Schepseisen

Ein Schepseisen ist ein Werkzeug, das traditionell beim Maibaumaufstellen verwendet wird. Es handelt sich dabei um ein langes, flaches Eisen, das dazu dient, die Rinde vom Stamm des Maibaums zu entfernen. Dieser Prozess wird auch als Schälen bezeichnet.

Das Schepseisen wird dabei entlang des Stammes geführt, um die Rinde abzutragen und den Baum für das Aufstellen vorzubereiten. Es ist ein wichtiges Werkzeug in dieser Tradition und trägt dazu bei, den Baum für das Fest vorzubereiten. Es erfordert Geschick und Erfahrung, das Schepseisen effektiv zu verwenden, und es ist ein wesentlicher Bestandteil des Brauchtums des Maibaumaufstellens.

Scherhaufn

„Scherhaufen“ ist ein Dialektwort aus dem österreichisch-bayerischen Sprachraum. Es bezeichnet, was im Hochdeutschen „Maulwurfshaufen“ heißt: den kleinen Erdhügel, den die Schermaus (also der Maulwurf) beim Graben seiner unterirdischen Gänge an die Oberfläche schiebt.

Die Erde wird dabei vom Maulwurf mit Kopf oder Rüssel seitlich nach oben gedrückt, je nach Bodenbeschaffenheit alle 50 bis 100 Zentimeter, was die typischen Hügel von rund 25 Zentimetern Höhe ergibt. Interessanterweise liegen diese Haufen meist nicht direkt über dem Gang, sondern seitlich versetzt.

Das Wort lebt vor allem in Österreich, Teilen Bayerns und der Schweiz weiter, während man im nördlicheren Hochdeutsch schlicht „Maulwurfshaufen“ sagt. „Schermaus“ oder „Schermäusl“ ist der regionale Name für den Maulwurf.

Schwenden

„Schwenden“ bedeutet im älteren Sprachgebrauch das Roden und Lichten von Gestrüpp, Gebüsch und unerwünschtem Aufwuchs auf Wiesen, Weiden und Almen. Auf den Bergweiden des Voralpenlands ist das kein Luxusproblem: Wo nicht regelmäßig gerodet wird, holt sich der Wald die Fläche zurück. Farne, Stauden, Adlerfarn, Haseln und Birken – sie alle dringen langsam, aber unaufhaltsam in die Wiesen vor.

Das Wort „schwenden“ leitet sich vom mittelhochdeutschen swenden ab und meint das Vernichten oder Verschwinden-Lassen von Vegetation – oft durch Abschneiden, Ausreißen oder gezieltes Abbrennen. Es ist nicht eindeutig belegt, ob der Begriff ursprünglich auch für das Brandroden, also das Abbrennen von Flächen zur Kultivierung, verwendet wurde – regional sind hier unterschiedliche Bedeutungen überliefert.

Silvesternacht

Die Silvesternacht, also die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar, ist einer der wenigen Momente im Jahr, an dem so gut wie jeder Mensch – ob religiös oder nicht – innehält und sich fragt: Was soll das neue Jahr, die Zukunft bringen?

Was steckt hinter dem Namen?

„Silvester“ ist kein alter Volksname für den Jahreswechsel. Er geht auf den heiligen Silvester I. zurück, Papst von 314 bis 335 n. Chr., dessen Gedenktag im katholischen Kalender auf den 31. Dezember fällt.

Wie bedeutsam Silvester I. tatsächlich war, ist historisch umstritten – aber sein Name blieb am letzten Tag des Jahres hängen, und das seit Jahrhunderten.

Im deutschsprachigen Raum hat sich „Silvester“ als Alltagsbegriff vollständig durchgesetzt. Im Englischen sagt man schlicht „New Year’s Eve“, im Französischen „Saint-Sylvestre“ – der Heilige lebt also auch anderswo weiter, wenngleich nicht immer bewusst.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Jahreswechsel selbst ist weit älter als das Christentum. Schon die Römer feierten das neue Jahr zu Ehren des Gottes Janus – des doppelköpfigen Gottes, der gleichzeitig nach vorne und nach hinten blickt. Von ihm stammt der Name „Januar“.

Im Mittelalter begann das neue Jahr in vielen Regionen Europas gar nicht am 1. Januar, sondern zu Weihnachten, zu Ostern oder zu Maria Verkündigung – je nach Ort und Tradition. Erst mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 setzte sich der 1. Jänner als offizieller Jahresbeginn zunehmend durch.

Im Voralpenland und im Alpenraum vermischte sich der Jahreswechsel früh mit älteren Winterbräuchen. Der 31. Dezember fällt mitten in die sogenannten Raunächte – jene zwölf magischen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen laut Volksglauben die Geisterwelt besonders nah ist, Hexen und Dämonen ihr Unwesen treiben und Träume als Zeichen für das kommende Jahr gedeutet werden.

Die Raunacht als Rahmen

Wer die Silvesternacht im alpinen Brauchtum verstehen will, muss die Raunächte kennen.

Die genaue Zählung variiert regional, aber die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar gilt fast überall als eine der bedeutsamsten Rauhnächte. In manchen Überlieferungen ist es die neunte, in anderen die elfte Rauhnacht – je nachdem, ab wann man zu zählen beginnt.

In dieser Nacht sind die Grenzen zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt durchlässig. Wer genau hinhört, soll die Wilde Jagd durch die Lüfte reiten hören. Haustiere sollen in der Neujahrsnacht sprechen können – freilich ist es streng verboten, ihnen dabei zuzuhören. Um böse Geister zu vertreiben, half Lärm. Viel Lärm! Dazu waren dann auch die Perchten gedacht.

Typische Bräuche

Schüsse, Glockenläuten, Böller und lautes Rufen gehören seit Jahrhunderten zum Jahreswechsel. Der Hintergedanke war zunächst kein Fröhlichkeit-Bekenntnis, sondern ein schlichtes Mittel: Lärm vertreibt böse Mächte.

Im Salzburger Land und im Rupertiwinkel ist das Neujahrsschießen (auch Neujahrsböllerschießen) bis heute lebendig. Schützenvereine und Prangerstutzenvereine begrüßen das neue Jahr mit Böllerschüssen. In manchen Gemeinden geschieht dies um Mitternacht, in anderen bereits am frühen Neujahrsmorgen und in wieder anderen am Nachmittag des Silvestertages.

Ein sehr alter Brauch, der in vielen Familien im Voralpenland bis ins 20. Jahrhundert lebendig war: das Bleigießen.

In manchen Gebieten des Salzkammerguts, der Steiermark und des bayerischen Voralpenlands gab es den Brauch des Neujahrssingens.

In ländlicheren Bereichen des Salzburger Landes – etwa im Pongau, Lungau oder Tennengau – ist der Jahreswechsel stärker mit den Raunächten verknüpft. Hier wird Haus und Hof mancherorts noch geräuchert, um böse Geister zu vertreiben.

Im gesamten Alpenraum ist die Verbindung zwischen Jahreswechsel und dem alpinen Perchtenbrauchtum spürbar.

Bedeutung heute

Die Silvesternacht ist eines der wenigen Feste, das tatsächlich von fast allen gefeiert wird – unabhängig von Konfession oder Herkunft. Der religiöse Bezug auf den heiligen Silvester ist im Alltag kaum noch präsent. Was geblieben ist, ist der menschliche Wunsch nach einem Neuanfang, nach Gemeinschaft und nach dem kollektiven Innehalten.

Gleichzeitig erleben viele der alten Bräuche – das Räuchern, das bewusste Begehen der Rauhnächte, das Bleigießen (nun in der Wachsvariante) – eine kleine Renaissance. Menschen suchen Rituale, die dem Jahreswechsel mehr Tiefe geben als Sekt und Böller allein.

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

In vielen Stuben repräsentiert eine hölzerne, kunstvoll geschnitzte Taube den heiligen Geist. Diese Figur wird meistens direkt über dem Esstisch aufgehängt.

Früher wurde an diesem Tisch gemeinsam gegessen, wobei die bäuerliche Familie mit dem Gesinde rund um einen Suppentopf saß, der mitten auf dem Tisch stand. Und hier kommt die Physik ins Spiel. Die heiße Suppe dampfte, der Dampf stieg auf und kondensierte an der Taube, der Heiligen-Geist-Figur da diese kalt war. In der Folge tropfte es von der Taube wieder in den Suppentopf.

Gefertigt werden die Tauben traditionell aus Zirbenholz – im Lungau etwa fertigt eine Familie in Zederhaus die Figuren seit vier Generationen in reiner Frauenhand, Mutter und Tochter schnitzen sie mit einfachem Werkzeug, teils nur mit dem Küchenmesser. An einem Stück arbeiten sie sieben bis acht Stunden, das Holz wird zuvor gekocht, um es geschmeidig zu machen, die Flügelstruktur folgt dabei dem Vorbild eines Pfaus. In guten Jahren entstehen so 300 bis 400 Tauben, vermarktet unter anderem über das Salzburger Heimatwerk. Neben dem Aufhängen über dem Esstisch dienen die geschnitzten Tauben bis heute auch als Geschenk zu Taufe, Firmung oder Hochzeit.

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube

Taufkerze

Die Taufkerze ist ein zentrales Objekt im Ritus der christlichen Taufe. Sie wird während der Tauffeier zum ersten Mal entzündet, an der Osterkerze, die im Altarraum steht. Dabei übergibt der Pfarrer die brennende Kerze dem Täufling oder, wenn es sich um ein Kind handelt, dessen Eltern und Paten, mit den Worten:

Nimm hin diese brennende Kerze zum Zeichen,
dass Christus das Licht deines Lebens ist.

Das Anzünden an der Osterkerze ist keine Nebensächlichkeit. Es symbolisiert, dass der Täufling das Licht Christi empfängt und damit Teil der christlichen Gemeinschaft wird.

Herkunft und Geschichte

Die Verwendung von Kerzen bei der Taufe hat eine lange Tradition im Christentum. Bereits im frühen 4. Jahrhundert nach Christus berichten Kirchenväter wie Ambrosius von Mailand vom Gebrauch brennender Kerzen bei Taufzeremonien. Ursprünglich hatten diese Kerzen noch einen schlichten praktischen Zweck: Sie dienten der Beleuchtung, da Taufen oft in den frühen Morgenstunden oder an dunklen Orten stattfanden.

Der Ritus der Überreichung einer brennenden Kerze als eigener Bestandteil der Tauffeier ist dann ab dem 11. Jahrhundert schriftlich belegt. Aus dem nüchternen Beleuchtungsmittel war ein Zeichen geworden, das über den Moment hinauswies.

Die Kerze und ihre Symbole

Taufkerzen sind selten schlicht. Klassische Zeichen sind das Kreuz als zentrales Symbol des Glaubens, der Fisch (ICHTHYS) als frühchristliches Erkennungszeichen, die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, der Baum des Lebens als Zeichen für Wachstum und Hoffnung sowie Wasser und Sonne als Zeichen für Leben, Reinigung und Licht.

Auch der griechische Buchstabe Tau findet sich auf vielen Taufkerzen. Bereits der Prophet Ezechiel sah in diesem Zeichen ein Symbol des Lebens. Alpha und Omega, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, stehen für Anfang und Ende, für Gott als Ursprung und Ziel des menschlichen Lebens.

Regionale Besonderheit

Was die Taufkerze im volksfrömmigen Verständnis des Alpenraums besonders macht, ist ihre Rolle jenseits des Tauftages selbst. In vielen Familien begleitet sie den Getauften durch wichtige Stationen seines Lebens: Erstkommunion, Firmung, kirchliche Trauung, Ehejubiläum. An diesen Wegmarken des Glaubenslebens wird sie erneut entzündet.

Im Berchtesgadener Land war es regional üblich, eine besonders große Taufkerze für alle Kinder einer Familie zu verwenden. Die Kerze wurde also nicht jedem Kind einzeln mitgegeben, sondern war ein gemeinsamer Familienbesitz.

In früheren Zeiten wurde die Taufkerze schließlich zum letzten Mal am Sterbebett ihres Besitzers entzündet. So schloss sich der Kreis: Das Licht, das beim Eintritt ins christliche Leben leuchtete, begleitete auch den Abschied aus diesem Leben. In manchen Regionen ist es üblich, die Taufkerze ein ganzes Leben lang aufzubewahren, um sie schließlich neben dem Sterbebett zu entzünden.

Bedeutung heute

Heute ist die Taufkerze vielerorts ein liebevoll gestaltetes, personalisiertes Geschenk der Taufpaten. Namen, Datum, Symbole, manchmal sogar Fotos werden aufgedruckt oder ins Wachs gearbeitet. Der religiöse Kern ist dabei für viele Familien erhalten geblieben, auch wenn die volkskundliche Praxis des Wiederentzündens an Lebenswegmarken seltener geworden ist. In Österreich gehört die Taufkerze nach wie vor zu den zentralen Elementen der Taufzeremonie in katholischen wie evangelischen Gemeinden.

Die Kerze landet heute seltener am Sterbebett, dafür häufiger in einer Erinnerungsbox. Beide Praktiken folgen derselben Grundidee: Ein Licht, das einmal für ein Leben entzündet wurde, verdient es, aufbewahrt zu werden.

Weihwasswerbecken

Weihwasserbecken sind in der katholischen Kirche Gefäße zur Aufnahme von Weihwasser, einem sogenannten Sakramentale. Die kleineren Varianten für den häuslichen Gebrauch werden auch als Weihwasserkessel oder Weihbrunnkessel bezeichnet. Der Begriff „Weihbrunn“ ist dabei kein Zufall: Er verweist auf die alte Vorstellung, dass es sich um eine Art geweihter Quelle handelt. Wasser, dem durch ein priesterliches Segensgebet eine besondere, schützende Kraft verliehen wurde.

Weihwasser ist Wasser, über das von einem Priester oder Diakon ein Segensgebet gesprochen wurde, und gehört zu den Sakramentalien der Kirche. Ihm kann Salz beigefügt werden. Theologisch gesehen ist Weihwasser kein Zauber, sondern ein Zeichen: Es erinnert an die Taufe und steht für Reinigung, Schutz und Gottesnähe.

Woher kommt der Brauch?

Der Ursprung von mit Wasser gefüllten Becken reicht bis in das antike Griechenland zurück, dort dienten solche Becken der symbolischen Reinigung vor dem Betreten eines Heiligtums oder Tempels. In der katholischen Tradition lassen sich die ersten Weihwasserbecken bereits in Kirchen aus der Zeit der Romanik nachweisen.

Seit dem Mittelalter ist es üblich, nahe der Kirchentür ein Weihwasserbecken zu installieren, damit sich die Gläubigen beim Betreten und Verlassen der Kirche bekreuzigen können. Von dort wanderte der Brauch irgendwann in die Häuser. Wer nicht immer in die Kirche gehen konnte, wollte den Segen trotzdem daheim verfügbar haben. Man füllte ein kleines Schüsserl am Weihwasserkessel in der Kirche und nahm es mit nach Hause. So entstand eine private Variante des Kirchenbrauchs, bodenständig, alltagsnah, volksfromm.

Das Weihwasserbecken im Haus

Gläubige können das Weihwasser mit nach Hause nehmen und dort das Jahr über in Weihwasserbecken in den einzelnen Räumen bereithalten. Klassische Plätze waren und sind: neben der Haustüre, im Schlafzimmer, am Nachtkastl und in der guten Stube.

Es gab eine Zeit, in der katholische Familien ein kleines Weihwasserbecken neben der Haustür oder in ihren Zimmern hatten, und bevor sie das Haus verließen, bei der Rückkehr, zu Beginn des Tages oder vor dem Schlafengehen damit das Kreuzzeichen machten. Diese kurze Geste, die Fingerspitzen ins Wasser tauchen, sich bekreuzigen, vielleicht ein stilles Gebet sprechen, war in vielen Familien ein selbstverständlicher Teil des Tages. Nicht als große religiöse Handlung, sondern als ruhiges Ritual, das Übergänge markierte: den Aufbruch, die Heimkehr, den Schlaf.

Besonders für Eltern galt es als sinnvoll, schon den kleinen Kindern morgens und abends Weihwasser zu geben und ihnen ein Segenskreuzlein auf Mund, Stirn und Brust zu zeichnen. Der Weihbrunnkessel war damit auch ein Ort familiärer Fürsorge: der Segen der Eltern, greifbar und täglich.

Die Formen sind so vielfältig wie die Regionen. Weihwasserbecken sind fast immer auf Ellenbogenhöhe fest angebracht. Volkstümliche Stücke aus dem Alpenraum zeigen häufig Mariendarstellungen, Christusfiguren oder einfache Kreuzreliefs. Besonders beliebt war glasierte Keramik. Die Landessammlungen Niederösterreich etwa besitzen einen Weihbrunnkessel aus glasierter Keramik mit einem Halbrelief von Maria und Kind. Barocke Stücke aus Adels- oder Klosterhäusern konnten dagegen aufwändig vergoldete Kunstwerke sein.

Um die Bedeutung der Segnungsgeste hervorzuheben, ist der Weihwasserkessel oft mit einem Kreuz, einer Marienfigur, mit Efeublumen oder anderen Ornamenten reliefartig gestaltet.

In Süddeutschland findet sich eine interessante Variante des Brauchs: Weihwasserbehältnisse finden sich in Süddeutschland auch auf Gräbern, da das Besprengen der letzten Ruhestätte dort als weitverbreitete Segnungsgeste gilt.

Dreikönigswasser und Osterwasser

Nicht jedes Weihwasser war für die häuslichen Becken gleich. Im Volksglauben galten bestimmte Weihen als besonders wirksam. In katholischen Pfarreien wird am 6. Januar das sogenannte „Dreikönigswasser“ geweiht, das nach volkstümlicher Überzeugung besonders wirksam sein und bis zu sieben Jahre lang haltbar bleiben soll. Es wird zur Segnung von Häusern und Ställen verwendet.

Das in der Osternacht geweihte Taufwasser, das sogenannte Osterwasser, galt ebenfalls als besonders kostbar und wurde in vielen Haushalten sorgfältig aufbewahrt.

Bedeutung heute

Das Weihwasserbecken ist heute in vielen Haushalten verschwunden. Wo er noch hängt, ist er oft ein Erbstück, ein handbemaltes Schüsserl von der Großmutter, das nun mehr Erinnerungsstück als gelebter Brauch ist. Gleichzeitig gibt es in katholisch geprägten Regionen Österreichs und Bayerns durchaus noch Familien, die den Brauch bewusst pflegen, gerade auch junge Menschen, die in der täglichen Geste einen ruhigen Moment der Besinnung schätzen.

Der Weihbrunnkessel ist vielleicht das schlichteste religiöse Alltagsobjekt überhaupt: ein kleines Schüsserl Wasser. Und doch steckt dahinter eine jahrtausendealte Idee, dass der Übergang zwischen drinnen und draußen, zwischen Schlaf und Wachsein, zwischen Aufbruch und Heimkehr, einen Moment der Stille verdient.

Wergflockn

Wer als Kind in einer alten Dorfkirche im Salzburger Land oder in Tirol den Pfingstgottesdienst erlebt hat, erinnert sich vielleicht an einen merkwürdigen und gleichzeitig faszinierenden Moment: Aus einem kleinen Loch im Kirchengewölbe hoch oben fielen plötzlich glimmende Flocken herab, schwebten durch den Kirchenraum und ließen kurze Lichtpunkte aufflackern, bevor sie erloschen. Diese brennenden Fäserchen heißen im volkstümlichen Ausdruck des Alpenraums Wergflockn – und hinter ihnen steckt ein mittelalterlicher Brauch, der das Unsichtbare sichtbar machen wollte.

Werg bezeichnet die groben, kurzfaserigen Abfallreste, die beim Verarbeiten von Flachs oder Hanf anfallen. Diese lockeren Faserbüschel brennen leicht und langsam, sie glimmen mehr als sie lodern, und wenn man sie entzündet und loslässt, fallen sie in sanften, leuchtenden Flocken zu Boden. Genau diese Eigenschaft machte sie zu einem liturgischen Darstellungsmittel: Die Wergflockn sollten die Feuerzungen versinnbildlichen, die nach dem Bericht der Apostelgeschichte zu Pfingsten auf die Jünger Jesu herabkamen.

Wetterkerze

Schauerkerzen, so ihr gebräuchlicherer Name in der Volkskundeliteratur, sind gesegnete Kerzen, die im Brauchtum zum Gebet angezündet werden, um bei nahendem Unwetter Schäden und Blitzeinschläge abzuwenden. Das Brauchtum ist heute vorwiegend im Voralpen- und Alpengebiet verbreitet.

Die Namen variieren je nach Region: Wetterkerze, Schauerkerze, Gewitterkerze und in Österreich nennt man sie auch liebevoll Donnerkerze. Gemeint ist immer dasselbe: eine geweihte Kerze, die bei aufziehendem Unwetter entzündet wird, verbunden mit Gebet und dem Vertrauen auf göttlichen Beistand.

Herkunft und Geschichte

Der Brauch, Gewitterkerzen zu entzünden, entstand wahrscheinlich aus dem Wettersegen, der vor allem in ländlichen Gegenden meist zwischen dem Fest der Kreuzauffindung (3. Mai) und dem Fest der Kreuzerhöhung (14. September) im Gottesdienst gespendet wurde.

Solche Wetter- bzw. Schauerkerzen werden in kirchlichen Unterlagen erstmals 1675 erwähnt. Noch früher, nämlich bereits 1497 und nochmals 1512, kaufte eine Kirche in Ingolstadt beim örtlichen Händler Wachs „zu den schauerkertzen“. Womit sich das Brauchtum zumindest ins ausgehende Mittelalter zurückverfolgen lässt.

Die Ursprünge der Wetterkerzen lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. In einer Zeit, in der der Mensch Naturgewalten wie Unwetter und Hagel oft hilflos ausgeliefert war, suchte man nach Schutz und Beschwichtigung. Für Bauernfamilien war ein einziger Hagelschlag nicht bloß ein Schaden. Er konnte die Ernte und damit die Lebensgrundlage für ein ganzes Jahr vernichten.

Schwarz oder weiß?

Je nach örtlichem Brauch gibt es sowohl schwarze als auch weiße Wetterkerzen. Zuweilen werden beide Varianten an einem Ort und mit denselben Abbildungen im Devotionalienhandel angeboten.

Warum ausgerechnet schwarz? Eine mögliche volkskundliche Erklärung: Die Wetterkerze ist schwarz, weil früher aus verrußten Kerzenresten Wetterkerzen gegossen wurden.

Die Kerzen werden häufig an Wallfahrtsorten verkauft und sind mit einer Abbildung des jeweiligen Gnadenbildes – oft der Gottesmutter oder der heiligen Anna oder Abbildungen des Wallfahrtsortes versehen, gelegentlich auch mit Anrufungen bestimmter Heiliger oder Teilen des Wettersegens. Wobei im Salzburger Raum die schwarze Kerze vom Wallfahrtsort Maria Kirchental sehr bekannt ist.

Das Ritual

Bei Gewitter wird noch gegenwärtig sofort das Herdfeuer gelöscht. Fenster und Türen werden geschlossen, damit der Blitz keinen Zug hat. In den Herd wird etwas Geweihtes vom Palmzweig gegeben oder ein kleines Kranzl von Fronleichnam. In der Stube wird gemeinsam gebetet und es wurde die Wetterkerze angezündet.

Die Wetterkerze war nie ein Einzelstück, sondern eingebettet in ein ganzes Geflecht aus Schutzhandlungen, dem geweihten Palmbuschen, dem gemeinsamen Gebet, dem Schließen der Fenster und Türen. Die Kerze war das Zentrum, der sichtbare Ausdruck von Vertrauen und Bitte. Bis heute werden Wetter- bzw. Schauerkerzen in manchen katholischen Haushalten im Herrgottswinkel oder neben dem Weihwasserbecken aufgestellt.

Bedeutung heute

Der Blitzableiter hat die Wetterkerze in ihrer praktischen Funktion längst abgelöst. Und doch: Obwohl die Wetterkerze in ihrer ursprünglichen Funktion als Wetterbeeinflussungsmittel an Bedeutung verloren hat, findet sie heute wieder vermehrt Anklang. Sie wird als Dekorationsobjekt, als Teil von Brauchtumsfesten oder als Ausdruck spiritueller Überzeugungen verwendet.

Etwas anderes kommt hinzu. Wer bei aufziehendem Gewitter eine Kerze anzündet, gemeinsam betet und inne hält, der tut etwas Sinnvolles: Er unterbricht die Panik, versammelt die Familie, findet Ruhe. Das ist kein Aberglaube, das ist menschliche Weisheit in Form eines Rituals.