nägele oder Nägeli, je nach Region und Mundart.
Innergebirg, also im Pinzgau oder Pongau, wird oft auch eine spezielle Form des Enzians so bezeichnet.

Woher kommt der Name?

Die umgangssprachliche Bezeichnung Nagei für duftende Nelken geht wahrscheinlich auf den ähnlichen Duft der Gewürznelke zurück, die wegen ihrer nagelförmigen Form so benannt wurde. Aber auch die Nelke selbst liefert eine visuelle Erklärung: Ausgezupfte Blütenblätter, Knospen- und Samenkapselform erinnern an die Form eines spitzigen Nagels. Der Botaniker Leonhart Fuchs bezeichnete die Gartennelke bereits als Negelin oder Negelblum. Das Wort hat also eine nachvollziehbare Wurzel im Aussehen und Duft der Pflanze, ist keine bloße Laune des Dialekts.

Die Nelke als Hutschmuck

Im Alpenraum hat der Hut als Teil der Männertracht traditionell eine eigene Sprache. Federn, Gamsbärte, Edelweiß oder eben frische Blumen am Hut sind kein purer Zierrat, sondern können Zugehörigkeit, Anlass oder sozialen Stand anzeigen. Das kleine Blumengesteck am Hut, ob aus Nelken, Alpenblumen oder anderem Grünzeug, nennt man allgemein auch Hutgesteck oder Buschen.

Beim Liachtbratlmontag auf der Rettenegghütte auf der Postalm ist der Brauch belegt, dass Gäste mit Hut ein solches Nagei als kleines Gesteck überreicht bekommen. Die genaue Entstehung dieses Brauchs speziell für diesen Anlass ist nicht volkskundlich dokumentiert, soweit mir bekannt. Es handelt sich vermutlich um einen lokal gewachsenen Festbrauch, der den besonderen Charakter des Tages unterstreichen soll.

Das Nagei ist also zunächst einmal ein ganz konkretes, bodenständiges Wort: Nelke auf Salzburgerisch. Dass ausgerechnet diese duftende, farbige Blume als Hutschmuck beim Liachtbratlmontag gereicht wird, passt gut in den Rahmen eines Feiertags, der das Ende der langen Sommertage markiert und den Übergang in die dunklere Jahreszeit festlich begeht.

Nothelfer

Die 14 Nothelfer sind eine Gruppe von Heiligen, die im Mittelalter besonders in Süddeutschland und Österreich verehrt wurden. Sie werden in schwierigen Notlagen angerufen und gelten als tatkräftige Fürbitter und Helfer. Die Gruppe besteht aus elf männlichen und drei weiblichen Heiligen, die meist als Märtyrer starben.

  1. Achatius – 8. Mai
    Helfer bei Todesangst
  2. Ägidius – 1. September
    Helfer bei der Beichte und der stillenden Mütter
  3. Barbara – 4. Dezember
    Schutzpatronin der Bergleute und Helferin bei Blitzschlag
  4. Blasius – 3. Februar
    Helfer bei Halskrankheiten
  5. Christophorus – 24. Juli
    Schutzpatron der Reisenden
  6. Cyriacus – 8. August
    Helfer in der Stunde des Todes
  7. Dionysius – 9. Oktober
    Helfer bei Kopfschmerzen
  8. Erasmus – 2. Juni
    Helfer bei Magenkrankheiten
  9. Eustachius – 20. September
    Helfer in schwierigen Situationen
  10. Georg – 23. April
    Schutzpatron der Ritter und Soldaten
  11. Katharina – 25. November
    Schutzpatronin der Gelehrten
  12. Margareta – 20. Juli
    Schutzpatronin der Wöchnerinnen
  13. Pantaleon – 27. Juli
    Schutzpatron der Ärzte
  14. Vitus – 15. Juni
    Helfer bei Epilepsie und Nervenkrankheiten

Diese Heiligen werden in der katholischen Kirche als Schutzpatrone im Gebet angerufen.

Osterkerze

Die Osterkerze ist eine große Kerze aus (Bienen)wachs, die in der Liturgie der Westkirchen, darunter die römisch-katholische, die anglikanische und die lutherische Kirche, zu Beginn der Osternachtfeier am Osterfeuer bereitet, geweiht und entzündet wird. Ihre weiße Farbe ist dabei kein Zufall: Weiß steht in diesem Zusammenhang für Hoffnung und neues Leben.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Das Entzünden einer besonderen Kerze zu Ostern ist keine mittelalterliche Erfindung. Der Brauch ist seit der Spätantike bezeugt. Bereits im Frühjahr 384 schrieb der Kirchenvater Hieronymus über das österliche Kerzenlob in einer Form, die ausdrücklich auf das Kerzenmaterial Wachs einging, und hielt fest, dass der Vortrag dieses Lobs dem Diakon vorbehalten war.

In der Osterkerze vereinigen sich Lichttraditionen aus griechischer, jüdischer, römischer und christlicher Herkunft gleichermaßen, denn Licht galt in all diesen Kulturen als Zeichen für das Leben. Die frühesten Wurzeln liegen im frühen Christentum, wo man die Feier der Osternacht mit zahlreichen Kerzen erleuchtete. Aus dem antiken Rom ist außerdem der Brauch überliefert, die Osternachtsfeier mit zwei mannshohen Kerzen zu erleuchten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde schließlich auch die gesamte Feuersymbolik des Osterfeuers auf die Osterkerze übertragen, so dass diese heute im Mittelpunkt der Osternachtfeier steht.

Die Osterkerze ist ursprünglich als Brandopfer zu verstehen. Ihr Lobgesang, das Exsultet, ist einem antiken Hymnus ähnlich, in dem die Gottheit gepriesen wurde, der das Opfer galt. Im Wachsmaterial selbst sahen frühere Theologen ein Sinnbild für Christus: Im reinen „Leib“ der Kerze aus gebleichtem Bienenwachs erkannte man ein Sinnbild für die menschliche Natur Christi, während die Flamme als Zeichen seiner göttlichen Natur aufgefasst wurde.

Ablauf

Die Feier beginnt draußen vor der Kirche. Am Osterfeuer wird die Kerze entzündet und gesegnet. Dann trägt ein Kerzenträger die Flamme durch das abgedunkelte Kirchenhaus und ruft dabei dreimal das Lumen Christi, auf Deutsch: „Christus, das Licht.“ Die Gemeinde antwortet mit „Gott sei ewig Dank.“ Anschließend entzünden die Gläubigen ihre eigenen mitgebrachten Kerzen an der großen Flamme.

Sobald die Osterkerze auf dem festlich geschmückten Osterleuchter steht, singt der Diakon das Exsultet, das feierliche Osterlob. Die Osterkerze ist der liturgische Mittelpunkt der gesamten Osternacht.

Bemerkenswert ist auch ihr Einsatz bei der Tauffeier in derselben Nacht: Die Osterkerze wird dabei dreimal in das Taufwasser eingesenkt, um die besondere Verbindung des Taufwassers mit dem auferstandenen Jesus zu unterstreichen.

Die Osterkerze brennt, je nach Auslegung, entweder bis Christi Himmelfahrt oder bis Pfingsten. Danach wird sie neben den Taufstein gestellt, wo sie fortan bei Taufen brennt. Auch bei Begräbnissen brennt die Osterkerze neben dem Sarg, um die Verbindung zwischen Tod, Taufe und Auferstehung sichtbar zu machen.

Die Symbole auf der Osterkerze

Wer eine Osterkerze genau betrachtet, entdeckt eine kleine Bildsprache, die eigene Erläuterungen verdient.

  • Das Kreuz
    ist das zentrale Motiv und steht für Tod und Auferstehung Christi.
  • Alpha und Omega
    sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf das Wort Jesu in der Offenbarung des Johannes, wo er sich als Anfang und Ende, Ersten und Letzten bezeichnet. Der Brauch, diese Buchstaben auf die Osterkerze einzuritzen, ist erstmals im 7. Jahrhundert in Spanien belegt.
  • Die Jahreszahl
    des laufenden Jahres erinnert daran, dass das Ostergeschehen nicht in der Vergangenheit verbleibt, sondern im Heute gefeiert wird.
  • Die fünf Weihrauchkörner,
    die in vorbereitete Vertiefungen der Kerze eingesetzt werden, gelten als Symbol für die fünf Wunden Christi.

Regionale Besonderheiten

Im bayerisch-österreichischen Alpenraum hat die Osternachtfeier mit der Osterkerze einen besonders feierlichen Charakter bewahrt. In vielen Pfarrgemeinden wird das Osterfeuer noch im Freien entzündet, oft auf dem Kirchplatz oder auf einer Anhöhe, bevor die Flamme in die verdunkelte Kirche getragen wird. Der Volksbrauch, eine kleine Kerze mit nach Hause zu nehmen und das erste Licht der Osternacht ins eigene Heim zu tragen, ist in Teilen Salzburgs und Tirols lebendig, auch wenn er keine einheitliche liturgische Form hat.

In ländlichen Gemeinden wurde früher der restliche Wachsstock der Osterkerze nach dem Pfingstsonntag mancherorts als Schutzkerze bei Gewittern verwendet, ähnlich der Wetterkerze.

Bedeutung heute

Die Osterkerze ist im deutschsprachigen Katholizismus lebendig geblieben, weit über rein liturgische Kreise hinaus. Viele Gemeinden gestalten ihre Osterkerze eigens, Pfarreien beauftragen Kunsthandwerker, und auch in privaten Haushalten werden kleine Osterkerzen zum Andenken aufgestellt. Die Nachfrage nach handverzierte Kerzen aus Bienenwachs ist in den letzten Jahren sogar wieder gestiegen, was auf ein wachsendes Interesse an liturgischen Handwerkstraditionen hindeutet. Das Entzünden der Kerze in der Osternacht gilt vielen auch konfessionell wenig gebundenen Menschen als ein bewegender Moment, der Jahrtausende christlicher Lichtmetapher in einem einzigen Bild zusammenfasst.

Pass

Wer im Advent von einer „Perchten-Pass“ oder „Krampus-Pass“ hört, denkt zunächst nicht an Dokumente, sondern an eine organisierte Gruppe von Maskenträgern, die gemeinsam auftritt. Der Begriff „Pass“ (auch „Passe“) bezeichnet im alpenländischen Brauchtum genau das: den fest gefügten Verein oder die informelle Gruppe, die als Einheit zu Krampus- und Perchtenläufen ausrückt – mit eigenen Regeln, eigener Kleidung und oft über Generationen weitergegebenen Masken.

In Salzburg, dem Kernland dieses Brauchs, hat sich die Struktur der Passen im 20. Jahrhundert stark professionalisiert. Standen um die Jahrtausendwende noch rund 160 Gruppen im Land, sind es inzwischen schätzungsweise 500 – ein Zeichen dafür, wie lebendig das Brauchtum geblieben ist. Zu den bekanntesten zählt die 1966 gegründete „Alt Gnigler Krampus Perchten Pass“, die aus einer Initiative des Salzburger Tapeziermeisters Hans Brugger hervorging und bis heute Männer und Frauen aus drei Generationen vereint. Eine andere bekannte Pass sind die „Salzburger Schiachpercht’n und Krampusse“ welche beispielsweise den Krampuslauf (5. Dezember) und den Perchtenlauf (21. Dezember) am Salzburger Christkindlmarkt organisieren.

Eine Pass finanziert sich meist selbst: Jedes Mitglied schafft seine Maske und sein Fell auf eigene Kosten an, was die geschnitzten Larven zu echten Erbstücken macht, die oft über Jahrzehnte in Familien weitergegeben werden. Damit die Läufe sicher ablaufen, stehen viele Passen in enger Abstimmung mit den Gemeinden und der Exekutive – feste Routen, Ordner und Verhaltensregeln gehören heute ebenso zum Brauch wie die Maske selbst.

Regional unterscheiden sich Passen deutlich: Während die Salzburger Gruppen für aufwendig geschnitzte Holzmasken und echte Fellkostüme bekannt sind, kamen etwa niederösterreichische Perchtengruppen in den 1970er-Jahren noch mit deutlich einfacheren Mitteln aus – Papiermasken und alte schwarze Mäntel genügten dort, um die Figuren des Passens zum Leben zu erwecken.

Pfaffenkapperl

„Pfaffenkaperl“ ist ein österreichisch-bairischer Volksname für den Gewöhnlichen Spindelstrauch, botanisch Euonymus europaeus L. Die Pflanze gehört zur Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) und ist unter einer ganzen Reihe von regionalen Volksnamen bekannt: Pfaffenhütchen, Pfaffenkäppchen, Pfaffenkapperl, Pfarrerkapperl, Spillbaum und Spindelbaum sind nur einige davon.

Der Name erklärt sich aus dem Aussehen der Früchte. Die rosafarbenen bis karminroten Kapseln erinnern an das Birett, die traditionelle Kopfbedeckung katholischer Geistlicher, was den volkstümlichen Namen „Pfaffenhütchen“ bzw. im österreichischen Dialekt „Pfaffenkaperl“ erklärt.

Der Strauch kann bis zu sechs Meter hoch werden. Seine Blüten sind unscheinbar weißlich bis grünlich und erscheinen im Mai und Juni. Die Samen entwickeln sich in vierlappigen Kapseln, die bei Reife aufspringen und die Samen an feinen Fäden heraushängen lassen.

Zur Giftigkeit: Alle Pflanzenteile, besonders die Samen, enthalten herzwirksame Glykoside und Alkaloide, die für den Menschen gefährlich sind. Nach dem Verzehr kann es zu Erbrechen, Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken kommen, wobei die Giftwirkung erst nach mindestens zwölf Stunden einsetzt. In Extremfällen können bereits 30 bis 40 Samen tödlich sein.

Volksmedizinisch war die Pflanze dennoch in Gebrauch: Überliefert sind Anwendungen als harntreibendes, herzstärkendes und wundheilendes Mittel gegen Kopfschmerzen, Herzschwäche und als Abführmittel. Außerdem wurde das Pulver der Samen früher als Mittel gegen Krätzemilben und Läuse eingesetzt.

Regionaler Bezug: Im bayerischen Raum ist die Pflanzung an Bildstöcken verbreitet, was sich wohl auf den geistlichen Klang des Namens zurückführen lässt. Im überlieferten Volksglauben spielt das Pfaffenkaperl ansonsten eine eher untergeordnete Rolle.

Pfingsten

Pfingsten ist das Fest, an dem der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger Jesu herabkam. Dieser Moment gilt als der Geburtstag der Kirche. Die Schilderung findet sich in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments:

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem die Jünger saßen.

Das Pfingstereignis: 2,1–13

Seither gelten Feuer und Wind als die klassischen Symbole des Heiligen Geistes, und die Taube, obwohl sie in der Apostelgeschichte beim Pfingstgeschehen selbst nicht erwähnt wird, hat sich als Bild des Heiligen Geistes tief im Volksglauben verankert.

Die liturgische Farbe an Pfingsten ist Rot, als Farbe des Feuers und des Heiligen Geistes. In vielen Kirchen werden Priester und Ministranten an diesem Tag entsprechend gekleidet, und die Gotteshäuser sind mit roten Blumen geschmückt.

Herkunft

Der Zeitraum von fünfzig Tagen wurde aus der jüdischen Tradition übernommen. Im Judentum war das Fest zunächst ein Erntedankfest mit der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel. Später wurde es als Wochenfest bezeichnet und rückte stärker das Danksagen für Gottes Gesetzesübergabe an Moses in den Mittelpunkt. Die frühe christliche Gemeinde knüpfte bewusst an diesen jüdischen Festtermin an. Erstmals fand Pfingsten als christliches Fest im Jahre 130 schriftliche Erwähnung.

Pfingsten im Voralpenland

Im bäuerlichen Jahreskreis der Alpen und des Voralpenlands war Pfingsten kein rein religiöser Feiertag, sondern zugleich ein wichtiger Einschnitt im Wirtschaftsjahr. Rund um Pfingsten beginnt in Österreich der Almauftrieb: Rund 51.000 Milchkühe, 265.000 Rinder, 9.000 Pferde, 114.000 Schafe und 10.000 Ziegen werden auf die Sommerweiden in den höheren Lagen getrieben. Pfingsten markierte damit jahrhundertelang den Beginn der Weideperiode, was das Fest mit dem bäuerlichen Leben unmittelbar verknüpfte.

Es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als sogenannte „Halterbuben“ einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie schon kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das „Pfingstschnalzen„. In Oberösterreich und in Teilen der Steiermark wird dieses Peitschenknallen bis heute gepflegt.

Ein weiterer verbreiteter Brauch im bairisch-österreichischen Raum ist das Schmücken der Häuser mit frischen Birkenzweigen. Diesen sogenannten Pfingstmaien wurden Schutzkräfte nachgesagt, da sie böse Geister im Haus vertreiben sollten. Außerdem galten die Birkenäste als Symbol der Liebe.

Im Bereich der Volksmedizin und des Volksglaubens gibt es noch weitere Überlieferungen: In Salzburg erhellen Pfingstfeuer die Nacht, was an vorchristliche Feuerrituale erinnert.

Die Pfingstrose

Die Pfingstrose (Paeonia) hat ihren deutschen Namen schlicht daher, dass sie rund um Pfingsten zu blühen beginnt. Sie wurde im Volksglauben mit dem Fest in Verbindung gebracht und als Schmuckpflanze in und um die Kirche verwendet. Eine tiefere rituelle Bedeutung ist nicht eindeutig belegt.

Pfingsten heute

Die religiöse Bedeutung von Pfingsten ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Hintergrund gerückt. Traditionelle Bräuche werden weniger gepflegt, dafür erlebt die Reisebranche einen Aufschwung, da das verlängerte Wochenende gerne für Kurzreisen genutzt wird. Dennoch gibt es Regionen im Voralpenland und in Österreich, in denen die alten Pfingstbräuche lebendig geblieben sind: Das Pfingstschnalzen in Oberösterreich, die Almauftriebe in Salzburg und Tirol, oder die Pfingstritte in Bayern, bei denen Reiter zu Pferd die Fluren und Felder umrunden, um den Saaten gutes Gedeihen zu wünschen.